«Die Wahrheit ist: China hat die Gespräche zerstört»
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Mark Lynas will nach eigener Aussage nicht, dass die Wahrheit über das Desaster von Kopenhagen vergessen geht. Lynas ist Korrespondent des britischen «Guardian», derjenigen Zeitung, die während des Klimagipfels zu den bestinformierten Medien gehörte.
«Die Wahrheit ist diese», schreibt also Lynas. «China hat die Gespräche zerstört und durchgesetzt, dass der Westen den Tisch verlässt und die Schuld auf sich nimmt. Wieso ich das weiss? Weil ich im Zimmer war und es gesehen habe.» Bislang hatte es offiziell stets geheissen, die Verhandlungen seien an unterschiedlichen Vorstellungen gescheitert, am Widerstand der Entwicklungsländer, an der Gier der Industrieländer oder nicht zuletzt am Versagen des Verhandlungsführers Lars Loekke Rasmussen.
«Nein», immer wieder
Lynas hingegen schreibt, Chinas Strategie sei so einfach wie erfolgreich gewesen. Zwei Wochen lang habe die Delegation die offenen Gespräche boykottiert. Bei den Verhandlungen hinter verschlossenen Türen hätten die Chinesen dann nur ein Wort gekannt: «Nein.» Nicht einmal Staatschef Wen Jinbao persönlich sei da gewesen, lediglich ein zweitrangiger Diplomat aus dem Aussenministerium, der neben Barack Obama persönlich Platz nahm.
Schritt für Schritt habe der, jeweils nach peinlichen Telefonaten nach Peking, sämtliche Ziele abgesägt. «Für all jene, die den Westen anklagen: Es war Chinas Delegierter persönlich, der darauf bestand, die 80-Prozent-Reduktion von Treibhausgasen der industralisierten Länder aus dem Beschluss zu nehmen.» China habe nicht nur Grenzen für sich selber von sich gewiesen, zitiert Lynas einen britischen Delegierten, der seit 15 Jahren an Klimaverhandlungen teilnimmt. «Sie haben sich auch geweigert, irgendeinem anderen Staat eine Obergrenze für sich selber zu erlauben.» Die westlichen Staaten stimmten schliesslich dem zahnlosen Schlusspapier zu: Zu sehr brauchten sie überhaupt irgend einen Beschluss, um den Gipfel nicht vollständig scheitern zu lassen.
«Chinas Marionetten»
Laut dem zitierten Experten hat Chinas destruktives Verhalten nur einen Grund: Es wolle sich sein auf Kohlekraft basierendes Wachstum erhalten und sich die Vorherrschaft über die Welt sichern. Trotzdem ist es nun jemand anders, der das Büsserhemd für das gescheiterte Kopenhagen trägt: Es sind die westlichen Staaten im Allgemeinen, es ist Lars Loekke Rasmussen, es ist Barack Obama. Glaubt man Lynas, der die Szenen hinter verschlossenen Türen durchaus detailliert beschreibt, so ist dies das Resultat einer gelungenen chinesischen PR-Strategie. Nach dem Gipfel sei die offizielle Botschaft an die Welt diejenige gewesen, dass der Westen – allen voran Obamas USA – wieder einmal die armen Staaten im Stich gelassen habe. Eine Interpretation, so Lynas, die Hilfsorganisationen noch so gerne aufgenommen hätten.
«Alles sehr vorhersehbar, aber das komplette Gegenteil der Wahrheit», schreibt der Brite. «Ich habe gesehen, wie Obama verzweifelt für einen Beschluss kämpfte und wie die chinesischen Delegierten immer und immer wieder Nein sagten.» Die Offensive Chinas werde unter anderem gestützt vom Sudan, der sich als «Marionette Chinas» verhalten habe. Tatsächlich schaffte es die Aussage des Sudanesen Lumumba Di-Aping weltweit in die Presse: Die Verhandlungen seien wieder einmal der Versuch gewesen, «die ökonomische Vorherrschaft einiger Staaten zu sichern». Dass die Staaten Afrikas es sich nicht mit China verscherzen wollen, erstaunt nicht: Es ist China, das seit Jahren massiv in die Volkswirtschaften des Kontinents investiert. (oku)
Erstellt: 23.12.2009, 13:54 Uhr
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