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Gates: «Vor uns liegen harte Zeiten»

Robert Gates ist zu einem Überraschungsbesuch in der afghanischen Hauptstadt eingetroffen. Er hat keine gute Botschaft für seine Soldaten.

Mit der Boeing 747 der Washingtoner Regierung nach Kabul gereist: Robert Gates.

Mit der Boeing 747 der Washingtoner Regierung nach Kabul gereist: Robert Gates.
Bild: Reuters

In Afghanistan gibt sich derzeit hoher Besuch die Klinke gegenseitig in die Hand: Am Montag reiste US-Verteidigungsminister Robert Gates unangekündigt an, bereits am Freitag hatte der britische Premier Gordon Brown das Kriegsgebiet besucht.

Gates traf am Montagmorgen zu Beratungen in Kabul ein. Er wolle sich mit dem US-Oberkommandierenden Stanley McChrystal und Präsident Hamid Karzai über den Verlauf der jüngsten Grossoffensive in der Taliban-Hochburg Marjah informieren.

Es war das erste Mal, dass Gates nach Afghanistan reiste, seit die USA ihre Truppen aufgestockt haben. Wegen der bisherigen Erfolge der Offensive, zeigte Gates sich vorsichtig optimistisch. Er warnte aber vor Siegessicherheit: «Vor uns liegen noch harte Zeiten.»

Ein Doppelanschlag unterstrich die Lage: Bei der Explosion von zwei Bomben im Nordwesten Afghanistans wurden zwölf Menschen getötet, zehn davon Zivilisten.

Das US-Militär will noch dieses Jahr Kandahar erobern, die einstige Hauptstadt der Taliban im Süden. «Wir haben noch einiges vor uns. Und ausserdem haben wir bei der Truppenaufstockung auch erst 6000 der 30'000 zusätzlichen Soldaten in Afghanistan», sagte Gates.

Gates glaubt nicht an Appeasement-Politik

Die Strategie von US-Präsident Barack Obama sieht vor, dass nach der Truppenerhöhung 2011 die ersten Kontingente wieder abgezogen werden sollen. Bis dann sollen die Taliban zurückgedrängt und die afghanische Armee für Sicherheit sorgen.

Zudem sind Gespräche mit Taliban-Aussteigern vorgesehen, die mit der afghanischen Regierung zusammenarbeiten wollen. Gates dämpfte hier aber die Erwartungen. Er glaube nicht, dass ranghohe Taliban ihre Waffen niederlegten.

Auch Ahmadinejad kommt

Gates Aufenthalt könnte sich mit einem Staatsbesuch des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad überlappen, der diese Woche in Kabul erwartet wird. Der US-Minister warnte Ahmadinejad, die US-Anstrengungen für eine Stabilisierung Afghanistans zu unterwandern. «Die Iraner wollen nicht, dass wir Erfolg haben», sagte Gates.

Bislang aber halte der Iran seine Unterstützung für die Aufständischen in Grenzen. «Sie wissen, dass unsere Reaktion - sollten sie bei der Sache zu aggressiv werden - eine wäre, über die sie gar nicht nachdenken wollen.»

Ein Pentagon-Sprecher stellte kurz darauf klar, dass Gates nicht einen Angriff auf den Iran gemeint habe, sondern eine Antwort auf afghanischem Boden.

Iran über US-Kampf gegen Taliban nicht unglücklich

Der Iran unterstützt traditionsgemäss die schiitische Minderheit der Hazaras in Afghanistan. Nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001 hatten die Iraner jedoch auch die von Tadschiken dominierte Nordallianz im Kampf gegen die Taliban (zumeist sunnitische Paschtunen) unterstützt, um diese zu vertreiben.

Dies, obwohl tadschikische Kämpfer unter Führung des zwei Tage vor den Anschlägen in den USA ermordeten Ahmed Schah Massud 1993 im afghanischen Bürgerkrieg gezielt Hazaras getötet hatten. Allerdings hatten die Taliban 1997 bei der Rückeroberung der Stadt Masar-i- Scharif ein Massaker an Hazaras verübt - als Rache für Massenexekutionen von Taliban durch Hazaras ein Jahr zuvor.

Ein Monat nach 9/11 waren die USA und Verbündete - darunter die Nordallianz - gegen die Taliban in den Krieg gezogen und hatten diese gestürzt. Während dieser Zeit hatte der Iran Überflüge von US-Flügen stillschweigend geduldet. (cpm/ddp)

Erstellt: 08.03.2010, 14:42 Uhr

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