Kim richtete auch «Nordkoreas Schweizer» hin

22 Jahre lang diente Ri Su-yong in Bern als Botschafter Pyongyangs. Jetzt wurde er in Nordkorea mit Kims Onkel hingerichtet. In der Schweiz trat er unter anderem Namen auf.

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Der nordkoreanische Jungdiktator Kim Jong-un pubertiert mit unerbittlicher Brutalität. Er hat seinen Onkel und Mentor Jang Song-taek, bisher die Nummer zwei im Land, als «Verräter für alle Zeiten» hinrichten lassen, wie die Parteizeitung «Rodong Sinmun» am Freitag meldete. Das Blatt beschimpfte Jang als «Abschaum, schlimmer als ein Hund». Er habe Kim mit seinem «dreimal verfluchten Verrat des Vertrauens und der väterlichen Liebe stürzen wollen». Solange Kim Jong-il lebte, «hat er es nicht gewagt, seinen Kopf zu heben», aber jetzt habe er sein wahres Gesicht gezeigt. Jang ist in den letzten Tagen aus den alten Dokumenten, Fotos und Filmen wegretuschiert worden.

Ebenfalls hingerichtet wurde Ri Su-yong, ein anderer früherer Mentor Kims, wie die meist gut informierte japanische Tageszeitung «Mainichi» berichtete. Ri war 22 Jahre Nordkoreas Botschafter in der Schweiz; hier verwendete er den Namen Ri Chol. Er war Kims Vormund, als dieser inkognito in Bern die Schule besuchte. Daneben verwaltete er das auf Bankkonten im Ausland versteckte Vermögen des Familienclans, schätzungsweise vier Milliarden US-Dollar, wie «Mainichi» schreibt. Seit seiner Rückkehr nach Pyongyang vor drei Jahren arbeitete der 73-jährige Ri eng mit Jang zusammen. Die beiden versuchten, ausländische, vor allem chinesische Investitionen nach Nordkorea zu holen, um der nordkoreanischen Wirtschaft zu helfen.

Kein Richtungsstreit

Man dürfe diese Säuberungen nicht als Richtungsstreit zwischen Reformern und Hardlinern oder zwischen Kriegstreibern und Anhängern eines Ausgleichs mit Südkorea missverstehen, sagt der Nordkorea-Experte Brian Myers, Professor im südkoreanischen Busan. Im nordkoreanischen Regime gibt es jeweils nur eine Richtung.

Viel eher konsolidiert Jungdiktator Kim seine Macht, er tut das mit einem Regime des Schreckens. Seit vorgestern nennt die Propaganda ihn den «Geliebten Führer». Das war der Titel seines Vaters; damit stellt er sich auf eine Ebene mit Kim Jong-il. Dieser hatte es selber nie gewagt, sich den Titel «Grosser Führer» seines Vaters, des Staatsgründers Kim Il-sung, anzueignen.

Gerüchte über Säuberungen

Ob Jang, Ri und zwei früher hingerichtete Helfer Jangs gegen Kim konspirierten, weil sie nicht mehr länger mitansehen wollten, wie der 30-Jährige sich gegen innen und in der Aussenpolitik verrannte, oder ob die Vorwürfe erfunden sind, ist derzeit nicht klar Es gibt Gerüchte, wonach 10'000 bis 30'000 Menschen «weggesäubert» würden.

Jang weine die nordkoreanische Bevölkerung keine Träne nach, vermutet Myers. Der Hingerichtete galt als korrupter Milliardär. Wenn Kim nur einige Spitzenfunktionäre umbringen lasse, könnte er damit vorübergehend sogar etwas Popularität gewinnen, so Myers. Wenn viele Leute weggesäubert würden, riskiere Kim damit die Stabilität im Land.

Der US-Basketball-Star kommt

Nicht bedacht habe der junge Schreckensherrscher überdies, dass er den Mythos der Unfehlbarkeit seiner Familie beschädige, wenn er als Enkel den Schwiegersohn von Kim Il-sung hinrichten lasse.

Pyongyang demonstriert derweil Normalität. Mit Seoul vereinbarte der Norden heute Freitag für nächste Woche Gespräche über den weiteren Ausbau des gemeinsamen Industrieparks Kaesong. Nächste Woche erwartet Kim Ex-Basketball-Star Dennis Rodman wieder in Pyongyang – für eine Reihe von Show-Matches. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 13.12.2013, 15:58 Uhr)

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