Verletzter auf Facebook: «Bitte stürmt den Saal»

In der Konzerthalle Bataclan kam es zu einem Blutbad. Augenzeugen schildern ihre Eindrücke des Terrorangriffs.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach Polizeiangaben gab es bei dem Angriff, der gegen 21.30 Uhr begann, etwa hundert Tote. Auch drei Täter seien getötet worden. Im «Bataclan» war am Freitagabend die amerikanische Rockband «Eagles of Death Metal» vor ausverkauftem Saal aufgetreten. Die Halle fasst 1500 Zuschauer.

Laut einem Augenzeugenbericht gab es mindestens zwei Täter, die mehr als 10 Minuten lang wild um sich schossen. Der Journalist Julien Tierce vom Radiosender Europe 1, der am Freitagabend selbst im Saal war, berichtete: «Das Konzert lief schon, als mehrere Leute mit Waffen eingedrungen sind. Es waren zwei oder drei Leute, die nicht maskiert waren. Sie hatten Maschinengewehre wie Kalaschnikows dabei und haben sofort angefangen, wild um sich zu schiessen.»

Der Bruder eines Bandmitglieds schildert, wie die Terroristen den Konzertsaal stürmten.

Weiter erzählte Tierce: «Das hat 10, 15 Minuten gedauert. Das war von extremer Gewalt. Es gab Panik. Alle sind Richtung Bühne gerannt. Die Attentäter hatten Zeit, mindestens drei Mal nachzuladen. Sie waren nicht maskiert. Sie traten sehr beherrscht auf. Sie waren sehr jung.»

«Hollande ist schuld»

Die Attentäter von Paris haben nach Angaben eines weiteren Augenzeugen den französischen Militäreinsatz in Syrien und im Irak als Grund für die Anschlagserie genannt. Der 35-jährige Pierre Janaszak, der die Geiselnahme in der Konzerthalle Bataclan miterlebte, sagte der Nachrichtenagentur AFP: «Ich habe deutlich gehört, wie sie zu den Geiseln gesagt haben: 'Hollande ist schuld, euer Präsident ist schuld, er hat nicht in Syrien einzugreifen.'» Die Attentäter hätten auch den Irak erwähnt, sagte der Radio- und Fernsehmoderator.

Sondereinheiten erstürmten das Bataclan in Paris.

Frankreich beteiligt sich seit September 2014 an der US-geführten Militärkoalition, die im Irak Luftangriffe gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) fliegt. Seit September 2015 beteiligt sich Frankreich auch an dem Militäreinsatz gegen die Extremisten im Nachbarland Syrien.

«Es war ein Blutbad»

«Es war ein Blutbad.» Julien Pearce ist Journalist beim französischen Radiosender Europe 1 und war am Freitagabend bei dem Konzert der US-Rockband «Eagles of Death Metal» im Bataclan in Paris, als mehrere schwer bewaffnete Attentäter den Konzertsaal stürmten. «Die Menschen haben geschrien, gekreischt und alle haben auf dem Boden gelegen», berichtet er nach der Anschlagserie im US-Fernsehsender CNN. Der Angriff habe zehn Minuten gedauert. «Zehn schreckliche Minuten, in denen alle am Boden lagen und ihre Köpfe geschützt haben.» Er habe «viele Schüsse» gehört, die Terroristen seien «sehr ruhig, sehr entschlossen» gewesen, berichtet Pearce. «Sie haben ihre Waffen drei oder vier Mal nachgeladen. Sie haben nicht gebrüllt, sie haben gar nichts gesagt.» Die Attentäter seien ganz in Schwarz gekleidet und unmaskiert gewesen. Einem von ihnen, einem jungen Mann im Alter von 20 oder 25 Jahren, habe er sogar ins Gesicht gesehen.

Der Journalist hat den verheerenden Angriff nach eigener Aussage überlebt, weil er sich über die Bühne zu einem Ausgang retten konnte. Die Attentäter hätten mit Sturmgewehren in die Menge geschossen. «Die Leute versuchten zu fliehen und sind auf der Suche nach Ausgängen auf Leute getreten, die am Boden lagen», sagt Pearce. Er selbst sei auf die Bühne geklettert, als die Attentäter gerade ihre Waffen nachgeladen hätten, und habe von dort aus einen Ausgang erreicht.

Pearce brachte bei seiner Flucht auch ein junges Mädchen in Sicherheit, das bei der Schiesserei verletzt wurde und stark blutete. Er trug sie zu einem Taxi und bat den Fahrer, sie ins Krankenhaus zu fahren.

Pearce hat im Bataclan 20 bis 25 Leichen und viele Schwerverletzte gesehen. Nach der Erstürmung des Gebäudes durch die Polizei sprechen die französischen Behörden am Samstagmorgen von mehr als 80 Toten allein im Bataclan. Die vier Angreifer sind tot, drei von ihnen zündeten ihre Sprengstoffgürtel. Mindestens 20 weitere Menschen werden bei Anschlägen und Schiessereien an sechs weiteren Orten in der französischen Hauptstadt getötet.

Auch der 35-jährige Pierre Janaszak hat den Angriff auf das Bataclan überlebt. Er sass zusammen mit seiner Schwester und Freunden auf einem der oberen Ränge, als die ersten Schüsse fielen, wie er der Nachrichtenagentur AFP erzählt. «Zuerst haben wir gedacht, dass das zur Show gehört, aber wir haben schnell verstanden.»

Die Attentäter seien zu Dritt gewesen und hätten «einfach in die Menge geschossen», erinnert sich der Radiomoderator. «Es war ein Höllenlärm, sie haben gar nicht mehr aufgehört zu schiessen.»

«Überall war Blut, überall waren Leichen. Die Leute haben geschrien, alle haben versucht zu fliehen», berichtet Janaszak, der sich mit vier anderen Leuten in einer Toilette verschanzte. Die Attentäter hätten 20 Geiseln genommen und mit ihnen gesprochen. «Ich habe deutlich gehört, wie sie zu den Geiseln gesagt haben: 'Hollande ist Schuld, euer Präsident ist Schuld, er hat nicht in Syrien einzugreifen.'»

Als die Polizei den Konzertsaal gestürmt habe, seien wieder viele Schüsse gefallen, berichtet Janaszak. «Es wurde in alle Richtungen geschossen, es gab auch Explosionen.» Dann hätten Polizisten die Toilettentür geöffnet und ihn aufgefordert herauszukommen. Vorher musste er aber seinen Oberkörper freimachen - die Polizisten wollten sichergehen, dass er keine Bombe dabei hatte.

Retten konnten sich auch die Mitglieder der Rockband «Eagles of Death Metal», deren Konzert im Bataclan mit seinen 1500 Plätzen ausverkauft war. Die Mutter eines Musikers berichtete der «Washington Post», ihr Sohn und die anderen Bandmitglieder hätten aus dem Konzertsaal flüchten können, als der Angriff begann. «Es war schrecklich», sagte Mary Lou Dorio. Unklar war aber noch das Schicksal mehrerer Mitglieder der Crew der Band.

Verletzter schreibt auf Facebook aus dem Konzertsaal

Konzertbesucher Benjamin Cazenoves gehörte zu den Geiseln. Er schrieb gegen Mitternacht auf Facebook, er sei noch im Bataclan im ersten Stock und schwer verletzt. Es tue höllisch weh.

Er bittet die Polizei, so schnell wie möglich die Konzerthalle zu stürmen, da die Attentäter einen nach dem anderen erschiessen würden. Später meldet er sich wieder und schreibt, er lebe noch und habe nur Fleischwunden. Rund um ihn sei ein Blutbad und Leichen überall.

Der Verletzte hat überlebt:

Une pensée pour toutes les personnes qui n'ont pas eu "ma chance" ce soir. Un grand merci au RAID et à la BRI. Merci enfin pour tous vos messages. Je vous embrasse.

Posted by Benjamin Cazenoves on Friday, 13 November 2015

Bekannte Konzerthalle in Paris

Der Konzertsaal Bataclan, in dem am Freitagabend mindestens hundert Menschen getötet wurden, liegt mitten im Zentrum von Paris. Er gehört zu den bekanntesten Konzerthallen der französischen Hauptstadt.

Das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert steht am Boulevard Voltaire im 10. Arrondissement. Die Geschichte des Hauses reicht bis 1865 zurück. Später waren hier zahlreiche Grössen des französischen Chanson wie Maurice Chevalier zu Gast. Zwischenzeitlich wurde das «Bataclan» auch als Kino und Theater genutzt.

Mit seiner Fassade im Stile einer chinesischen Pagode und seinen Reihen roter Sessel gilt das «Bataclan» als eine der In-Lokalitäten der französischen Hauptstadt. Das ursprünglich unter dem Namen «Grand Café chinois - Théâtre Bataclan» eröffnete Gebäude wurde 1952 umgebaut. Der Name Bataclan ist eine Referenz an die Operette «Ba-ta-clan» von Jacques Offenbach.

Seit der Wiedereröffnung als Konzerthalle 1983 finden im «Bataclan» Pop- und Rockkonzerte statt. So traten dort grosse Musik-Stars wie Lou Reed, Prince, Oasis und Robbie Williams auf. Seit 1991 ist das Gebäude - im Osten der Pariser Innenstadt zwischen Bastille und Platz der Republik gelegen - als historisches Monument eingestuft.

Am Freitagabend stand dort ein Konzert der US-Band «Eagles of Death Metal» auf dem Programm. Der Saal mit offiziell etwa 1500 Plätzen war ausverkauft.

Unklar war anfangs noch, ob die Mitglieder der kalifornischen Rock-Band «Eagles of Death Metal» überlebten, die im Bataclan aufgetreten waren. Angehörige, Freunde und Fans konnten später aufatmen: Die Frau sowie die Mutter eines Bandmitglieds sagten der «Washington Post», ihr Mann beziehungsweise Sohn und die anderen Bandmitglieder hätten aus der Konzerthalle flüchten können, als der Angriff begann.

Die beiden wichtigsten Mitglieder der Gruppe, die trotz ihres Namens keine Death-Metal-Band ist, sind der 43-jährige Jesse Hughes und der 42-jährige Josh Homme.

Das «Bataclan» liegt nur wenige Strassenzüge entfernt von der Redaktion des Satireblattes «Charlie-Hebdo», die im Januar Ziel von Terroristen war. (cpm/chi/sda)

Erstellt: 14.11.2015, 03:47 Uhr

Artikel zum Thema

Unter den Todesopfern befinden sich mehrere Ausländer

Belgien verhängt für Grossveranstaltungen die höchste Warnstufe. Die Terrormiliz IS hat sich zu den Anschlägen in Paris bekannt. Mehr...

«Im Viertel ist es gespenstisch ruhig»

Interview Die freie Journalistin Miriam Suter ist beruflich in Paris unterwegs – und lebt im Quartier, wo das Bataclan-Theater steht. Wie sie die Anschläge erlebt hat. Mehr...

Hier schlugen die Täter zu – eine Übersicht

Die Anschlagsserie in Paris richtete sich gegen mehrere Punkte in der französischen Hauptstadt: Eine Konzerthalle, das Stade de France und der berühmte Place de la République. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Karrierefrauen suchen Erotik

Nachdem das Berufsleben viele Frauen in verantwortungsvolle Positionen gebracht hat, ist die Zeit für traute Zweisamkeit knapp. Um einen Ausgleich im privaten Bereich zu schaffen, suchen sie Erotik-Kontakte im Netz.

Blogs

Politblog Fetisch Effizienz

Sweet Home Zeit für ein Zuhause-Projekt

Weiterbildung

Lehrstellen

Sich zu bewerben heisst für sich werben

Die Welt in Bildern

Ein Ohrenschmaus: Das Glastonbury-Festival mit über 100'000 Besuchern, ging heute nach fünf Tagen zu Ende.Ein Zuhörer beim Verlassen des Geländes (26. Juni 2017). Revellers and detritus are seen near the Pyramid Stage at Worthy Farm in Somerset during the Glastonbury Festival in Britain, June 26, 2017. REUTERS/Dylan Martinez
(Bild: Dylan Martinez) Mehr...