«Amerikas Albtraum» in Haft: Wie hart trifft es die Taliban?

Aktualisiert am 17.02.2010 3 Kommentare

Er war die Nummer zwei der Taliban - jetzt ist Mullah Baradar in Pakistan gefasst worden. Fragen und Antworten zur spektakulären Festnahme und den Konsequenzen für die Taliban.

14. Februar 2010, westlich von Kabul: Afghanische Soldaten führen in der Provinz Herat einen Taliban-Kämpfer ab.

14. Februar 2010, westlich von Kabul: Afghanische Soldaten führen in der Provinz Herat einen Taliban-Kämpfer ab.
Bild: Keystone

Warum griffen die Geheimdienste jetzt zu?

Dass der pakistanische Geheimdienst jetzt erst auf Mullah Barader aufmerksam wurde, erscheint hochgradig unwahrscheinlich. Schon seit dem Sturz der Taliban ist bekannt, dass sich die Taliban- Führungsriege in Pakistan zurückgezogen hat.

Offenbar hängt die Festnahme von Baradar also weniger mit der Nato-Offensive im Süden Afghanistans zusammen, als mit den sich abzeichnenden Friedensverhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban.

Pakistan sorgt sich um seinen Einfluss im Nachbarland nach dem Krieg. Das Land will der Taliban-Führung mit der Festnahme offenbar signalisieren: Euer Schicksal liegt in unserer Hand. Pakistan erwartet, dass sein Einfluss in Afghanistan gewahrt bleibt, der des Erzrivalen Indiens dagegen in Schach gehalten wird.

Seit die Idee von Verhandlungen mit den Taliban im Westen mangels Alternativen an Popularität gewinnt, versucht sich Pakistan, als möglicher Vermittler ins Spiel zu bringen. Indien lehnt Verhandlungen mit den Taliban vehement ab - und ist mit dieser Haltung international zunehmend isoliert.

Was bedeutet die Festnahme für den Krieg in Afghanistan?

Das lässt sich nicht eindeutig vorhersagen. Baradar gilt als charismatischer Anführer, der die Kommandanten zusammengehalten hat. Nachdem er von der Bildfläche verschwunden ist, könnten sich die verbleibenden Kämpfer um die Einnahmen aus Drogengeschäften und Erpressungen in die Haare kriegen - ein möglicher Vorteil für die westlichen Soldaten.

Wie wichtig ist Mullah Baradar?

Wie wichtig Mullah Baradar für die Taliban ist, machte das US- Magazin «Newsweek» im vergangenen Sommer mit dem wohl ausführlichsten Porträt über ihn deutlich. Der Titel: «Amerikas neuer Albtraum». Das Magazin nannte Mullah Baradar den «faktischen Anführer der Taliban», der die Tagesgeschäfte regle.

Mullah Baradar kontrolliere die Finanzen der Aufständischen, er ernenne und entlasse Kommandanten und stehe der Quetta-Schura vor, dem Führungsrat der Taliban in der südwestpakistanischen Stadt Quetta. Er habe die Macht über alle militärischen, politischen, religiösen und finanziellen Angelegenheiten der Taliban - und sei vielleicht gefährlicher, als es Taliban-Chef Mullah Omar jemals war.

Läuft die Kooperation von Pakistan und USA jetzt anders?

Die Zusammenarbeit hat ein neues Niveau erreicht. Ein Analyst sprach gar von einer grundlegenden Veränderung in Pakistans Verhalten. Dafür werden die Amerikaner der Regierung in Islamabad aber anderweitig entgegengekommen sein - etwa beim Einfluss, den das Land künftig in Afghanistan haben wird.

Welche Konsequenzen hat das für Pakistan?

Der afghanische Teil der Taliban hat sich in den vergangenen Jahren in Pakistan zunehmend unbeliebt gemacht. Aus den Rückzugsorten im Grenzgebiet zu Afghanistan war eine Serie von Anschlägen und Bombardements lanciert worden.

Auch bei pakistanischen Politikern, die in der engen Zusammenarbeit mit den USA einen Verlust der Souveränität sehen, dürfte es kaum Unterstützung für die Taliban geben. Von religiösen oder nationalistischen Gruppierungen dürften allenfalls vereinzelte Proteste gegen die Festnahme von Baradar kommen. (bru/sda)

Erstellt: 17.02.2010, 10:38 Uhr

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3 Kommentare

Edy Gerber

17.02.2010, 09:08 Uhr
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Es geschehen doch noch Zeichen und Wunder. Wenn islamische Heisssporne sich untereinander streiten, so ist das gut für den Westen. Die Afghanen müssen sich jetzt entscheiden: Wollen sie ein mittelalterliches Terror-Regime der Taliban, die foltern und Männer, Frauen und Kinder in die Luft sprengen, oder ist ein etwas korruptes Karsai-Regime doch das kleinere Übel ? Antworten


Rolf Raess

16.02.2010, 21:23 Uhr
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Immer noch nichts gelernt? Für solche Leute wie Baradar stehen mindestens zwei neue auf. Diese Kriegerei wird erst ihr Ende haben, wenn die Probleme, vorwiegend im Nahen Osten, gelöst sind und die Leute etwas Hoffnung schöpfen können. Das schon bisher verschwendete Geld, in Gold, hätte man jedem Israeli um den Hals hängen können - er wäre unter der Last zusammen gebrochen! Denke! Antworten



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