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«Die Unruhen sind ein sozialer Protest»

Interview: Jan Knüsel. Aktualisiert am 07.04.2010

Moskau-Korrespondentin Sonja Zekri spricht im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet über die Ursachen der Krise in Kirgistan.

1/41 Ex-Herrscher auf der Flucht
Kirgisiens abgesetzter Präsident Kurmanbek Bakijew zeigte sich nach seiner Flucht zunächst im Hinterhof seines Hauses im Dorf Tejit im Süden des Landes.
Bild: Keystone

   
Sonja Zekri ist Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung in Moskau.

Sonja Zekri ist Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung in Moskau.

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Was wollen die Demonstranten genau?
Sie wollen, dass Präsidentn Bakijew zurücktritt. Die Situation in Kirgistan schon lange instabil. Präsident Bakijew war nach der Tulpenrevolution von 2005 noch ein grosser Hoffnungsträger. Doch an den politischen Strukturen hat sich seither nichts geändert. Nach den letztjährigen Wahlen ist in die Unzufriedenheit in der Opposition noch gestiegen.

Kommt es zum Sturz?
Die Opposition hat am Mittwochabend verkündet, dass sie die Macht übernommen hat. Das Flugzeug des Präsidenten soll Bischkek verlassen haben, ob mit ihm an Bord oder ohne, ist aber nicht klar. Was die Opposition will, ausser seinem Rücktritt, ist aber nicht ganz klar. Die politische Landschaft ist zerrissen, einen klaren Anführer gibt es nicht. Vieles an diesen Unruhen ist auch sozialer Protest: Die Tarife für Strom und Heizung sind erhöht worden, das Land lebt vor allem von den Transferzahlungen der Gastarbeiter in Russland.

Wie reagiert man in Moskau?
Russland wird sich das ganz genau anschauen. Moskau wird hier jedoch pragmatisch handeln. Es wird darum gehen, die Stabilität zu erhalten. Die russische Regierung ist aber auch verärgert über Präsident Bakijew.

Wieso?
Man muss wissen, dass Kirgistan das einzige Land ist, das einen russischen und amerikanischen Luftwaffenstützpunkt beherbergt. Moskau hat Kirgistan deshalb einen Milliardenkredit gesprochen, in der Hoffnung, dass Bakijew die USA fallen lassen würde.

Ist es dazu gekommen?
Nein, im Gegenteil. Die Regierung in Washington hat sich das Bleiberecht erkauft, in dem sie einfach noch mehr Miete für den Luftwaffenstützpunkt zahlt. Bakijew profitiert also von beiden Seiten.

Wie wichtig ist Kirgistan für die USA?
Sehr wichtig. Praktisch alle US-Truppentransporte für Afghanistan werden über die Luftwaffenbasis in Kirgistan abgewickelt. Deswegen war auch Obama bereit viel mehr Miete zu bezahlen.

Wie hat Moskau darauf reagiert?
Es fällt auf, dass die russischen Medien in letzter Zeit kritisch über Präsident Bakijew berichten. Russland und die USA werden aber beide an einer pragmatischen Lösung interessiert sein. Die Stabilisierung des Landes steht im Vordergrung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.04.2010, 20:32 Uhr

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