Ausland

Als Pakistan ertrank

Aktualisiert am 27.07.2011 1 Kommentar

Heute jährt sich der Beginn der Flutkatastrophe in Pakistan, bei der 1738 Menschen starben. Knapp zwei Millionen Häuser wurden beschädigt. Für Millionen Menschen ist die Katastrophe aber immer noch nicht vorbei.

1/45 Noch immer sind zahlreiche Felder in Pakistan überflutet, und bald beginnt der Winter. Hier Shah Jamal, 5. September 2010.
Bild: Keystone

   

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Auch ein Jahr nach der schweren Flutkatastrophe leidet Pakistan noch immer unter den Folgen des Hochwassers. Von einer Erholung gehen Experten frühestens in einigen Jahren aus.

Auch wenn die akute Notlage habe reduziert werden können, würden viele Folgen noch lange andauern, meint der Politikwissenschaftler und Pakistan-Experte am Institut für Entwicklung und Frieden (Inef) der Universität Duisburg-Essen, Jochen Hippler.

Schlechte Versorgungslage

Neben den zahlreichen Toten und Millionen Vertriebenen habe sich die Katastrophe am schlimmsten im unmittelbaren Umfeld der Flüsse ausgewirkt, dort, wo auch die landwirtschaftliche Produktion, Städte, Spitäler, Schulen und Umspannwerke angesiedelt seien. Das bedeute auch einen Verlust sozialer und wirtschaftlicher Infrastruktur.

Doch auch die Versorgungslage im Land bereitet dem Experten Sorge. Vor der Flut seien etwa 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren unterernährt gewesen. Mittlerweile seien die Lebensmittelpreise explodiert, und Hippler rechnet im schlimmsten Fall mit einer «mittelfristigen bis langfristigen Katastrophe», wenn Gesundheitsschäden in grösserem Ausmass drohen.

Jeder Staat wäre überfordert

Dass Pakistan nach den anhaltenden Regenfällen im vergangenen Sommer in eine Notlage geriet, ist aus Sicht Hipplers nichts Ungewöhnliches. Jeder Staat der Welt wäre bei einer Katastrophe dieses Ausmasses überfordert, ist er überzeugt.

Dass Beispiel des Wirbelsturms «Katrina», der 2005 in den USA die Stadt New Orleans, das südliche Louisiana und die Golfküste von Mississippi unter Wasser gesetzt und verwüstet hatte, habe gezeigt, an welche Grenzen selbst wohlhabende Staaten mit funktionierendem Staatsapparat geraten könnten, sagt der Wissenschaftler.

Die Situation in Pakistan vor einem Jahr sei vergleichbar mit dem Fall, dass ein Viertel oder ein Fünftel des US-Staatsgebietes heimgesucht und mehr als zehn Prozent der Einwohner betroffen worden wären.

Korruption als Hindernis

Zusätzlich erschwert wurde die Situation durch die politischen Unwägbarkeiten in Pakistan. So sahen sich nicht wenige ausländische Regierungen vor das Problem gestellt, zwar unmittelbar Hilfe leisten zu wollen, gleichzeitig aber nicht zu wissen, wie sie diese in dem für Korruption berüchtigten Land am besten zu den Bedürftigen bringen könnten.

Während Islamabad die ausländischen Regierungen aufforderte, Finanzhilfen direkt an sie zu überweisen, zögerten diese häufig. Es habe einerseits das berechtigte Bedürfnis gegeben, das Geld dorthin zu bringen, wo die Hilfe benötigt wird, sagt Hippler. Andererseits habe man aber am Beispiel Afghanistan gesehen, dass es einen Staat objektiv und in den Augen seiner Bevölkerung schwäche, wenn man diesen aus Sorge vor Korruption umgehe.

Extremisten profitieren

Als im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass auch extremistische Gruppen Hilfe im Katastrophengebiet leisteten, wuchs die Sorge vor einem weiteren Erstarken militanter Kräfte im Land. Doch Hippler geht davon aus, dass es sich bei der tatsächlich geleisteten Hilfe um kaum mehr als einen Tropfen auf den heissen Stein gehandelt habe.

Gleichwohl hätten die Extremisten durch eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit von ihr profitiert. Denn die Pointe sei gewesen, dass man sich nur drei, vier von der Regierung vernachlässigte Dörfer ausgesucht habe, dort aktiv geworden sei und die Medien darüber habe berichten lassen. (Ben Reichardt, dapd)

Erstellt: 27.07.2011, 15:44 Uhr

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1 Kommentar

Parvaneh Ferhadi

27.07.2011, 16:38 Uhr
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Die Infrastruktur in Pakistan ist auch ohne Monsunüberflutung nicht gerade die beste. Insbesondere die Stromversorgung krankt an einer nicht ausreichenden Stromproduktion. Das führt immer wieder zu stundenlangen Stromabschaltungen, was den Wiederaufbau auch nicht gerade dienlich ist. Antworten




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