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Die gefährlichsten Orte der Welt

Von Judith Wittwer. Aktualisiert am 14.09.2010 5 Kommentare

Ein Fünftel der Erdoberfläche ist permanent von Erdbeben, Stürmen, Fluten oder Vulkanausbrüchen bedroht. Wo die Menschen den Naturgewalten am stärksten ausgeliefert sind.

Welt der Naturgewalten: Länder und Regionen mit hohem Sterberisiko.

Welt der Naturgewalten: Länder und Regionen mit hohem Sterberisiko.

Wenn der Mensch die grösste Bedrohung ist

Manchmal, nachts, sind aus den Barrios Schüsse zu hören. Da vergisst Venezuelas Moloch Caracas seine anderen Probleme: Nahezu zwei Drittel der Stadtbewohner leben in den dicht besiedelten, dreckigen Slums auf den Hügeln, welche die Metropole wie ein Gürtel umgeben. Bei jedem Wolkenbruch drohen die Wellblechhütten die Hänge herunterzurutschen. Einst hielt die Vegetation den brüchigen Schiefer zusammen. Doch die Menschen begannen zu roden – und so wurden die Böden instabil und Erdrutsche mit Toten und Verletzten zur Normalität.

Zur Armut und zur Not kommt die Kriminalität hinzu. Nachts, wenn es knallt, steigt mit der Angst auch die Zahl all jener Menschen, die Opfer eines Gewaltverbrechens werden. Der Mensch wird zur grösseren Gefahr als die Natur. Caracas gehört heute zu den brutalsten Städten der Welt – 2009 sprach man von 130 Morden sowie 537 Entführungen pro 100 000 Einwohner. So genau weiss das aber keiner.

Nicht verirren möchte man sich auch in die Armenviertel von Bogotá (Kolumbien), Rio de Janeiro (Brasilien), Ciudad Juárez (Mexiko) oder in die Slums von Johannesburg (Südafrika). Da ist die Gewalt an der Tagesordnung: Raubüberfälle, Vergewaltigungen und Morde ohne Ende.

Im US-Magazin «Forbes» über die 15 gefährlichsten Länder auf der Welt tauchen diese Orte trotzdem nicht auf. Zuoberst in der Rangliste, die sich auf Einschätzungen von internationalen Beobachtern und US-Sicherheitsorganisationen stützt, stehen Kriegsgebiete. An erster Stelle kommt Afghanistan – da kann die westliche Welt noch so viele Soldaten in die Islamische Republik schicken. Nicht nur das Grenzgebiet zu Pakistan bleibt dort eine Brutstätte menschlicher Gewalt. Auch der ehemals ruhigere Norden ist zu einer Risikozone geworden.

Der Irak belegt im «Forbes»-Ranking den Platz 2. Und auf Rang 3 jener Länder, um die man besser einen Bogen macht, ist Somalia. Der zerfallene Staat im äussersten Osten Afrikas befindet sich faktisch in der Hand lokaler Clans, Kriegsherren, radikalislamischer Gruppen und Piraten – es fehlt eine funktionierende Regierung.

Auch Pakistan (Rang 4) stufen die «Forbes»-Experten als sehr gefährlich ein, gefolgt von Sudan (5), Jemen (6), Kongo (7), Guinea (8) und Russlands Nordkaukasus (9) mit den Republiken Tschetschenien, Nordossetien und Dagestan. Auf den 10. Platz der schlimmsten Gewaltherde brachte es Nigeria, und in den Top 15 taucht auch das geschundene Haiti auf. Wo Armut, Leid und politische Instabilität herrschen, sind Kriminalität und Gewalt nicht weit. (jw)

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«Die Natur kennt keine Katastrophen, Katastrophen kennt allein der Mensch, sofern er sie überlebt.» – Max Frisch

Die Taiwaner liessen sich nicht aufhalten. Als im März 2002 die Erde zitterte, zwei Kräne vom 53. Stockwerk in die Tiefe krachten und fünf Arbeiter erschlugen, bauten sie unbeirrt weiter. Sie wollten diesen Wolkenkratzer – egal, welche Naturgewalten drohen. Taipeh 101, ein 508 Meter hohes, in jadegrünes Glasgewand gehülltes Gebäude, sollte der Welt zeigen, dass von dieser Insel längst nicht nur billiges Plastikspielzeug kommt.

Taifune bringen den Tod

So steht nun also an der Schnittstelle zwischen Eurasischer und Philippinischer Platte einer der höchsten Türme der Welt; ein Gigant aus Stahl und Glas auf einem Boden, der für Erdbeben prädestiniert ist. Circa 200-mal pro Jahr rumpelt hier die Erde – mal heftiger, mal etwas schwächer. Beim letzten grossen Erdbeben auf der Insel starben 1999 über 1500 Menschen. Die Taiwaner selbst geben sich aber unerschütterlich – sie wollen sich die Natur unterwerfen. Eher hängen sie eine 660 Tonnen schwere Kugel in den Taipeh 101, als das Prestigeprojekt zu begraben. Das Pendel soll alle Schwankungen, die bei Erdbeben oder Taifunen auftreten, um 40 Prozent dämpfen.

Taifune? Richtig. Die gibt es auf Taiwan auch zuhauf. Bis zu viermal pro Jahr fegen tropische Wirbelstürme über die Insel. Sie verursachen Überschwemmungen und Erdrutsche, bringen Tod und Zerstörung. Über 95 Prozent der Inselbewohner sind laut Forscher Maxx Dilley permanent von drei oder mehr Naturkatastrophenarten bedroht. Sein Weltbank-Report stuft Taiwan als riskantestes Land der Welt ein.

2010 – ein Katastrophenjahr

Schlagzeilen machten dieses Jahr dennoch andere: Haiti etwa oder Pakistan – beides Länder, die den Sprung in die Erste Welt noch nicht geschafft haben. Umso verwundbarer sind sie: Das Erdbeben in Haiti Mitte Januar war eines der tödlichsten überhaupt. 223'000 Menschen starben. 1,2 Millionen wurden obdachlos. Nur eine Minute dauerte das Hauptbeben. Port-au-Prince liegt auch Monate nach der verheerenden Naturkatastrophe in Trümmern.

Haiti zählt auch zur Spitzengruppe der gefährlichsten Orte – zusammen mit Ländern wie Bangladesh, Nepal, Malawi, El Salvador oder Honduras. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung sind dort permanent von mindestens zwei Naturkatastrophen bedroht. Nach dem verheerenden Erdbeben müssen die Haitianer nun die Hurrikane fürchten.

Extreme Ereignisse häufen sich

Pakistan kämpft seit rund einem Monat gegen die schlimmsten Überschwemmungen seiner Geschichte. Nach Schätzungen der UNO verloren in den Fluten bislang rund 1500 Menschen ihr Leben. 20 Millionen sind ohne Hab und Gut. Das Land ist insofern etwas weniger gefährlich als Haiti, als laut dem Weltbank-Bericht nur etwa die Hälfte der Bewohner akut durch zwei oder mehr Naturkatastrophen gefährdet ist. Keine fünf Jahre ist es etwa her, seit ein Erdbeben in Kashmir 84'000 Menschen das Leben kostete.

Weltweit ist die halbe Menschheit heftigen Naturgewalten ausgesetzt – ein Fünftel der Erdoberfläche ist pausenlos von Beben, Vulkanausbrüchen, Fluten oder Erdrutschen bedroht. Dabei scheinen sich extreme Ereignisse zu häufen. So zählten die Risikospezialisten der globalen Versicherer allein im ersten Semester dieses Jahres 440 Naturkatastrophen. Dies ist fast ein neuer Rekord.

Schuld sind die Menschen

«Die Anzahl der jährlichen wetterbedingten Naturkatastrophen nimmt stark zu», bestätigt Peter Höppe. Gemäss dem Leiter der Georisikoforschung des Rückversicherers Munich Re gibt es heute dreimal mehr Überschwemmungen als vor 20 Jahren. Die Zahl der durch Stürme verursachten Schäden soll sich in dieser Zeit mehr als verdoppelt haben.

Schuld an dieser katastrophalen Entwicklung sind die Menschen: 6,9 Milliarden leben heute auf der Erde. Bis 2050 werden es laut Prognosen der UNO über 9 Milliarden sein. Mehr Menschen heisst notgedrungen mehr Katastrophen – zu solchen werden Naturereignisse ja erst, wenn Menschen oder ihr Eigentum Schaden nehmen. «Und immer mehr Menschen leben in Risikogebieten», weiss Höppe. Auf der Suche nach Arbeit und Wohlstand zieht es sie in die Städte, die immer voller werden und sich immer mehr auf rutschige Hänge und in feuchte Flussdeltas ausdehnen. Viele Metropolen sind sowieso exponiert: Sie liegen zwar handelstechnisch geschickt an Küsten mit gutem Zugang zum rohstoffreichen Hinterland. Die Kontinentalränder sind von Urgewalten aber meist besonders bedroht. Häufig liegen sie in Erdbeben- und Vulkanismuszonen. Auch Stürme und Fluten treffen sie hart. Heute lebt ein Drittel der Weltbevölkerung weniger als 50 Kilometer von der Küste entfernt – und es werden immer mehr.

Temperatur des Meeres steigt

Der Mensch trägt auch die Hauptschuld am globalen Klimawandel. Daran besteht spätestens seit der Publikation des vierten Berichts des UNO-Weltklimarats (IPCC) kein Zweifel mehr. Es spricht gemäss Professor Höppe viel dafür, dass der Anstieg der wetterbedingten Naturkatastrophen mit dem Klimawandel zu tun hat. Der IPCC-Report selbst prognostiziert einen Anstieg von Hitzewellen, Dürre und Hochwassern. Laut Höppe gibt es Hinweise, dass Unwetter auch in der Schweiz zunehmen. Die Wirbelstürme über dem Ozean sind heftiger geworden; die Hitze- und Dürreperioden im Mittelmeerraum noch ausgeprägter. «Durch den Klimawandel haben sich bereits die Meeresoberflächentemperaturen erhöht», sagt Experte Höppe. Dies führe zu erhöhter Verdunstung und damit zu einem grösseren Eintrag von Energie in die Atmosphäre. «Die Wettermaschine schaltet quasi einen Gang höher.»

Medien stets vor Ort

Immer schneller schalten auch die Medien. Raucht irgendwo auf dem Globus ein Vulkan oder brennen die Wälder – die Journalisten berichten darüber in Echtzeit. Für Alice Fiser vom Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der UNO-Universität in Bonn ist deshalb klar: «Der Anstieg der Naturereignisse ist eng mit der Mediengesellschaft verknüpft.» Heute wird jedes Hagelkorn registriert. Auch kleinste Schäden werden den Versicherern gemeldet. Früher blieb vieles unkommentiert. Fiser hält sich mit allgemeingültigen Aussagen daher eher zurück – vor allem bei den geologischen Naturkatastrophen kann sie «keinen eindeutigen Trend» erkennen. Ob Ereignisse wie Tsunamis zunehmen, lässt sich demnach also nicht sagen.

Unbestritten steigen jedoch die Schäden. Sie sind für Volkswirtschaft und Versicherer umso höher, je entwickelter das von der Naturkatastrophe betroffene Land ist. Das Erdbeben im bitterarmen Haiti forderte Hunderttausende Tote. Die Schäden für die Versicherer waren mit 150 Millionen Dollar jedoch minimal. In Chile, wo Ende Februar die Erde wankte und 521 Menschen starben, lagen diese laut der Munich Re bei 8 Milliarden Dollar. «Das zeigt, wie wichtig es ist, mit an Erdbeben angepassten Baustandards den Menschen grösstmöglichen Schutz zu bieten», meint Professor Höppe. Nur fehlt Milliarden von Armen das Geld für solche Vorkehrungen.

Biegsamer Bambus

Im noblen Finanzbezirk Hsinyi scheuten die Taipeh-101-Bauer keine Ausgaben, und so sausen die Turmbesucher dank dem Schwingungsdämpfer unbekümmert im Lift zum Aussichtsdeck im 89. Stock. Der Wolkenkratzer, einem biegsamen Bambus nachempfunden, ist längst zur Attraktion geworden. Die Taiwaner haben die Natur erfolgreich imitiert – bezwungen haben sie sie nicht. Müssten sich die Risikoexperten vom Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der UNO-Universität festlegen, wo sie aus Angst vor Naturkatastrophen lieber nicht wohnen wollten, die Rangfolge sähe so aus: Taipeh, Port-au-Prince, Tokio, San Francisco/New Orleans und am Schluss Venedig.

Die Forscher prüften dabei nicht nur, wie stark die Stadtbewohner den Naturgefahren ausgesetzt sind. Sie analysierten auch, wie diese mit Urgewalten umgehen. So zeigte der Hurrikan Katrina, der New Orleans vor fünf Jahren hart traf, die Probleme in der Prävention sowie im Katastrophenmanagement der Stadt gnadenlos auf. Japan attestieren die Experten hingegen «gute Bewältigungs- und Anpassungskapazitäten». Dies mindere auch die Anfälligkeit der Bevölkerung. Die Gefahr aber bleibt: Kalifornien etwa steht laut neuen Untersuchungen aus den USA ein «sehr starkes Beben» bevor. Da tröstet kaum, dass das Risiko, in San Francisco von einem Auto überfahren zu werden, wohl noch um ein Vielfaches höher liegt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.09.2010, 21:35 Uhr

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5 Kommentare

John Kipkoech

14.09.2010, 10:47 Uhr
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Es fällt auf, dass die gezeigte Karte sehr ungenau ist. Weite Gebiete in Südamerika, Australien und anderen Orten die von Dürre heimgesucht werden, sind nicht eingetragen. Erdbebeben Zonen erstrecken sich ununterbrochen quer durch Amerika von Alaska bis Feuerland, weitere Erdbebenzonen sind u.a. weite Gebiete Italiens und des Balkans , Zentral-Afrikas und Neuguineas. Antworten


pary muster

14.09.2010, 13:08 Uhr
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Die Auswirkungen auf unserer Erde hat unteranderem mir der Präzisionsbewegung der Erde zu tun.Diese wird am 21.12.2012 auf „0-stehen“Unser Sonnensystem durchqueren den „Äquator“(Milchstrasse)unserer Galaxie.Es wird Einfluss auf das Magnetfeld der Erde habe,was die Wissenschaft jetzt schon beobachtet.Man beachte, dass die Milchstrasse und ihr Zentrum ein eigenes Magnetfeld hat. Antworten



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