Der amerikanische Elitesoldat bei den Taliban

Aktualisiert am 23.02.2010 1 Kommentar

Colonel Imam wurde von den USA zum Guerilla-Spezialisten ausgebildet, war lange für den pakistanischen Geheimdienst tätig und bildete fast alle afghanischen Warlords aus. Doch er scheint auch zu den Taliban beste Beziehungen zu haben.

Amir Sultan Tarar, besser bekannt als Colonel Imam, ist ein kampferfahrener ehemaliger pakistanischer Offizier. Als Top-Agent des Geheimdienstes ISI rekrutierte und trainierte er in den 1980er-Jahren praktisch alle späteren wichtigen Warlords von Afghanistan. Illustre Namen wie Gulbuddin Hekmatyar, Ahmed Shah Massoud and Jalaluddin Haqqani waren einst seine Schüler.

Heute ist Colonel Imam 65 Jahre alt. Er wurde im US-Fort Bragg in North Carolina im Jahr 1973 zum Elitesoldaten ausgebildet. «Ich besitze ein Green Beret», sagte er gegenüber der britischen «Times», «aber ich glaube, das Taliban Beret ist besser.» Zum Interviewtermin trägt er eine abgewetzte Jacke eines britischen Fallschirmjägers und ein Turban. Aus seinen Sympathien für die Taliban macht er keinen Hehl. Das irritiert: Colonel Imam ist immer noch ein aktives Mitglied beim pakistanischen Geheimdienst.

95'000 Kämpfer rekrutiert

Im Auftrag des Geheimdienstes ISI musste der Colonel Anfang 1980 in Afghanistan möglichst viele Mujahedin ausbilden. Er wurde für diese Aufgabe wegen seiner Erfahrung beim US-Militär ausgewählt. In US-finanzierten afghanischen Trainingscamps rekrutierte er damals bis zu 95'000 Kämpfer, um sie dann in den Krieg gegen die sowjetischen Besatzer zu schicken.

In einem dieser Camps lernte er 1985 auch Mullah Omar kennen – den langjährigen Anführer der Taliban. Colonel Imam brachte seinem Schüler die Technik des Hinterhalts und Bombenbaus bei. Die beiden Männer verbindet eine enge Freundschaft – bis heute. Colonel Imam findet nur lobende Worte über seinen ehemaligen Schützling: «Er ist ein sehr weiser Mann», sagt er zur «Times». «Er hat zwar keine Möglichkeit, die Amerikaner aus Afghanistan zu werfen, doch er kann sie verschleissen.» Und er sagt weiter: «Die Taliban werden nicht müde. Sie sind süchtig nach dem Krieg und glücklich, wenn sie weiter kämpfen können.»

Der Konflikt in Afghanistan sei nur zu lösen, wenn Mullah Omar direkt miz den afghanischen Behörden den Dialog suche, ganz ohne Einmischung der Amerikaner oder den Nato-Truppen.

«Warum soll ich nach Afghanistan gehen?»

Kritiker von Colonel Imam behaupten, er habe als führender pakistanischer ISI-Offizier den Aufstieg der Taliban erst ermöglicht. «Diese Behauptung ist übertrieben», sagt der Colonel. Trotzdem befürchten in afghanischen Geheimdienstkreisen viele, dass der Colonel die Beziehungen zu den Taliban nie abgebrochen habe und im Geheimen eine Gruppe von abtrünnigen ISI-Offizieren anführe.

Gegenüber der «Times» nimmt er Stellung: «Ich brauche Omar nicht zu beraten, er hat eine Menge Erfahrung. Aber ich würde ihn sofort besuchen und mit ihm eine Tasse Tee trinken.» Er sagt weiter: «Warum soll ich nach Afghanistan gehen? Die ganze Welt wüsste sofort, dass ich dort gewesen wäre.»

Colonel Imam behauptet, dass er den Taliban-Führer seit Herbst 2001 nicht mehr gesehen habe. Damals schlugen die ersten amerikanischen Bomben in Kandahar ein. «Nach der Bombardierung wurde ich zurück nach Pakistan gerufen. Ich verabschiedete mich von Omar und sagte zu ihm: ‹Wenn du willst, kann ich bei dir bleiben.› Und er sagte: ‹Nein, geh zurück und bete für uns.› – Ich bete für sie.»

(bru)

Erstellt: 23.02.2010, 16:43 Uhr

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1 Kommentar

Johann Binder

23.02.2010, 17:35 Uhr
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Guter Artikel.Er zeigt uns,wie es ausgehen wird in Afghanistan.Die Russen verliessen das Land nach 9 Jahren,als Verlierer.Alexander der Grosse hätte seinen Krieg dort auch verlor.Nach vielen Schlachten heiratete er die Tochter eines Warlords,es wurde Friede gemacht und er konnte nach Indien weiterziehen. Die Leidtragenden heute:die Bevölkerung und die Soldaten.Die Politiker sitzen zu Hause. Antworten



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