Japan fährt zweiten Atomreaktor wieder hoch

Trotz der Atomkatastrophe in Fukushima und Protesten der Bevölkerung kehrt Japan unter der konservativen Regierung von Shinzo Abe schrittweise zur Atomenergie zurück.

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Nach zwei Jahren Stillstand wird ein weiterer Reaktor in Japan in Betrieb genommen - gegen Proteste in der Bevölkerung. Der Betreiberkonzern Kyushu Electric Power schaltete am Donnerstag den Block 2 des Atomkraftwerks Sendai wieder ein. Im August war bereits der erste der beiden Blöcke im Südwesten hochgefahren worden. Als Konsequenz aus der Katastrophe in Fukushima vom 11. März 2011 hatten rund zwei Jahre lang alle 48 Reaktoren in Japan still gestanden.

Das Atomkraftwerk Sendai war das erste, das im September 2014 die nach der Fukushima-Katastrophe eingeführten neuen Sicherheitsauflagen erfüllt hatte. Die Regierung nennt die Auflagen die «strengsten der Welt». Eine Mehrheit der Japaner lehnt eine Rückkehr der Nummer Drei der Weltwirtschaft zur Atomkraft ab.

«Inakzeptables und unnötiges Risiko»

Das Wiederanfahren des zweiten Reaktors in Sendai setze die Bevölkerung einem «inakzeptablen und unnötigen Risiko aus», kritisierte Mamoru Sekiguchi von der Umweltschutzgruppe Greenpeace in Japan.

Um den Neustart zu genehmigen, habe die Atomaufsichtsbehörde NRA die Öffentlichkeit «betrogen, indem sie signifikante ausstehende Sicherheitsfragen ignorierte», sagte Sekiguchi. Die Atomaufsicht habe «dem Druck seitens der Industrie und der Regierung nachgegeben».

Die Regierung von Abe strebt an, dass der Anteil der Atomenergie an der Stromversorgung bis zum Jahr 2030 bei 20 bis 22 Prozent liegt. Vor der Katastrophe in Fukushima hatte er bei knapp 30 Prozent gelegen.

Atomkraftwerk nahe eines Vulkans

Bürger kämpfen vor Gericht in einem Berufungsverfahren weiter gegen den Neustart der Reaktoren. Das AKW Sendai liegt nur 50 Kilometer vom Vulkan Sakurajima entfernt, einem der aktivsten Vulkane des fernöstlichen Landes.

Japan ist zudem eines der am stärksten von Erdbeben gefährdeten Länder der Welt. Im März 2011 hatten ein Erdbeben der Stärke 9,0 und ein gewaltiger Tsunami den Nordosten des Landes verwüstet. 18'500 Menschen starben. Im AKW Fukushima kam es zu Kernschmelzen. Tote als direkte Folge des Gaus gab es indes nicht. (slw/sda)

Erstellt: 15.10.2015, 13:09 Uhr

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