Ausland

«Ahmadinejad ist Hitler»

Von Walter Niederberger, San Francisco . Aktualisiert am 30.11.2010 7 Kommentare

Die jüngsten Wikileaks-Enthüllungen zeigen: Auch arabische Länder sind über das iranische Atomprogramm besorgt. Erst recht, seit Teheran neue Raketen aus Nordkorea besitzt.

Versetzt die internationale Gemeinschaft in Sorge: Nordkorea lieferte dem Iran Mittelstreckenraketen dieses Typs.

Versetzt die internationale Gemeinschaft in Sorge: Nordkorea lieferte dem Iran Mittelstreckenraketen dieses Typs.
Bild: Keystone

Die Depeschen der amerikanischen ­Diplomatie aus dem Mittleren Osten ­vermitteln eine weit kritischere Sicht der arabischen Länder auf den Iran als sie ­öffentlich zugeben. Saudiarabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Qatar, der Jemen, der Libanon und Jordanien etwa sind sehr besorgt wegen der ato­maren Pläne eines als unberechenbar betrachteten Regimes. Saudische Re­gierungsmitglieder vergleichen Ahma­dinejad mit Hitler und raten den USA, «der Schlange den Kopf abzuschlagen». Die Wikileaks-Depeschen weisen erstmals auch direkt auf die entscheidende Rolle von Nordkorea hin. Eine diploma­tische Note vom Februar dieses Jahres zeigt, dass Nordkorea dem Iran 19 Mittelstreckenraketen geliefert hat, die auf einen ehemals in russischen Unterseebooten verwendeten Träger für Atomsprengköpfe zurückgehen. Der Iran ha­be seit langem versucht, diese Raketen zu erwerben. Mit ihnen könne der Iran das «Reverse Engineering» beginnen, also die Raketen zerlegen und gestützt darauf ein eigenes Modell bauen. Die Reichweite der Raketen wird mit 2400 Kilometern angegeben, womit erstmals Ziele in Westeuropa sowie Moskau erreichbar wären.

Erdgas als politischer Joker

US-Diplomaten in China versuchten ­gemäss ihren Depeschen wiederholt, ­Peking zum Unterbinden der nord­koreanischen Lieferungen zu bewegen. Selbst als ein konkreter Hinweis vorlag, dass Rüstungsgüter auf dem Flugplatz in Peking angekommen waren, blieb eine chine­sische Intervention aus. Eine Er­klärung für das ambivalente Verhalten Chinas liefert eine Depesche vom Januar 2010, die auf ein Treffen zwischen chinesischen und saudischen Regierungsvertretern verweist. «Saudiarabien hat vernommen, dass China besorgt ist wegen seines Zugriffs auf iranische Energievorräte.» Die Tatsache, dass der Iran langjährige Lieferverträge für Erdgas nach China abgeschlossen hat, gibt dem Regime in Teheran offenbar einen politisch immensen Hebel.

Dass der Iran ein unberechenbarer, un­beliebter Nachbar ist, verdeutlichen Dutzende Depeschen aus dem ­arabischen Raum. «Der Iran ist sehr verschieden vom Irak. Wenn der Murshid (ein geistlicher Führer, die Red.) seinen Leuten befiehlt, etwas zu tun, so werden sie es tun, bis zum Letzten», heisst es aus Kuwait. Ahmadinejad wird in einer Mitteilung aus den Arabische Emiraten als «instabil, sogar verrückt» beschrieben. Der Verteidigungsminister von Abu Dhabi sagt vom Despoten: «Ahmadinejad ist Hitler.» Das Misstrauen ist allgegenwärtig, wie die US-Botschaft in Doha meldet. Die Beziehungen der beiden Länder beruhen auf dem Grundsatz: «Wir be­lügen sie, sie belügen uns.» Mit dem Iran einen Deal zu erreichen, sei unmöglich. Der jemenitische Präsident vermutet, dass Teheran mit der nuklearen Auf­rüstung den Glanz des alten persischen Reichs wiederherstellen wolle. Das aber fürchten alle Nachbarn. Wann und ob ein Militärschlag gegen den Iran angezeigt ist, darüber gehen die Meinungen – auch im arabischen Raum – weit auseinander. Einige Depeschen verweisen darauf, dass die Attacke auf eine der iranischen Nuklearanlagen bereits 2009 erwartet wurde, und zwar «wenn nicht durch die USA, dann durch Israel». Israel übermittelte vor knapp einem Jahr folgende Einschätzung: «Es gibt noch immer Raum für Diplomatie, aber wir ­sollten nicht vergessen, dass iranische Zentrifugen Tag und Nacht arbeiten.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.11.2010, 23:38 Uhr

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7 Kommentare

Ben Müller

30.11.2010, 09:58 Uhr
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@M.Forster: was wollen sie uns damit sagen? Dass Ahmadinejad der Gute ist oder was? Oder der Iran völlig unabhängig und deshalb glaubwürdig? Auch wenn es nicht in ihr (wahrscheinlich per se anti-amerikanisches) Weltbild passt so ist es dennoch möglich dass gewisse arabische Staaten derselben Meinung sind wie die USA und sich (aus meiner Sicht zurecht!) vor dem Iran fürchten. Antworten


peter meier

30.11.2010, 12:16 Uhr
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@ben müller. Ob Ahmadinejad der Böse ist oder nicht, ist nicht entscheidend. Tatsache ist, dass zB die Saudis nicht nur Verb. der USA sind, sondern auch Unterstützer sunnitischer Terroristen. Weiter ist der Iran real von israelischen und pakistanischen A-Waffen bedroht, hat selbst aber keine. Die Hetze arabischer Feudalstaaten gegen d. Iran wurzelt v.a. in den Gegensätzen zw. Sunniten und Schiiten Antworten




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