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China will dem Dollar an den Kragen

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 10.07.2009

Am Treffen der G8 hat ein hoher chinesischer Beamter die Rolle des Dollars als globale Leitwährung in Frage gestellt – zu Gunsten der eigenen Währung.

Zwei Billionen Dollarreserven: Dai Bingguo.

Zwei Billionen Dollarreserven: Dai Bingguo.

Am Treffen der mächtigsten Industrienationen in der italienischen Stadt L’Aquila sind am Donnerstag auch Vertreter der wichtigsten Schwellenländer angehört worden. Dai Bingguo, ein hohes Mitglied der chinesischen Regierung, benützte die Gelegenheit, um in Anwesenheit von US-Präsident Barack Obama einmal mehr die Rolle des Dollars im internationalen Währungssystem zu kritisieren. «Wir brauchen ein besseres System, um die Währungsreserven zu regeln», erklärte Dai. «Nur so können wir eine relative Stabilität unter den wichtigsten Währungen aufrecht erhalten und ein diversifiziertes, vernünftiges Reservesystem anstreben.» Laut «Financial Times» sind Dais Äusserungen die bisher heftigste Attacke Chinas auf die US-Währung.

Die Wirtschaftskrise wird immer mehr auch zu einer Währungskrise. Vor allem die Rolle des Dollars wird zum Zankapfel der alten Supermacht USA und ihrem aufstrebenden Rivalen China. Peking hat bei seinem Wirtschaftswunder ganz auf die Karte Export gesetzt. Riesige Überschüsse bei der Ausfuhr von Gütern haben umgekehrt zu riesigen Importen von Devisen geführt, hauptsächlich von Dollars. Heute verfügt die chinesischen Notenbank über rund 2000 Milliarden Dollarreserven, weit mehr, als sie für die Abwicklung des Handels braucht.

Die USA ihrerseits müssen grosse Schulden machen, um ihre Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Das setzt den Dollar unter Druck. Seit Mai hat er gegenüber den wichtigsten anderen Währungen mehr als zehn Prozent an Wert verloren. China ist der grösste Verlierer einer Dollarabwertung. Deshalb sucht Peking verzweifelt nach Alternativen.

Weil der Renminbi keine konvertierbare Währung ist, müssen die Chinesen Währungsabkommen mit einzelnen Ländern abschliessen. Das ist bereits mit Argentinien, Indonesien, Malaysia und Südkorea geschehen. Gleichzeitig wird Hongkong immer mehr zu einer Währungsdrehscheibe Chinas ausgebaut. Die Transaktionen zwischen Hongkong und dem Festland werden vereinfacht. Bis zur vollen Konvertierbarkeit des Renminbi, die eine Voraussetzung für eine allfällige Rolle als Leitwährung bildet, wird es allerdings noch eine Weile dauern. Joseph Yam, Chef der Hong Kong Monetary Authority, ist überzeugt, dass langfristig die Bedeutung der chinesischen Währung zunehmen wird. «In absehbarer Zeit wird der Renminbi eine ziemlich wichtige Währung werden, eine internationale Währung, vielleicht auch eine Leitwährung», erklärt er in der «Financial Times».

Gleichzeitig will China seine Abhängkeit vom Dollar verringern und erhöht deshalb seine Goldreserven. In den vergangenen Monaten haben sie um 450 Tonnen zugenommen. Trotzdem liegt der Anteil an Gold bei Chinas Reserven erst bei 1,6 Prozent. So schnell wird Peking den Dollar wohl nicht los werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.07.2009, 14:12 Uhr

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