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Dann bekommen sie Durchfall, Cholera, Malaria

Aktualisiert am 16.08.2010 3 Kommentare

Iltaz Begum liegt in einem Zelt in Pakistan. Sie leidet unter starkem Durchfall. Die 15-Jährige sagt: «Das sind die bittersten Tage meines Lebens.» So oder ähnlich geht es Millionen von Kindern im Katastrophengebiet.

1/12 Obdachlos
Dieses Mädchen hat alles verloren. Sie sitzt in einem provisorischen Zeltlager am Rand der nordwestpakistanischen Stadt Nowshehra und wartet auf Hilfe.
Bild: Keystone

   

«Ich musste meine blinde Mutter allein zurücklassen», erzählt die 15-jährige Iltaz Begum, «aber ausser mir kümmert sich doch niemand um sie, seit mein Vater vor zwei Jahren starb.» Iltaz macht sich Sorgen um ihre Angehörigen, und dabei ist sie selbst in grosser Gefahr – wie Hunderttausende minderjährige Opfer der Flutkatastrophe in Pakistan auch.

Iltaz lebt in einem von der Regierung eingerichteten provisorischen Zeltlager am Rand der nordwestpakistanischen Stadt Nowshehra. Die Notunterkünfte stehen im Schlamm, es gibt keinen Strom – dafür Schwüle und Gestank von Fäkalien.

Nur die Fliegen fühlen sich hier wohl. Unter der allgemeinen Not geht das Schicksal von Kindern wie Iltaz unter. Und dabei sind es die Schwächsten, die am meisten gefährdet sind.

Sechs Millionen Kinder in Not

20 Millionen Menschen sind nach Behördenangaben direkt oder indirekt von den verheerenden Überschwemmungen betroffen. Unter ihnen sind nach Schätzungen des UNO-Kinderhilfswerks Unicef sechs Millionen Kinder und Jugendliche. Bis zu 3,5 Millionen von ihnen sind durch Krankheiten akut bedroht.

Vor allem der Mangel an sauberem Wasser macht den Helfern zu schaffen. Sie befürchten schwere Durchfallerkrankungen, Typhus sowie den Ausbruch von Gelbsucht. «Kinder bereiten uns die grösste Sorge», sagt Unicef-Sprecher Sami Abdul Malik.

«Wenn sie durstig sind, dann kennen sie nur ihren Durst – sie können das nicht kontrollieren, sie müssen dann Wasser trinken, egal, wie verschmutzt es ist – und dann bekommen sie Durchfall, Cholera, Malaria und andere Krankheiten.» Die Kleinen mit sauberem Wasser und energiereicher Nahrung zu versorgen, ist deshalb zurzeit vordringliches Ziel der Helfer.

Schwer traumatisiert

Um die psychischen Probleme der Kinder, ihre Traumata nach dem Verlust ihres Heims oder sogar ihrer Angehörigen, kann sich bislang niemand kümmern. Abdul Ghani ist einer dieser Waisen.

Der 14-Jährige hat sich mit seinen sieben Geschwistern aus ihrem überfluteten Dorf Karampur in einer verlassenen Gegend im Süden des Landes in eine der Zeltstädte von Sukkur geflüchtet. Dass er selbst noch ein Kind ist, hat Abdul vergessen, Sorgenfalten durchfurchen sein Gesicht:

«Meine Eltern starben beide im vergangenen Jahr. Mein Bruder und ich kümmerten uns um unsere Geschwister, dank unserer Arbeit kamen wir irgendwie zurecht», sagt er: «Das Leben war schon vorher schwierig – aber jetzt sind wir verloren.»

Dem Schicksal überlassen

Shakeel Ahmed, 15, steht vor demselben Problem. Er und seine drei jüngeren Geschwister haben ihre Eltern in den Fluten verloren, jetzt weiss er nicht, wie es weitergehen soll: «Wir sind zu jung, niemand nimmt uns ernst», erzählt er und fängt fast an zu weinen. «Wenn ich versuche, sie auf unsere Lage aufmerksam zu machen, zucken sie einfach mit den Schultern und scheuchen mich weg.»

Zurück in Nowshehra, dieses Mal in der Technikschule: Statt Studenten irren kleine Kinder weinend zwischen den auf dem Campus errichteten Zelten umher, es stinkt auch hier zum Himmel. Hier werden vor allem Kinder behandelt, die an Magen-Darm- oder Hautkrankheiten leiden oder völlig dehydriert sind.

«Ich kann meine Babys nicht ernähren»

Auf einem der Notbetten liegt Bushra Humayun. Die 25-Jährige hat vor wenigen Tagen in dem Lager Zwillinge zur Welt gebracht. Die Fluten haben ihr Haus in der Nähe von Nowshehra zerstört, hochschwanger und mit ihren sechs älteren Kindern musste sie kilometerweit durch das Hochwasser waten, um das Lager zu erreichen. Manchmal reichten ihnen die Fluten bis zum Hals.

«Ich kann meine Babys nicht ernähren, sie werden zusehends schwächer», sagt sie verzweifelt. Da bleibt kaum noch ein Ohr für die Sorgen ihres zwölfjährigen Sohns Haroon. Dieser klagt über Bauchschmerzen, sein Körper ist mit Mückenstichen übersäht. Irgendjemand im Lager, so hofft sie, wird sich Haroons schon annehmen.

Nun droht der Hunger

Nach Einschätzung der Hilfsorganisation Care steht Pakistan «unmittelbar vor einer Hungerkrise». Eine «Kraftanstrengung ohne Beispiel» sei nötig, um das Schlimmste zu verhindern. Die Verteilung von Essen und Trinken sei bisher «vollkommen unzureichend», klagte CARE.

Es gebe bereits Berichte über verhungerte Kinder. «Das ist ein schreckliches Warnzeichen für die kommenden Wochen», erklärte die Organisation.

Es wird noch schlimmer

Die Lage in den Katastrophengebieten drohte sich weiter zu verschlimmern: In der Provinz Sindh am Unterlauf des Indus fiel in der Nacht erneut Dauerregen und überschwemmte mehrere Zeltlager von Überlebenden. Auch in anderen Regionen hielt der Regen an.

Viele Menschen machten ihrer Wut über die nach ihrer Ansicht allzu zögerliche Hilfe der Regierung Luft: Hunderte blockierten aus Protest eine Strasse von der Provinz Punjab in die Hafenstadt Karachi, gaben sie kurz darauf aber wieder frei. «Nieder mit der Regierung», riefen die Demonstranten in Sprechchören.

Der Nachrichtensender Dawn News meldete, drei Menschen seien verletzt worden, als eine aufgebrachte Menschenmenge einen Hilfskonvoi im Distrikt Rahim Yarkhan ebenfalls in der Provinz Punjab mit Steinen bewarf. (bru/AFP (Sajjad Tarakzai))

Erstellt: 16.08.2010, 19:23 Uhr

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3 Kommentare

peter meier

16.08.2010, 19:56 Uhr
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das ganze ist schon Tragisch. was macht die presse immer mit den Kinderfotos???? Es ist eine Zumutung auf diese weise uns indirekt zum spenden zu bringen. Sorry ich werde keinen Rappen spenden, solche Ländern sollten sich zuerst um den inneren Landesfrieden kümmern und keine zukünftige "terror-typen" ausbilden zulassen. Vor ort würde ich persönlich einer familie helfen, besser nach das eigene Land Antworten


Bastianelli Bruno

16.08.2010, 21:48 Uhr
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Es ist traurig zu sehen wie die Menschen leiden müssen, mit einem Staat der lieber in Atomwaffenprogramme sein Geld investiert anstatt das Geld in die Entwicklung und Förderung des Landes zu setzten. Pakistan ist nicht das einzige Land welches von ignoranten, Parasiten, Egoisten und habgierigen Regierungsmitgliedern Regiert wird. Es hat keinen Sinn sie alle aufzuzählen jeder von uns kennt sie. Antworten



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