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Fotos aus dem Familienalbum: Der Tiger des Todes planscht im Pool

Aktualisiert am 15.05.2009 4 Kommentare

Der Führer der Tamil Tigers, Velupillai Prabhakaran, gilt als Erfinder der Selbstmordattentate. Jetzt, wo er seine letzte Schlacht schlägt, sind neue ungewöhnliche Bilder von ihm aufgetaucht.

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Prabhakaran in einem ruhigen Moment mit seiner Frau Mathivathani. Die Bilder aus einem Familienalbum bekamen Regierungstruppen in die Hand, als sie eine Rebellenfestung einnahmen.
Bild: Reuters

   

Er hat sich praktisch sein ganzes Leben nur versteckt. Mit Terror kämpfte er in Sri Lanka für einen Tamilen-Staat. Fotos von ihm gibt es nicht viele. Doch jetzt, wo seine allerletzte Schlacht kurz bevor steht, hat die sri-lankische Regierung Fotos veröffentlicht, die eine ungewöhnliche Seite des gnadenlosen tamilischen Rebellen-Chefs zeigt.

Die Bilder zeigen ihn beim Geniessen eines Lebensstils, von dem tausende seiner Anhänger nur träumen können: Er badet in einem Pool, vergnügt sich beim Festessen und feiert die Hochzeit seiner Tochter.

Regierung ruft zum «letzten Gefecht»

Die Tamil Tigers, die seit einem Vierteljahrhundert für einen eigenen tamilischen Staat auf Sri Lanka kämpfen, sitzen in der Falle, wie Freiwild zusammengetrieben auf einen Flecken im Nordosten der Insel, der sich Puthukkudiyiruppu nennt. 50'000 Soldaten der Regierungstruppen haben sie eingekesselt und die Nachschublinien gekappt.

Das letzte noch von den Rebellen gehaltene Gebiet werde bis zum Wochenende von der Regierungsarmee eingenommen werden, sagte Regierungssprecher Anusha Palpita.

Binnen 48 Stunden sollten tausende Zivilisten «aus den Klauen der Tamilen-Tiger befreit werden», zitierte er Präsident Mahinda Rajapakse. Die Armee werde das gesamte Tamilengebiet einnehmen.

Alles wieder verloren

Guerillachef Velupillai Prabhakaran hat seinen Kampf um einen unabhängigen Tamilen-Staat auf Sri Lanka ruchlos und tollkühn geführt. Als Anfang 2002 ein Waffenstillstand zustande kam, regierte er faktisch über das Gebiet, das er für die Tamilen beanspruchte, ein Viertel der Insel: Seine Befreiungstiger trieben Steuern ein, unterhielten eine Verwaltung, Polizei und Gerichte. Sri Lankas damaliger Regierungschef, Ranil Wickremesinghe, war bereit, ihnen weitgehende Autonomie zuzusichern. Prabhakaran aber schlug das Angebot aus, hintertrieb die Friedensbemühungen, provozierte einen neuen Waffengang. Und hat das Erreichte so verspielt.

Velupillai Prabhakaran wurde am 26. November 1954 in ein junges Land hineingeboren, dem die britischen Kolonialherren ein konfliktgeladenes Erbe hinterlassen hatten. Sie hatten viele singhalesische Bauern enteignet, um Teeplantagen anlegen zu können, und zusätzlich zu den einheimischen Tamilen, die sie bevorzugt im Staatsdienst einsetzten, weitere Tamilen als billige Arbeitskräfte aus Südindien geholt. Nach dem Abzug der Briten waren die Ressentiments der Singhalesen, die drei Viertel der Bevölkerung stellen, entsprechend gross. Erst wurde den tamilischen Plantagenarbeitern die Staatszugehörigkeit entzogen, dann Singhalesisch zur einzigen Landessprache erklärt, der Import tamilischer Zeitschriften und Filme verboten und die Universitätszulassung von Tamilen beschränkt. Mehrere Pogrome kosteten Hunderte von Tamilen das Leben.

Experimentieren mit Molotowcocktails

Prabhakaran , das jüngste Kind eines Bezirksbeamten auf der Halbinsel Jaffna, bekam die staatlichen Schikanen von klein auf mit. Er war laut ehemaligen Schulkameraden ein in sich gekehrter Knabe, der hinduistische Heldensagen, Biografien von Widerstandskämpfern und die Komikserie «Das Phantom» verschlang. Mit der Steinschleuder, seiner ersten Waffe, erlegte er Vögel und Echsen im Dutzend. In der Pubertät experimentierte er mit Molotowcocktails und gründete mit Kollegen einen Sparfonds, um gemeinsam einen Revolver zu kaufen. Sich selbst härtete er ab, indem er sich Nadeln unter die Fingernägel trieb oder sich auf Chilisäcke legte.

Prabhakaran kannte nur ein Ziel: «für die Freiheit der sri-lankischen Tamilen zu kämpfen». Mit 16 verübte er einen Brandanschlag auf einen staatseigenen Bus. Wenig später ging er in den Untergrund, nicht ohne seine Fotos im Familienalbum zu vernichten. Am 12. Juli 1975 wartete er vor einem Tempel auf den Bürgermeister von Jaffna, Alfred Durriapah, der der sri-lankischen Regierungspartei angehörte. Das machte ihn in Prabhakarans Augen zum Verräter an der tamilischen Sache, den es zu erschiessen galt. Punkt.

Wut der tamilischen Jugend schlug in Gewalt um

Mit dem ersten politischen Mord des Landes schlug die Wut der tamilischen Jugend in Gewalt um. Die Befreiungstiger, 1976 von Prabhakaran gegründet, radikalisierten beide Seiten, indem sie singhalesische Polizisten und gemässigte tamilische Politiker beseitigten. Das nötige Geld beschafften sie sich mit Banküberfällen, später mit Zwangsbesteuerung und Schutzgeldern von Exil-Tamilen.

Die Operationen plante Prabhakaran bis ins Detail, stets von Misstrauen getrieben. Die Ausführenden setzte er nur so weit ins Bild, wie es für ihren Einsatz nötig war. Alle Fäden liefen bei ihm zusammen: Von seinen Mitstreitern verlangte er bedingungslosen Gehorsam und eiserne Disziplin. Sex, Alkohol, Tabak und Kartenspiele waren verboten, Zerstreuung boten ihnen allenfalls Western- und Kriegsfilme, die sie zwecks Nachahmung studierten.

Ausschluss, Verfolgung, Tod

Sein Kampf war von Anfang an erbarmungslos, einzig auf Gewalt ausgerichtet. Auch vor der Zwangsrekrutierung von Jugendlichen schreckte er nicht zurück. Die Formulierung höherer Ziele, einer Ideologie, überliess er Anton Balasingham, einem ihm ergebenen Ex-Marxisten. Befreiungstiger, die wagten, an Prabhakarans Allmacht zu rütteln, riskierten Ausschluss, Verfolgung und Tod. Selbst Niederlagen, welche die Streitkräfte den Rebellen zufügten, nahm der Tigers-Chef so persönlich, dass er Rache nahm. Als sein engster Kampfgefährte bei einem Einsatz erschossen wurde, führte er persönlich den Stosstrupp an, der am 24. Juli 1983 einen Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi in Jaffna verübte.

13 Soldaten starben, dafür bezahlten gegen tausend Tamilen, die nach der Beerdigung der Soldaten in Colombo vom singhalesischen Mob niedergemacht wurden. Prabhakaran liess neun Studenten, die in Jaffna mit einem Sitzstreik gegen die Eskalation protestierten, entführen - und verliebte sich prompt in eine der Frauen, eine zierliche Landwirtschaftsstudentin namens Mathivathani. Er heiratete sie später und wurde Vater von zwei Jungen und einem Mädchen.

Langfristigen Guerillataktik

Der sogenannt schwarze Juli markierte den Anfang des Bürgerkriegs. Von nun an gingen die Tamil Tigers von schnellen Hit-and-Run-Angriffen zu einer langfristigen Guerillataktik über, einem Dschungelkrieg. Sie richteten Ausbildungslager im benachbarten indischen Bundesstaat Tamil Nadu ein. Die Rekruten erhielten nach dem Treueschwur auf Prabhakaran eine Zyankali-Kapsel ausgehändigt, um sich dem Feind in aussichtslosen Situationen durch den Gifttod zu entziehen. In einem Dossier wurde Buch über ihre Leistungen im Feld geführt.

Die Schlachterfolge der Tamil Tigers weckten in Delhi die Befürchtung, der separatistische Funke könnte von Sri Lanka auf das indische Tamil Nadu überspringen. Darum bemühte sich Premierminister Rajiv Gandhi darum, den Konflikt friedlich zu beenden. Druck übte er sowohl auf die Regierung in Colombo wie auch auf die Befreiungstiger aus. Prabhakaran, nicht kompromissbereit, versuchte die Verhandlungen unter Einsatz einer neuen Waffe - Selbstmordbombern - zu boykottieren. Trotzdem kam Ende 1987 ein Friedensabkommen zwischen Indien und Sri Lanka zustande, das den Tamilen auf der Insel gleiche Rechte und eine gewisse Autonomie zusicherte, wenn die Befreiungstiger die Waffen niederlegten. Die Bedingung musste Prabhakaran, wollte er das Gesicht nicht verlieren, zähneknirschend akzeptieren. So endete «Eelam War I».

Durchblutungsstörung im Gehirn

Doch kaum trafen die indischen Friedenstruppen im Konfliktgebiet ein, legte er ihnen einen Hinterhalt nach dem anderen. Sie schlugen, weil sie die Angreifer nicht ausmachen konnten, blind zurück. Die Propaganda der Befreiungstiger nützte dies, um im tamilischen Volk den Hass auf «die brutale Besatzungsmacht» zu schüren. Demoralisiert zogen die indischen Truppen 1990 wieder ab. Das Selbstmordattentat einer Befreiungstigerin zerfetzte Rajiv Gandhi ein Jahr später - das war Prabhakarans Dank für Gandhis Friedensengagement.

Auch alle Vermittlungsbemühungen seither hat er mit Gewalt hintertrieben. Er galt als unbezähmbar und unbesiegbar. Doch beim jüngsten Waffengang - die Geschichtsschreibung ist bei «Eelam War IV» angelangt, die Zahl der Selbstmordattentate auf über 200 angestiegen - hat der alte Tiger sich verrechnet. Grössenwahn attestiert ihm ein amerikanischer Sicherheitsreport. Der Chef der Tamil Tigers sei ein kranker Mann, der unter Diabetes und Durchblutungsstörungen des Gehirns, manischer Depression und panische Angst um Leib und Leben habe.

Der Realitätssinn ist ihm im Dschungelkrieg abhanden gekommen. Er hat die internationale Terroristenjagd nach dem 11. September und die Erbarmungslosigkeit seines wichtigsten Gegners unterschätzt: Rajapakse ist als Präsident Sri Lankas angetreten mit dem Versprechen, die Tamil Tigers zu zerschlagen. Ohne Rücksicht auf Kosten und Verluste. Die Streitkräfte, von ihm auf 300'000 Mann aufgepumpt, haben die Guerilla von zwei Seiten in die Zange genommen und erst einmal ihre Versorgungs- und Fluchtrouten übers Meer gekappt.

Den Endsieg hat Rajapakse bereits ausgerufen. Eine Waffenruhe, wie sie die Tamil Tigers in der Not jetzt fordern, schliesst er aus. Die staatlichen Medien verbreiten derweil das Gerücht, dass Prabhakaran mit den verbliebenen Kampfgenossen einen Massenselbstmord plant. Es wäre ein passendes Ende. (bru/mak/TA)

Erstellt: 15.05.2009, 13:50 Uhr

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4 Kommentare

David Dean

15.05.2009, 14:40 Uhr
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Die LTTE wollen mit allen mitteln eine separate Staat gründen, auch auf kosten Ihre eigene Volk. Prabahkaran tötet jeder der im Weg steht. Die meisten Tamil haben den terroristischen Weg gewählt und nun sind sie am blüten. Aber für Prabahkaran und seine Anhänger ist es viel zu spät. Es bleibt nur noch aufzugeben und den Zivilisten freizulassen, somit können alle anderen im frieden leben. Antworten


Kannan Tharmalingam

15.05.2009, 15:02 Uhr
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Es gibt keinen Unterschied zwischen LTTE und Tamilen. LTTE kommt nicht vom Mars. Die Biografie von Mahinda Rajapakse, dem Präsidenten von Sri Lanka wäre sehr interessant. Das tamilische sowie das singhalesische Volk leidet unter seiner Regime. Sri Lanka ist der mächtigste Staat momentan auf der Erde. Antworten



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