Ausland

Eine Bombenlegerin als Staatsgast

Von Christoph Neidhardt. Aktualisiert am 02.08.2010 3 Kommentare

1987 sprengte Kim Hyon-hui ein südkoreanisches Flugzeug in die Luft. Nun gibt sie den Angehörigen japanischer Entführungsopfer neue Hoffnung.

Früher war sie nordkoreanische Terroristin, heute ist sie Staatsgast: Kim Hyon-hui in Japan.

Früher war sie nordkoreanische Terroristin, heute ist sie Staatsgast: Kim Hyon-hui in Japan.
Bild: Keystone

Kim Hyon-hui war eine nordkoreanische Agentin, die 1989 in Südkorea als Terroristin zum Tode verurteilt, aber später begnadigt wurde. Vorletzte Woche hielt sie sich als Gast der japanischen Regierung in einer privaten Villa von Ex-Premier Yukio Hatoyama im Kurort Karuizawa auf. Dort traf sie Angehörige von Japanern, die vom nordkoreanischen Geheimdienst gekidnappt und nach Pyongyang entführt worden waren. Die Gespräche sollten Verwandten und japanischen Regierungsvertretern Informationen über das Schicksal der Verschollenen vermitteln, insbesondere, ob sie noch am Leben sein könnten.

Pyongyang hatte die Entführungen 2002 zugegeben und eine Gruppe ausreisen lassen. Die übrigen Verschleppten, behauptet Pyongyang, seien tot. Nordkoreanische Agenten hatten Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre etwa 15 Japaner gekidnappt – die genaue Zahl ist umstritten –, um sie in der Ausbildung von Agenten einzusetzen. Sie sollten den Spionen die japanische Sprache und Umgangsformen beibringen. Auch die spätere nordkoreanische Terroristin Kim Hyon-hui lernte bei den Entführten.

Eine der Verschleppten war Megumi Yokata. Sie wurde an einem Frühlingsabend 1977 als 13-Jährige auf dem Heimweg vom Badminton von Agenten überwältigt und mit einem Schnellboot zu einem wartenden Schiff gebracht. Pyongyang behauptet, sie habe 1994 Selbstmord begangen. Ein Zeuge bestätigte dies gegenüber Südkorea. In Japan allerdings glaubt man das nicht, vor allem Megumis engagierte Eltern nicht. Megumi ist zum Gesicht dieses kollektiven japanischen Albtraums geworden.

Nordkorea erklärte sie für tot

Die Terroristin Kim Hyon-hui traf damals auch mit Megumi zusammen, jetzt wusste sie aber nichts über deren Verbleib. Kim war seit 1987 nicht mehr in Nordkorea. Japanisch lernte sie bei einer anderen Entführten, Yaeko Taguchi. Auch von ihr behauptete Nordkorea im Jahre 2002, sie sei tot, umgekommen bei einem Verkehrsunfall. Nach den Gesprächen sagte der zuständige japanische Minister Hiroshi Nakai, im Jahre 2002 sei Yaeko Taguchi sicher noch am Leben gewesen.

Die Diplomatentochter Kim Hyon-hui, die unter anderem in Kuba aufgewachsen war und Theater studierte, wurde nach ihrer Ausbildung nach Bagdad geschickt, wo sie sich als japanische Touristin ausgab. Zusammen mit einem Kollegen bestieg sie am 29. November 1987 ein südkoreanisches Flugzeug vom Typ Boeing 707 mit Kurs nach Seoul. Bei der Zwischenlandung in Abu Dhabi stiegen die beiden Agenten aus, liessen im Gepäckfach aber eine Zeitbombe zurück. Korean Airlines 858 explodierte über der Andamanensee vor der Küste Burmas. Alle 115 Insassen kamen um.

Kim überlebte Zyankali-Pille

Kim und ihr Partner, der sich als ihr Vater ausgegeben hatte, wurden später in Bahrain verhaftet. Ein Beamter hatte erkannt, dass ihre japanischen Pässe gefälscht waren. Beide Agenten zerbissen sofort eine Zyankali-Kapsel, Kim überlebte, ihr Partner nicht. Sie wurde nach Südkorea überstellt und dort im März 1989 zum Tode verurteilt. Seit ihrer Begnadigung lebt sie inkognito und unter Personenschutz in Südkorea. Die Bombe habe sie im persönlichen Auftrag des heutigen nordkoreanischen Diktators Kim Jong-il gelegt, sagte sie später. Er soll damals Geheimdienstchef gewesen sein. Man habe ihr eingebläut, der Anschlag sei notwendig, um die koreanische Wiedervereinigung zu ermöglichen.

Aus Sicherheitsgründen reiste der ungewöhnliche Staatsgast in Japan nur per Helikopter. Die Polizei verzichtete explizit auf ein Verhör, obwohl Kim mit dem gefälschten Pass gegen japanisches Recht verstiess. Und die Einwanderungsbehörde erliess ihr alle Formalitäten zur Ein- und Ausreise. Jetzt schimpfen die konservativen Medien, als Ex-Terroristin sei sie zu gut behandelt worden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.08.2010, 11:39 Uhr

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3 Kommentare

Bruno Waldvogel

02.08.2010, 12:08 Uhr
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Es git diese bewegende Lebensgeschichte als Buch. Sehr lesenswert: Die Tränen meiner Seele, Brunnen Verlag. Antworten


Stefan Flüeler

02.08.2010, 05:51 Uhr
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Wenn ich diese enttarnte Agentin gewesen wäre, hätte ich das möglicherweise auch erzählt. Wenn Menschen durch ein Todesurteil bedroht werden, erzählen sie meist alles, was man von ihnen hören will. Antworten



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