Ein Pferdchen veralbert Chinas Web-Zensoren
Aktualisiert am 30.03.2009 3 Kommentare
Zehntausende Menschen in aller Welt haben das Youtube-Video mit dem Titel «Das Lied des Gras-Matsch-Pferdes» schon angeschaut: ein verwirrendes Filmchen, das ein zotteliges Huftier – in Wahrheit ein Alpaca – in verschiedenen Posen zeigt, unterlegt von einem Kinderlied in chinesischer Sprache. Es handelt sich allerdings keineswegs um einen harmlosen Kindergartenspass, sondern einen gewitzten Protest gegen Chinas Internetaufpasser.
Verschlüsselte Kritik am Staatsapparat
Wie die «New York Times» berichtet, steckt das Lied voller versteckter Andeutungen in Formen von Wortspielen: Die «Flusskrebse», die sie besiegen, klingen in chinesischer Sprache ähnlich wie das Wort «Harmonie», das im Cyberspace als Synonym für Zensur verwendet wird. Staatspräsident Hu Jintao hatte diesen Ausdruck verwendet und eine «harmonische» Gesellschaft als Ziel definiert. Und das «Grasland», von dem die Krebse vertrieben werden, klingt auf Chinesisch verdächtig nach «Redefreiheit».
Auch der Name des putzigen Tierchens beschreibt keineswegs seinen Lebensraum, sondern spiegelt wohl den Zorn der zensurierten Bevölkerung wieder: Einige Zeilen über das Cao Ni Ma, was soviel wie «Gras-Matsch-Pferd» bedeutet, klingen in den Ohren von Chinesinnen und Chinesen wie die mehrfache und rüde Aufforderung, einen Geschlechtsakt mit der eigenen Mutter zu vollziehen.
Vierbeiniges Symbol für den Widerstand
In China hat das Tier trotz seines derben Namens eine grosse Fangemeinde: Laut dem Journalismus-Dozenten Xiao Qiang von der University of California, ist das «Gras-Matsch-Pferd» mittlerweile eine landesweit bekannte Ikone des Widerstands gegen die Zensur – zum Unmut der staatlichen Meinungskontrolleure, die seit dem Artikel in der «New York Times» im Internet Jagd auf das vorwitzige Tier machen.
Erstellt: 30.03.2009, 15:43 Uhr




Marcel Wittwer
Wie üblich dürfen wir ein harmloses Nicht-Nachrichtelchen kommentieren. Die wirklich wichtigen Themen überfordern die Zensoren bei espace.ch. Auffällig auch, dass die wirklich wichtige Nachricht des Tages überhaupt nicht erscheint: Das chinesische Militär hat in 103 Ländern spioniert und infiltriert per Internet: Botschaften, Aussenministerien etc. Das wäre eine bedrohliche Neuigikeit! Antworten