«Die Steinigung hat abschreckende Wirkung»
Von Monica Fahmy. Aktualisiert am 07.09.2010 242 Kommentare
Hani Ramadan (Bild: Keystone )
Artikel zum Thema
- 99 Peitschenhiebe für zum Tode verurteilte Iranerin
- Schläge, Folter, Peitschenhiebe – bis hin zum Abort
- Nach Folter: Iranerin «gesteht» am TV Ehebruch und Beihilfe zu Mord
- Ein Sohn fleht um das Leben seiner Mutter
Stichworte
Das Schicksal von Sakineh Mohammadi Ashtiani, der 43-jährigen Iranerin, die wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt worden ist, bewegt die Öffentlichkeit. Weltweit protestieren Menschen gegen das Urteil. Einer, den das Todesurteil kalt lässt, ist Hani Ramadan, der umstrittene Direktor des Islamischen Zentrums in Genf. Der Enkel des Gründers der ägyptischen Muslimbruderschaft will diese Angelegenheit «in den richtigen Kontext setzen». Gegenüber der Zeitung «Le Matin» sagt er: «Die Steinigung hat abschreckende Wirkung.»
Ramadan rechtfertigt das Urteil damit, dass «diese Frau wegen Ehebruchs und Mordes verurteilt wurde». Zum Tode durch Steinigung würden nicht viele verurteilt, denn es brauche dafür vier glaubwürdige Augenzeugen. «Das ist quasi unmöglich», so Ramadan. «Man muss in dieser Geschichte vorsichtig sein und alle Fakten kennen», sagt er. Teheran wegen des Urteils anzugreifen, sei politisch motiviert, ein Vorwand. «Das Bild einer gesteinigten Frau ist schwer zu ertragen, wohingegen die Bombardierung Tausender Unschuldiger abstrakt bleibt, vor allem, wenn es sich um Muslime handelt.»
Steinigung als «göttliches Gesetz»
Es ist nicht das erste Mal, dass Hani Ramadan die Steinigung verteidigt. Im Herbst 2002 bezeichnete er in der französischen Zeitung «Le Monde» die Steinigung bei Ehebruch als «göttliches Gesetz» . Er hatte damit das Steinigungsurteil an einer nigerianischen Frau, das damals weltweit für Aufsehen sorgte, gerechtfertigt. Für seine Äusserungen über die Steinigung hat die Stadt Genf Ramadan entlassen. Nach langem Rechtsstreit gab ihm zwar eine Rekurskommission recht, die Entlassung sei keine angemessene Strafe für sein Verhalten, die Stadt Genf stellte ihn aber dennoch nicht wieder ein. Eine Person, die in einem Rechtsstaat die Steinigung rechtfertige, sei nicht tragbar, lautete die Begründung.
In seinem Plädoyer für den Iran blendet Ramadan aus, dass das Urteil gegen Ashtiani auf höchst zweifelhaftem Weg zustande kam. Augenzeugen für den angeblichen Ehebruch und den angeblichen Mord an ihrem Ehemann gibt es keine. Die iranischen Behörden haben einzig ihr «Geständnis» in der Hand, das laut ihrem Anwalt und Menschenrechtsorganisationen unter Folter zustande kam.
Während Ramadan das Urteil ganz in Ordnung zu finden scheint, setzen sich weltweit immer mehr Menschen für die Freilassung Ashtianis ein. Auch der französische Aussenminister Bernard Kouchner wandte sich an die iranische Regierung. Die Steinigung sei «der Gipfel der Barbarei» und «ein Rückfall ins Mittelalter». Er wolle den Fall zu einem «persönlichen Anliegen» machen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.09.2010, 11:35 Uhr
Kommentar schreiben
242 Kommentare
Schön wie sich der Herr in die Opferecke stellt. Doch wenn wir uns die Todeszahlen im Irak oder Afganistan anschauen, erkenne wir, dass mehr Muslime durch Selbstmordattentäter (auch Muslime) getötet wurden, als durch "westliche Fliegerbomben". Lassen wir doch die Typen ihr Mittelalter zelebrieren, doch bitte ausserhalb der "zivilisieren Welt" Antworten











Die Welt in Bildern












