Iran: Geheimdienste vermuten bis zu 30 Atomanlagen
Wie die iranische Nachrichtenagentur am Sonntag meldete, statteten vier IAEA-Mitarbeiter der Anlage nahe dem Dorf Fordo bei Ghom einen Besuch ab. Eine Quelle nannte die Agentur nicht. Die amtlichen iranischen Medien berichteten lediglich, dass die Inspektoren das unterirdische Werk besuchen wollten. Der Aufenthalt wird voraussichtlich mehrere Tage dauern. Einzelheiten nannte der Sprecher der nationalen Atombehörde nicht, und auch die Experten äusserten sich vor dem Abflug aus Wien nicht zu ihrem Einsatz.
Ziel der IAEA-Abordnung ist die im Bau befindliche zweite Anlage zur Urananreicherung des Iran. Die Einrichtung befindet sich in einem Berg in der Nähe der den Schiiten heiligen Stadt Ghom. Sie liegt 160 Kilometer südlich der Hauptstadt Teheran.
Vertrauen bilden
Der Iran hatte die Existenz dieser Anlage erst im September eingeräumt und damit neue Zweifel an seinem Atomprogramm geweckt. Beobachter sehen in der IAEA-Visite einen wichtigen Schritt zum Aufbau von Vertrauen zwischen dem Iran und der Weltgemeinschaft.
Der Westen wirft dem Land vor, unter dem Deckmantel der Stromerzeugung aus Kernenergie an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Die Führung in Teheran bestreitet das und erklärt, sein Programm diene ausschliesslich der zivilen Nutzung der Kernenergie.
Gemäss Recherchen des Iran-Kenners Bruno Schirra vermuten westliche Geheimdienste bis zu 30 weitere geheime Atomanlagen. Der Iran könnte innert eines Jahres eine Atombombe bauen, wenn die Führung dies beschliessen würde, schreibt Schirra in der «SonntagsZeitung».
Westliche Geheimdienste seien seit Jahren davon ausgegangen, dass der Iran ein militärisches Nuklearprogramm betreibe. Jetzt würden interne Dokumente, Analysen und Aktenvermerke des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) beweisen, dass der Iran mindestens 30 versteckte militärische Nukleareinrichtungen betreibe.
Antwort im Laufe der Woche
Zur Entschärfung des Atomstreits hatte die IAEA dem Iran, den USA, Russland und Frankreich vorgeschlagen, den grössten Teil des Vorrats an schwach angereichertem iranischen Uran im Ausland zu Brennstoffen für medizinische Zwecke zu verarbeiten.
Eine bis Freitag gesetzte Frist liess der Iran verstreichen und kündigte eine Antwort für Mitte dieser Woche an. In der kommenden Woche sollen in Genf weitere Gespräche zu dem Thema mit den fünf ständigen Uno-Sicherheitsratsmitgliedern plus Deutschland stattfinden. Einflussreiche iranische Politiker haben den IAEA-Vorschlag kritisiert. Sie bemängeln unter anderem, dass er auf ein Aussetzen der Uran-Anreicherung hinausläuft, was die Führung in Teheran wiederholt abgelehnt hat.
US-Präsident Barack Obama dankte Russland und Frankreich derweil für die Zusammenarbeit beim Zustandekommen des jüngsten IAEA- Vorschlags. In Telefonaten mit seinen Kollegen Dmitri Medwedew und Nicolas Sarkozy sei die volle Unterstützung für die Initiative bekräftigt worden, erklärte das US-Präsidialamt am Samstag. An den Bemühungen um eine Beilegung des Atomstreit ist neben den fünf ständigen Mitgliedern des Uno-Sicherheitsrats USA, Russland, China, Frankreich und Grossbritannien auch Deutschland beteiligt. (vin/bru/sda)
Erstellt: 25.10.2009, 18:42 Uhr
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