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Korporal Sarah Bryant starb im «fahrenden Sarg»

Aktualisiert am 02.03.2010

Sie war die erste britische Soldatin, die in Afghanistan ums Leben kam. Nun fördert eine Untersuchung Erschreckendes zu Tage. Und wühlt erneut das Land auf.

1/4 Erste britische Armeeangehörige, die in Afghanistan gefallen ist: Sarah Bryant.
Ministery of Defense (MoD)

   

Es war Mitte Juni 2008, als die damals 26-jährige Sarah Bryant mit drei weiteren Soldaten ihres Regiments in Afghanistan auf Patrouille war. Ihr Auftrag: Sie sollten Häftlinge aufspüren, die zuvor aus einem Gefängnis ausgebrochen waren. Unterwegs waren sie in einem Land Rover der britischen Armee, ausgerüstet mit einem Bombendetektor.

Genützt hat er nichts. Die vier im Alter zwischen 26 und 39 Jahren fuhren in eine Sprengfalle. Drei waren sofort tot, darunter Sarah Bryant. Der andere erlag später seinen Verletzungen. Mit Korporal Bryant hatten die Briten ihre erste weibliche Kämpferin in Afghanistan verloren.

«Meine Frau starb als Heldin»

Die Rückkehr ihres Sarges und die darauffolgende Trauerfeier wühlte das Inselvolk zutiefst auf. Die Worte ihres Mannes Carl Bryant, ebenfalls Soldat in der britischen Armee, und ihrer Eltern gingen durch die Presse. «Meine Frau starb als Heldin. Ich werde sie für immer von ganzem Herzen lieben», so Carl Bryant. Die beiden hatten vor zwei Jahren geheiratet.

Nun, knapp zwei Jahre später, wird die britische Öffentlichkeit erneut mit dem Tod Bryants konfrontiert. Wie jeder Zwischenfall, wurde auch über die tödliche Attacke vom Juni 2008 eine Untersuchung eröffnet. Erste Resultate und Aussagen aus Anhörungen zeigen nichts Gutes.

Mangel gemeldet, keine Reaktion

Offenbar waren Sarah Bryant und ihre Kollegen mit absolut ungenügendem Material ausgerüstet. Ihr Land Rover sei nicht für solche Einsätze vorgesehen gewesen, heisst es nun in britischen Medienberichten. Nicht nur war er zu wenig gepanzert, laut Aussagen von Insidern fehlte auch das komplette Equipment zum Aufspüren von Sprengkörpern. Statt vier solcher Detektoren war nur einer montiert.

Nicht umsonst hatte das Fahrzeug truppenintern den Übernamen «fahrender Sarg» erhalten. Laut den nun veröffentlichten ersten Untersuchungsergebnissen hatten sich die Soldaten und auch teilweise die Vorgesetzten über den Mangel beschwert. Von ganz oben sei aber jeweils die Devise herausgegeben worden, «das ist was ihr habt, macht das Beste daraus».

Hat die Unterversorgung System?

Das war vor knapp zwei Jahren. Inzwischen haben sich Vorfälle gehäuft, die auf ungenügende Ausrüstung zurückzuführen sind. Die Debatte vom letzten Herbst, als dem Verteidigungsministerium vorgeworfen wurde, die Transporthelikopter seien falsch ausgerüstet und deshalb nicht einsatzfähig, führte zu heftigen Reaktionen in der Öffentlichkeit.

London hat unmittelbar auf die Untersuchungsergebnisse reagiert. In einer Mitteilung vom Montagabend stellte das Verteidigungsministerium klar, dass man seit 2006 1,3 Milliarden Pfund in die Aufrüstung des Fuhrparks gesteckt habe. Zudem würde das Fahrzeug, das bei dem tödlichen Einsatz verwendet wurde, bei heiklen Fahrten nicht mehr benützt.

Bereits 267. Opfer

Die Kritik am Verteidigungsministerium reisst dennoch nicht ab. In Foren, welche zu den jüngsten Ereignissen geschaltet wurden, melden sich viele Militärangehörige. Fast einhelliger Tenor: Die Militärführung rüstet uns ungenügend aus und versucht das immer wieder zu vertuschen.

Zwar zeigt sich London sichtlich bemüht, seine Leute am Hindukusch nach Kräften zu schützen. Trotzdem kommt es wöchentlich zu tödlichen Attacken. Gestern fiel der 267. britische Soldat in Afghanistan. (cpm)

Erstellt: 02.03.2010, 10:27 Uhr

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