140 Tote und 820 Verletzte bei Uiguren-Protesten in China
(Quelle: Reuters)
Schwere Ausschreitungen: Der Protest ist am Sonntag in Gewalt umgeschlagen, als sich die Teilnehmer weigerten, die Demonstration zu beenden. (Bild: Keystone)
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Mindestens 140 Menschen wurden am Sonntag und Montag bei Auseinandersetzungen zwischen muslimischen Uiguren und chinesischen Sicherheitskräften in der Uiguren-Provinz Xinjiang getötet. Mehr als 820 Menschen wurden in der Provinzhauptstadt Urumqi verletzt, wie der Regierungssprecher der Region, Wu Nong, der Nachrichtenagentur AFP sagte. Der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge wurden hunderte Menschen festgenommen, darunter mehr als zehn Anführer der Proteste. Die Uiguren hatten sich bereits am Sonntag Strassenschlachten mit der Polizei geliefert, Steine auf Sicherheitskräfte geworfen und Autos in Brand gesetzt.
Das chinesische Staatsfernsehen CCTV strahlte am Montag dramatische Bilder von den Protesten am Vortag aus, die blutende, am Boden liegende Zivilisten zeigten. Nach offiziellen Angaben waren an den Ausschreitungen in Urumqi tausende Menschen beteiligt.
Tod von Fabrikarbeitern als Auslöser
Die Regierung in Peking machte Exil-Uiguren für die Unruhen verantwortlich, was diese umgehend zurückwiesen. Nach ersten Erkenntnissen hatten die Proteste in der fast 3300 Kilometer von Peking entfernten Provinz begonnen, als zahlreiche Uiguren auf die Strasse gingen, um von der Regierung die Aufklärung des Todes zweier uigurischer Fabrikarbeiter im Juni zu verlangen.
Am 25. Juni waren Uiguren in einer grossen Spielzeugfabrik in Shaoguan in Südchina angegriffen worden. Ausgelöst wurden die Übergriffe durch Gerüchte, dass Angehörige der muslimischen Minderheit zwei Chinesinnen vergewaltigt haben sollen.
Die Volksgruppen liegen seit Jahren im Streit. Einer der Hauptgründe ist gemäss Experten der grosse wirtschaftliche Unterschied. In Urumqi leben überwiegend Han-Chinesen, die die Wirtschaft beherrschen und wohlhabender sind.
Acht Millionen Uiguren
Mit mehr als acht Millionen Menschen machen die Uiguren in der gesamten Provinz Xinjiang etwa die Hälfte der Bevölkerung aus. Seit sich Peking das Gebiet 1955 als «Autonome Region» einverleibte und Han-Chinesen ansiedelte, kämpft das muslimische Turk-Volk für die Unabhängigkeit.
Neben Tibet ist Xinjian damit eines der politisch sensibelsten Gebiete in China. In beiden Provinzen geht die kommunistische Führung hart gegen Autonomiebewegungen vor.
Xingjian ist reich an Bodenschätzen und für Peking von strategischer Bedeutung. Menschenrechtler werfen der Volksrepublik vor, die Uiguren unter dem Vorwand des Anti-Terror-Kampfs zu diskriminieren und zu unterdrücken.
Amnesty International schreibt in einer Mitteilung vom Montag, es handle sich bei den blutigen Auseinandersetzungen um ein weiteres Beispiel dafür, wie das chinesische Regime die Rechte der muslimische Uiguren verletze. Die Menschenrechtsorganisation fordert die sofortige Freilassung der Inhaftierten.
Schlecht für das Ansehen
Experten aus der Region äusserten die Überzeugung, dass die Eskalation in der entlegenen Region kein Hinweis auf eine weitergehende Destabilisierung auch in anderen Landesteilen sei. «Die Regierung wird die Lage dort unter Kontrolle bringen können», sagte der Direktor des Ostasieninstituts an der Universität Singapur, Zheng Yongnian.
Allerdings werde sich der Konflikt mit den Uiguren negativ auf das Ansehen Chinas im Ausland auswirken. Zudem werde die Ausübung von Gewalt das Problem nur verschärfen. (vin/mbr/ap/sda)
Erstellt: 06.07.2009, 17:26 Uhr
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