Vietnam-Kriegsverbrecher: «Ich fühle Reue»

William Calley ordnete 1968 das Massaker von My Lai an, von dem Bilder um die Welt gingen. Jetzt hat der amerikanische Militär öffentlich über seine Schuldgefühle gesprochen.

«Es tut mir sehr leid»: Calley 1971 auf dem Weg zum Militärgericht und heute bei seiner Rede in Georgia.

«Es tut mir sehr leid»: Calley 1971 auf dem Weg zum Militärgericht und heute bei seiner Rede in Georgia. Bild: Keystone

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William Calley hat sich nach mehr als 40 Jahren öffentlich für das Verbrechen entschuldigt. «Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht Bedauern über das empfinde, was damals in My Lai geschah», sagte Calley am Mittwoch vor Mitgliedern des Kiwanis Club von Columbus im US-Bundesstaat Georgia.

«Ich fühle Reue wegen der Vietnamesen, die getötet wurden, wegen ihrer Familien und der US-Soldaten, die beteiligt waren, und ihrer Angehörigen - es tut mir sehr leid.» Bekannt wurde seine Entschuldigung erst am Samstag.

Das Massaker ereignete sich am 16. März 1968 in der kleinen südvietnamesischen Ortschaft My Lai. Nach US-Schätzungen wurden zwischen 347 und 504 unbewaffnete Dorfbewohner getötet.

Ans Licht kam die Greueltat erst rund anderthalb Jahre später, als der Journalist Seymour Hersh nach langen Gesprächen mit Calley über das Verbrechen schrieb. Das Massaker von My Lai löste weltweit Empörung und Entsetzen aus. Nach Bekanntwerden des Massakers liess die Unterstützung in den USA für den Vietnamkrieg deutlich nach.

Wahllos Zivilisten erschossen

Das Massaker nahm seinen Anfang, als auf Calleys Kommando hin seine Männer in My Lai und anderen Ortschaften das Feuer auf Zivilisten eröffneten. Die Opfer waren vor allem alte Männer, Frauen und Kinder.

Nach Zeugenaussagen beim Prozess gegen Calley trieben die US- Soldaten dutzende Menschen in einen Graben, wo sie sie mit Schnellfeuerwaffen erschossen. Eine Gruppe von 70 bis 80 Zivilisten wurde demnach im Zentrum My Lais von Calley selbst und einigen seiner Soldaten getötet.

Zu lebenslanger Haft verurteilt und begnadigt

Zudem erschoss Calley die Menschen zweier weiterer grosser Gruppen von Dorfbewohnern - mit einer Waffe, die einem Soldaten gehörte, der Calleys Befehle verweigert hatte.

Calley wurde für seine Verbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt, jedoch nach drei Jahren Hausarrest auf Intervention des damaligen US-Präsidenten Richard Nixon wieder freigelassen.

«Entschuldigung kommt zu spät»

Ein Überlebender des Massakers von My Lai sagte am Samstag, er begrüsse Calleys öffentliche Entschuldigung, kritisierte aber, sie komme zu spät: «Es ist eine Angelegenheit aus der Vergangenheit, und wir akzeptieren seine Entschuldigungen - doch sie kommen zu spät», sagte Pham Thanh Cong der Nachrichtenagentur AFP.

«Mir wäre es schon lieber, wenn er seine Entschuldigung als Brief oder E-Mail an mich schickte.» Er wolle, dass Calley nach Vietnam zurückkehre und sich die Lage vor Ort anschaue. Vielleicht bereue er «seine Verbrechen und Fehler» von vor über 40 Jahren inzwischen ja tatsächlich. Cong verlor bei dem Massaker seine Mutter und seine Brüder. (bru/sda)

(Erstellt: 23.08.2009, 07:42 Uhr)

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