«Ein riesiger Quallen-Taifun»
Wo ist der Taucher? Grössenvergleich zwischen Mensch und Qualle.
Eine Nomura-Riesenqualle hat sich letzte Woche auf hoher See in ein Schleppnetz verfangen und dadurch ein 10 Tonnen schweres, japanisches Fischerboot zum Kippen gebracht. Die drei über Bord geworfenen und nur leicht verletzten Fischer konnten von einem Begleitboot gerettet werden. Die Szene spielte sich rund 10 Kilometer vor der Küste der Präfektur Chiba bei Tokio ab.
Die japanische Fischerei kämpft derzeit gegen eine Quallenplage, wie man sie seit vier Jahren nicht mehr erlebt hat. «So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie. Die Quallen behindern gar die Schiffe beim Vorwärtskommen», sagt ein 50-jähriger Fischer aus der Küstenstadt Ooarai der Zeitung «Yomiuri Shimbun». Dieses Jahr sind die Schwärme bereits einen Monat früher als im Rekordjahr 2005 aufgetaucht.
Riesiger wirtschaftlicher Schaden
Professor Shinichi Ue von der Universität Hiroshima bestätigt die Beobachtung des Fischers: «Die Ankunft der Quallen ist nicht mehr abwendbar. Ein riesiger Quallen-Taifun wird das Land erreichen.» Die Nomura-Quallen (auf japanisch Echizen-Kurage) zerreissen Fischernetze und zerdrücken mit ihrem Gewicht gleichzeitig die in den Netzen gefangenen Fische. Der wirtschaftliche Schaden für die lokale Fischerei geht in die Millionenhöhe. In gewissen Fischerstädten sind die Erträge um bis zu 80 Prozent gesunken. Mit scharfen Drahtnetzen versuchen die Fischer den Schaden zu vermindern. Zudem soll in Zukunft ein Beobachtungssystem den Standort der Quallen genau erfassen können.
Die Nomura-Quallen können bis zu 200 Kilogramm schwer und 2 Meter lang werden. Ihre giftigen Tentakel erreichen gar eine Länge von bis zu 5 Metern. Jedes Jahr im Herbst treiben die Nomura-Quallen von der chinesischen Küste, wo sie sich fortpflanzen, mit der warmen Meeresströmung Richtung Japan. Dieses Jahr sind bereits im Juli die ersten Schwärme bei der japanischen Südinsel Kyushu angekommen. Ein Phänomen, wie es früher alle 40 Jahre vorgekommen ist, belästigt seit dem neuen Jahrtausend fast jährlich die japanischen Küstenregionen.
Die Qualle als Lebensmittel
Forscher vermuten, dass die Verschmutzung der Meere sowie die steigenden Meerestemperaturen ideale Lebensbedingungen für die Vermehrung der Quallen geschaffen haben. Die Überfischung hat zudem die Fischbestände so stark dezimiert, dass die Qualle praktisch keine natürliche Feinde mehr vorfindet. Das Phänomen der zunehmenden Quallenschwärme taucht mittlerweile überall auf der Welt auf, doch Japan scheint durch die hohe Verschmutzung der Gewässer an der chinesischen Küste besonders stark davon betroffen zu sein.
In China hat man sich schon lange mit diesem Problem angefreundet. Getrocknete Quallen gelten dort als eine beliebte Speise. Auch in Japan haben sich mittlerweile ein Quallen-Essverein gebildet. Der Trend hält sich aber noch in Grenzen. Andere Forscher versuchen aus dem von Quallen gewonnenen Kollagen Kosmetika zu entwickeln.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)
Erstellt: 05.11.2009, 10:12 Uhr
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