«Bin Ladens Terrorgruppe ist stärker geworden»

Von Benedikt Rüttimann. Aktualisiert am 11.03.2009 1 Kommentar

Seit die al-Qaida in Pakistan über einen sicheren Hafen verfügt, hat die Gefahr eines neuen grossen Anschlags zugenommen, sagt der amerikanische Terrorexperte Bruce Hoffman*.

Führender Terrorismusexperte: Bruce Hoffman.

Führender Terrorismusexperte: Bruce Hoffman.

Seit Juli 2005 ist der al-Qaida kein Anschlag mehr im Westen gelungen. Ist Osama Bin Ladens Terrororganisation nicht mehr gefährlich?
Die al-Qaida hat den Kampf noch nicht aufgegeben. Sie hat sich aber in den vergangenen Jahren mehr darauf konzentriert, ihre Position im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet zu konsolidieren. Die Geschichte hat uns gelehrt: Die al-Qaida war stets dann am gefährlichsten, wenn sie aus einem sicheren Hafen heraus operieren konnte - den sie nun wieder hat. Und ihre Leute sind Opportunisten. Sie schlagen dann zu, wenn sich ihnen eine Gelegenheit bietet.

Die al-Qaida wartet einfach auf den richtigen Moment?
Sie träumen bestimmt von einem neuen grossen Anschlag. Aber sie werden nur zuschlagen, wenn sie wirklich bereit sind dazu. Ich hoffe natürlich, dass sie nie mehr bereit sein werden. Doch Tatsache ist, dass die al-Qaida heute in Südasien stärker ist als noch vor einigen Jahren. Vieles hängt davon ab, was in Pakistan und Afghanistan passieren wird.

Wie gut kennen wir die al-Qaida heute?
Das Problem ist, dass viele Einschätzungen auf Wunschdenken gründen. So wurden in den letzten sechs Jahren zahlreiche Nachrufe auf die al-Qaida geschrieben, die alle enttäuscht wurden. Viele Leute in vielen Ländern wünschen sich, dass die al-Qaida endlich der Vergangenheit angehört, dass diese Bedrohung aufhört. Doch Terrororganisationen leben davon, dass die Leute ständig Angst haben vor einem neuen Attentat.

Haben die westlichen Geheimdienste heute Zugang zum inneren Kreis?
Man darf davon ausgehen. Immerhin haben die USA seit Juli 2008 mindestens acht hochrangige Al-Qaida-Mitglieder mit ferngesteuerten Drohnen getötet. Informationen über den Aufenthaltsort von solchen Leuten erhält man nur von Insidern.

Zieht sich die Schlinge zu?
Wir sind besser geworden, doch Osama Bin Laden und Vize Ayman al-Zawahri laufen immer noch frei herum.

Wie wichtig ist ihre Festnahme?
Bin Laden spielt im operativen Tagesgeschäft vermutlich keine grosse Rolle mehr. Aber er ist unheimlich wichtig als Vorbild. Er ist weltweit eine der bekanntesten Marken. Sein Tod wäre nicht das Ende der Bewegung, aber ein schwerer Schlag für die Moral. Auch die Festnahme Zawahris wäre wichtig, weil er der Stratege der Organisation ist.

Wie beurteilen Sie den bisherigen Kampf gegen den islamistischen Terrorismus?
Grundsätzlich nicht schlecht. Wir konnten ein zweites 9/11 verhindern. Das ist ziemlich beeindruckend. Anderseits konnten wir nicht verhindern, dass al-Qaida immer noch Leute rekrutiert und Geld erhält.

Es soll heute 18'000 potenzielle islamistische Terroristen geben. Ist diese Zahl realistisch?
Sicher ist, dass die Zahl gestiegen ist. In einer Studie 2006 kamen die US-Geheimdienste zum Schluss, dass der Irak-Krieg, das Lager von Guantánamo und die Folterungen im Gefängnis von Abu Ghraib viele junge Muslime radikalisiert und in die Arme der Terroristen getrieben haben.

Was tun?
Die Geschichte zeigt, dass die meisten Mitglieder einer Terrorgruppe junge Männer im Alter von 18 bis 24 Jahren sind. Wir sollten die Präventionsprogramme spezifisch auf diese Altersgruppe zuschneiden. Nur ein Beispiel: 90 Prozent der Mittel, welche die amerikanische Regierung für Informationsarbeit ausgibt, fliessen in Programme für Print, Radio und TV. Doch junge Leute holen sich heute ihre Informationen vorwiegend aus dem Internet.

Laut Augenzeugen betreiben die Taliban in Pakistan wieder Ausbildungslager. Auch in Afghanistan sind die Islamisten auf dem Vormarsch. Besteht die Gefahr, dass wir die Erfolge im Kampf gegen den Terrorismus leichtfertig verspielen?
Die Entwicklung ist beunruhigend. Klar ist, dass zuerst die Probleme in Afghanistan gelöst werden müssen. Es reicht allerdings nicht, einfach mehr Soldaten zu schicken. Es braucht auch mehr lokale Sicherheitskräfte, die dafür sorgen, dass die Aufbauarbeit nicht über Nacht wieder von ein paar Taliban zunichtegemacht wird.

* Bruce Hoffman ist einer der führenden Terrorismusexperten in den USA. Er ist Professor an der Georgetown University. Er weilte auf Einladung des Instituts für Auslandforschung in Zürich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.03.2009, 09:54 Uhr

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1 Kommentar

Ronnie König

11.03.2009, 12:49 Uhr
Melden

Die haben Angst vor der Zukunft und den Frauen. Es sind viele Versager darunter. Dort anfangen sie zu bekämpfen. Dauert zwar, aber wäre am nachhltigsten. Die Mentalität können wir nicht wirklich ändern, aber beeinflussen. Antworten


Buenzli CH

11.03.2009, 09:36 Uhr
Melden

Was fuer ein Terrorismusexperte der Bruce ist..:) Wir sind besser geworden, doch "Osama Bin" Laden und Vize Ayman al-Zawahri laufen immer noch frei herum??? --- Lieber Bruce, den Osama gibts schon lange (ca. 7 Jahre) nicht mehr. Nimmt mich wunder auf was fuer billige Info-Quellen da zugegriffen wird. Antworten



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