Ausland

Getötete Frau soll Opfer einer Intrige sein

Aktualisiert am 10.07.2012

Die Jagd auf die Verantwortlichen einer Hinrichtung in Afghanistan ist eröffnet. Offenbar wurde die Frau nicht wegen «Ehebruchs» getötet, sondern um einen Streit zwischen Taliban-Kommandeuren beizulegen.

1/4 Laut offiziellen Angaben war die Frau 22 Jahre alt und soll Najiba geheissen haben. (8. Juli 2012)
Bild: Reuters

   

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Die Bilder verbreiteten sich gestern wie ein Lauffeuer und lösten einen internationalen Sturm der Entrüstung aus: Ein Mann richtet seine Waffe auf eine junge Frau, ruft «Gott ist gross» und drückt mehrmals ab. Während die Frau auf den Boden kippt, tobt die Menge und schreit «Lang lebe der Islam» und «Lang leben die Mujahedin». Die Hinrichtung, weckte in ihrer Schrecklichkeit böse Erinnerungen an vergangen geglaubte Zeiten: Unter der Regentschaft der Taliban, die von 1996 bis 2001 dauerte, wurden in Afghanistan Todesurteile noch regelmässig im Radio angekündigt und anschliessend auf öffentlichen Plätzen vollstreckt (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete).

Die Exekution hat sich inzwischen zur internationalen Angelegenheit ausgeweitet, in der auch der Westen sich seiner Stimme nicht entziehen mag: Die Nato hat angekündigt, die afghanischen Behörden bei der Fahndung nach den Verantwortlichen zu unterstützen. Oberbefehlshaber der Nato-Truppe Isaf, US-General John Allen, sprach gestern von einer «Gewalttat von entsetzlicher Grausamkeit» und bot den einheimischen Sicherheitskräften Hilfe an. Ein Sprecher von US-Präsident Barack Obama verurteilte den «kaltblütigen Mord», der die «Brutalität der Taliban» zeige.

Karzai bezeichnet Täter als «Feiglinge»

Mit deutlichen Worten reagiert auch der afghanische Präsident Hamid Karzai, der die Täter als «Feiglinge» bezeichnet. Er verurteilte die Tat als «abscheulich und unverzeihlich» und wies die Sicherheitskräfte an, keine Mühe zu scheuen, um die Täter gefangen zu nehmen und zur Rechenschaft zu ziehen. Basir Salangi, der Gouverneur der Region Parwan, in der die Tötung stattfand, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die örtlichen Behörden hätten bereits Polizisten in die Gegend geschickt. Sie suchten dort nach den verantwortlichen Talibankämpfern, die jedoch in die Berge geflohen seien.

Inzwischen konkretisieren sich die Spekulationen über das Tötungsmotiv. Offiziell wurde das Opfer, das gemäss den örtlichen Behörden Najiba heissen soll, wegen «Ehebruchs» verurteilt. Nach dem Recht der Scharia ist der Ehemann dazu angehalten, das Todesurteil der Frau selbst zu vollstrecken. Offenbar soll es aber kein simpler Ehebruch gewesen sein, der zum Todesurteil führte, sondern eine Art Dreiecksbeziehung, in der Intrigen, Verrat und Eifersucht eine grosse Rolle gespielt haben.

Inszenierter Prozess im Schnellverfahren

CNN zitiert ebenfalls den lokalen Gouverneur Abdul Basir Salangi, der von zwei Taliban-Kommandanten berichtet, die sich um die Liebesgunst der Frau gestritten haben sollen. Um ihren Disput beizulegen, sollte die Frau des Ehebruchs bezichtigt und exekutiert werden: «Sie inszenierten einen öffentlichen Prozess und wenig später war die Frau hingerichtet», sagt Basir Salangi.

Doch auch die Kommandeure sind offenbar nicht lebend davon gekommen: Kurz nach dem Todesurteil seien auch die beiden Männer ermordet worden – ebenfalls durch einen Taliban höheren Ranges, berichtet Salangi. Präsident Karzai ist derweil bemüht, alle Personen zur Rechenschaft zu ziehen, die in den Fall involviert sind: Wir haben Leute in die Region geschickt, um die Wahrheit rund um den brutalen Akt herauszufinden, sagt der Präsident.

(mrs)

Erstellt: 10.07.2012, 11:15 Uhr

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