Die Trauer hinter der Karikatur

«Beindruckend» und «gelungene Mehrdeutigkeit»: «Tages-Anzeiger»-Karikaturist Felix Schaad kommentiert die erste Ausgabe von «Charlie Hebdo» nach dem Attentat.

Ist beeindruckt von Leistung der «Charlie Hebdo»-Redaktion: Karikaturist Felix Schaad.
Video: Jan Derrer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Karikaturist ist im Videointerview beeindruckt, dass die Redaktion von «Charlie Hebdo» trotz der traumatischen Ereignisse eine neue Ausgabe produzierte. In der Karikatur des weinenden Propheten Mohammed und dem Titel «Alles ist vergeben» auf der Frontseite sieht er nicht nur eine gelungene Mehrdeutigkeit, sondern auch Menschlichkeit und Trauer.

Die Titelseite sorgt international für Zündstoff – aber auch für Verwirrung. «Charlie-Hebdo»-Chefredaktor Gérard Biard klärt auf: «Es sind wir, die vergeben.» Diese Vergebung gelte aber sicher nicht den Terroristen, betont Biard. «Wir wollten vor allem wir selbst bleiben», sagt er.

Die Attentäter töteten Menschen, die keine bösen Absichten hätten. Mohammed, wie ihn die Zeichner sähen, erklärt Karikaturist Luz, sei schliesslich ein «guter Kerl». Und damit ein «sehr viel sympathischerer» als jener Mohammed, den die Attentäter zeichneten.

Mehrdeutigkeit

Gilt die Vergebung der Redaktoren also Mohammed? Einem guten Kerl, der ebenfalls trauert? Oder ist es gar Mohammed selbst, der verzeiht und vielleicht sagt: es ist nicht schlimm, dass ihr mich gezeichnet habt?

Fest steht, die neue Seite Eins steckt voller Emotionen, die vielleicht erst mit Abstand richtig verstanden werden können.

(jd/SDA)

Erstellt: 14.01.2015, 18:39 Uhr

Artikel zum Thema

«Die Jungfrauen sind beim Team von Charlie»

Heute erschien die erste «Charlie Hebdo»-Ausgabe nach dem Attentat auf die Redaktion – und ist bereits vergriffen. Die Karikaturisten geben die Kouachi-Brüder als geistig minderbemittelte Idioten der Lächerlichkeit preis. Mehr...

Ungerührt hecken sie ihre neuen Striche aus

Kritik Die Neuausgabe von «Charlie Hebdo»: Im vollen Umfang produziert, ungebremst im Ausdruck, schwankend in der Wirkung. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Nationalstolz: Eine Büste des Real-Madrid-Spielers Cristiano Ronaldo schmückt den Flughafen in Funchal auf der Insel Madeira, Portugal. Es gibt aber auch Stimmen, die das Kunstwerk recht missraten finden. Nach dem Gewinn der Europameisterschaften 2016 wird der Flughafen neu nach dem Weltfussballer benannt (29. März 2017).
(Bild: Rafaele Marchante) Mehr...