«Der schlimmste Fehler meines Lebens»

Er ist das neuste Pfand des Diktators: Der 21-Jährige Student Otto Warmbier muss in Nordkorea für 15 Jahre ins Lager.

Dem 21-Jährigen Otto Warmbier werden «feindliche Aktivitäten» vorgeworfen. Video: Reuters


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Horror begann am Flughafen Pyongyang. Otto Warmbiers Silvester-Reisegruppe, mit der er fünf Tage lang Nordkorea erkundet hatte, spazierte ohne Probleme durch den Zoll. Nur den 21-jährigen Amerikaner hielten zwei Beamte zurück. Das Flugzeug startete ohne ihn. Gestern hat sich der Horror verfestigt. Laut chinesischen Quellen verurteilte ein nordkoreanisches Gericht Warmbier zu 15 Jahren Gefängnis mit «harter Arbeit». Nordkoreas Arbeitslager gelten als ausgesprochen brutal.

Nachdem Warmbier am 2. Januar nicht fliegen durfte, verschwand er in den Katakomben der nordkoreanischen Justiz. Weder seine Familie noch die US-Regierung wussten, wo sich der Wirtschaftsstudent aus Ohio befand. Bis ihn das Regime am 29. Februar den Medien vorführte: Gekleidet in einen beigen Sakko las er ein Geständnis ab, dazwischen weinte er mehrmals.

Eine Methodistin, die Mutter einer Freundin, habe ihm ein Auto im Wert von 10'000 Dollar angeboten, wenn er ihr eine Propagandaflagge als Trophäe heimbringe, sagte Warmbier. Er habe sich darauf eingelassen, weil seine Familie unter finanziellen Schwierigkeiten leide. Warmbier entschuldigte sich für sein «Verbrechen», er habe die Arbeitsmoral des nordkoreanischen Volkes verletzen wollen. «Das war der schlimmste Fehler meines Lebens.» Am Schluss verbeugte er sich tief, zwei Soldaten führten ihn ruppig ab.

Die angebliche Geldgeberin wurde nie gefunden. Zum Geständnis hat man Warmbier wohl gezwungen. Ein Teil der Geschichte könnte trotzdem stimmen. Am Abend vor dem Flug hätten Warmbier und ein paar Kollegen bis morgens um fünf Uhr Wodka getrunken, erzählt ein Mitreisender. Die Gruppe übernachtete im Yanggakdo-Hotel, einem Hochhaus mitten in Pyongyang. Hier steigen viele Touristen ab, einzig der fünfte Stock bleibt für Ausländer gesperrt. Unter jungen Nordkorea-Touristen gilt es als Mutprobe, dort einzusteigen und Propagandamaterial zu stehlen.

Ob Warmbier dies getan hat, ist unklar. Laut dem Tourveranstalter trug er auch keine christlichen Broschüren auf sich, deren Verteilung Nordkorea hart bestraft. 6000 Westler besuchen Nordkorea ungefähr jedes Jahr, die meisten reisen über China ein. Die US-Regierung rät ihren Bürgern dringend ab von solchen Ausflügen, da eine Verhaftung mit langer Gefangenschaft drohe.

Student als Druckmittel gegen die USA

Warmbiers Verurteilung fällt in eine kritische Phase. Südkorea und die USA haben kürzlich ein grosses Militärmanöver durchgeführt, das der Norden als Übung für einen Einmarsch deutet. Diktator Kim Jong-un drohte darauf, Südkorea und die USA mit Atomwaffen zu beschiessen.

Ob Warmbier bis als 36-Jähriger den Horror nordkoreanischer Lager erdulden muss, bleibt offen. Kim Jong-uns Regime benutzt US-Gefangene gerne, um von Amerika Zugeständnisse für deren Freilassung zu erzwingen. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 16.03.2016, 17:21 Uhr)

Artikel zum Thema

Land im Dauerkrieg

Die Nordkoreaner führen mitunter Ernte- und Fischfang-Kriege. Die Mehrheit glaubt an die Realität, die ihnen ihre Regierung eintrichtert. Sie betrachtet sich als auserwähltes Volk, das von Feinden umgeben ist. Mehr...

«Mit Gift und Rasierklinge ausgestattet»

Interview Hungerperioden und Hinrichtungen: In «Mut zur Freiheit» erzählt die Überläuferin und Autorin Yeon-mi Park von ihrem Leben in und ihrer Flucht aus Nordkorea. Mehr...

Kim will südkoreanische Vermögen «liquidieren»

Nordkorea feuerte wieder zwei Kurzstreckenraketen ab, welche 500 Kilometer weit flogen und dann ins Meer fielen. Gleichzeitig verschärfte Pyongyang seine Rhetorik. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Werbung

Kommentare

Werbung

Silas Ecksofa

Ihre neue Wohlfühl-Oase mit Zierkissen, Regalböden und gratis Lieferung! Im OTTO’S Webshop!

Die Welt in Bildern

Bei einer Parade anlässlich die malaysischen Unabhängigkeitstags marschieren Bürger durch Kuala Lumpur und schwenken Nationalflaggen. (29. August 2016)
(Bild: Ahmad Yusni/EPA) Mehr...