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«Die Mission ist nicht erfüllt»
Aktualisiert am 30.07.2010 11 Kommentare
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Als «Massstab für andere» hat Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen den Einsatz der niederländischen Armee in Afghanistan gelobt. Tatsächlich kann sie nach vier Jahren in der südafghanischen Provinz Urusgan einige Erfolge vorweisen. Doch Zu Hause ist das Engagement der niederländischen Streitkräfte umstritten: Die Regierung in Den Haag zerbrach im Februar an dem Streit darüber, das Ende des Einsatzes wurde besiegelt. Am Sonntag ist es so weit: Die niederländischen Soldaten verlassen Afghanistan. Während die Armeeführung eine Erfolgsbilanz zieht, kritisieren Gegner des Abzugs, dass die Niederländer ihre Mission nicht zu Ende gebracht haben.
Seit dem Beginn ihres Afghanistan-Einsatzes mit dem Schwerpunkt Urusgan im August 2006 habe die niederländische Armee dort «spürbare Ergebnisse erreicht, auf die die Niederländer stolz sein können», sagte der Chefkommandeur der niederländischen Armee, General Peter van Uhm, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Für die Bevölkerung in Urusgan seien «relativ sichere Lebensbedingungen und Fortschritte bei gesundheitlicher Versorgung, Bildung und Handel» erreicht worden.
3D-Strategie
Dabei war die Ausgangslage in Urusgan nicht gerade leicht. Die radikalislamischen Taliban sind in der südlichen Provinz sehr stark, ausserdem ist die Opiumproduktion weit verbreitet. Die Niederländer setzten auf eine 3-D-Strategie – «defence, development, diplomacy» (Verteidigung, Entwicklung und Diplomatie). Sie bildeten nicht nur 3000 afghanische Soldaten aus, sondern verteilten auch rund eine Million Obstbäume, um den örtlichen Bauern eine Alternative zum Opiumanbau zu geben.
Auch am Bau einer Strasse von Tschora und Tarin Kowt, den beiden bevölkerungsreichsten Städten der Provinz, beteiligte sich die niederländische Armee. Nach ihren Angaben gehen in Urusgan mittlerweile 50'000 Kinder zur Schule und damit vier Mal mehr als 2002. Ausserdem hält sie sich zugute, dass seit Beginn ihres Einsatzes die Zahl der in Urusgan aktiven niederländischen Hilfsorganisationen von sechs auf 50 gestiegen sei. Die niederländische Regierung investierte in den Afghanistan-Einsatz 1,4 Milliarden Euro.
Es blieb beim Abzugstermin
Doch das Engagement am Hindukusch traf auch auf Widerstand. 2007 beschloss die Regierung in Den Haag, im August 2010 mit dem Truppenabzug zu beginnen und ihn bis Ende des Jahres abzuschliessen. Die Nato und die USA wollten diesen verlässlichen Partner am Hindukusch nicht verlieren. Nato-Generalsekretär Rasmussen lobte den niederländischen Einsatz Anfang des Jahres als «Massstab für andere», US-Präsident Barack Obama als «einen der herausragendsten».
Gegen das Vorhaben, auf Rasmussens Bitte den Afghanistan-Einsatz um ein Jahr zu verlängern, sperrten sich im Februar die mitregierenden Sozialdemokraten. Die Regierung in Den Haag zerbrach und es blieb beim Abzugstermin für die 1950 niederländischen Soldaten. Sie werden nun durch Soldaten aus den USA, Australien, Singapur und der Slowakei ersetzt.
20 oder 30 Jahre
Die Taliban feiern den niederländischen Abzug. «Wir möchten den Bürgern und der Regierung der Niederlanden von ganzem Herzen dazu gratulieren, dass sie den Mut hatten, diese unabhängige Entscheidung zu fällen», sagte Taliban-Sprecher Kari Jusuf Ahmadii in einem am Donnerstag veröffentlichten Gespräch mit der niederländischen Zeitung «Volkskrant».
Experten warnen, der Abzug bringe die bislang erzielten Fortschritte in Gefahr. «Man zieht nicht ab, wenn man Erfolge zu verbuchen beginnt», sagt der Leiter des Haager Zentrums für Strategische Studien, Rob de Wijk. Der Chef der niederländischen Soldatengewerkschaft ACOM, Jan Kleian, meint, obwohl mehr als 24 Niederländer bei dem Einsatz starben, wollten die Soldaten gar nicht abziehen. «Sie wollen beenden, was sie begonnen haben; die Mission ist nicht erfüllt.» Auch der Präsident der Soldatengewerkschaft AFMP, Wim van den Berg, plädiert für ein langfristiges Engagement: «Es dauert 20 oder 30 Jahre, Sicherheit in ein solches vom Krieg erschüttertes Land zu bringen.» (sam/afp)
Erstellt: 30.07.2010, 12:26 Uhr
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11 Kommentare
Wieder einmal hat sich der Westen in eine Situation manövriert, in der man nichts mehr richtig machen kann. Mir scheint, es gibt viele Lösungen, aber alle sind entsetzlich schlecht. Wir Schweizer machen es uns zu Recht einfach, indem wir sagen: wir sind neutral. Wir trauen uns nicht zu, in fremden Landen das Richtige zu tun. Was sich immer wieder als richtig herausstellt. Antworten
ja, das TIME-Titelbild. Man ist also in Afghanistan wegen den verstümmelten Mädchen. Vor dem Schweizer PC Bildschirm lässt sich das leicht sagen, aber wer dort war/ist, erlebt die Hölle, ist traumatisiert, ein Leben lang. Mit der TIME-Begründung müsste die westliche Welt sich auch in etlichen Ländern in Afrika engagieren. Antworten
@Alle ausser Bauer: Schauen Sie sich die durch die Verbündeten Invasoren verseuchten / zerstümmelten Opfer mal an. Diese benutzen mit Uranium angereicherte Munition, was schon fast einem Genozid ähnelt. Dies steht nicht im Time Magazin. Aber die Presse schiesst genau in die Richtung Propaganda damit der Hass gegen die bösen Taliban geschürt wird bzw. anhält. Antworten



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Walter Kunz
Sind alle in diesem Krieg verwickelten Nationen, nicht im Stande anständig Ordnung zu schaffen glaubt doch jemand, in Afghanistan warte man nur noch auf Ratschläge vielleicht noch einwenig Unterstützung (BRCR.) aus der Schweiz. Welche ja bekanntlich noch genügend eigene Probleme zu lösen hat. Ein neues Marignano, dazu laufend neue Soldatengräber, brauchen wir nicht nur um mit dabei zu sein. Antworten