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Makabere Protestaktion: Zwei Teelöffel Blut für Neuwahlen

Die Opposition in Thailand erhöht den Druck auf die Regierung. Und greift zu einer ungewöhnlichen Protestaktion: Vor dem Regierungssitz sollen morgen 1000 Liter Blut ausgeleert werden.

1/12 Ein blutiges Opfer: Die Demonstranten machen ihren Forderungen nach Neuwahlen mit ungewöhnlichen Massnahmen Druck.
Bild: Keystone

   

Eine Million Kubikzentimeter Blut will die Opposition in Thailand vor dem Regierungssitz vergiessen und so eine Neuwahl erzwingen. Zwischen 10'000 und 100'000 Spendern werden benötigt, die zwischen zwei und zwanzig Teelöffeln Blut für die ungewöhnliche Protestaktion spenden, damit morgen die angepeilten 1000 Liter zusammenkommen. Zuvor hatte Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva ein weiteres Ultimatum der Demonstranten zur Auflösung des Parlaments verstreichen lassen.

«Dieses Blut wird vom Körper und der demokratischen Seele der Rothemden genommen», erklärte Protestführer Nutthawut Saikua zu dem geplanten Blutvergiessen. Zugleich kündigte er an, mit der Rekrutierung von medizinischem Personal für die Aktion zu beginnen.

Besorgt zeigte sich das Rote Kreuz über die Aktion. Ein Sprecher verwies auf die hygienischen Probleme. Zudem könne man mit dieser Menge Blut zahlreiche Menschenleben retten, statt sie nutzlos zu vergiessen, sagte ein Sprecher.

Rund 100'000 Menschen waren am Montag vor die Kaserne des 11. Infanterieregiments in Bangkok gezogen, wo sich Ministerpräsident Abhisit in den vergangenen Tagen aufhielt. Sie forderten den Regierungschef erneut ultimativ auf, das Parlament aufzulösen und eine Neuwahl anzusetzen. Erstmals gab es bei den Protesten Verletzte. Es handelt sich nach Angaben eines Militärsprechers um zwei Soldaten, die bei der Explosion von vier Granaten in einem von Demonstranten umstellten Stützpunkt verletzt wurden.

Erstes Ultimatum zurückgewiesen

Ministerpräsident Abhisit hatte ein erstes bis Montagmittag befristetes Ultimatum zurückgewiesen. Die Forderung nach Auflösung des Parlaments als Gegenleistung für eine Beendigung der Demonstrationen sei nicht machbar, erklärte er im Fernsehen. Die Regierung sei aber bereit, die Vorstellungen der Opposition anzuhören, sagte er weiter. Wie alle Thailänder wolle auch die Regierung, dass das Land vorankomme. Später setzten die Demonstranten dann ihr neues Ultimatum und drohten mit dem Vergiessen des Blutes.

Bei den Demonstranten handelt es sich überwiegend um Anhänger des 2006 mit einem Militärputsch gestürzten Regierungschefs Thaksin Shinawatra. Sie werfen dem amtierenden Ministerpräsidenten Abhisit vor, illegal an die Macht gekommen zu sein. Den Marsch auf die Kaserne hatten die sogenannten Rothemden bereits am Wochenende angekündigt. Sie drohten auch damit, die Zentren der Regierung lahmzulegen, wenn ihre Forderung nach Neuwahlen nicht erfüllt werde.

Thailand kommt nicht mehr zur Ruhe

Die Kaserne des 11. Infanterieregiments war mit Stacheldraht gesichert worden. In der Hauptstadt waren ausserdem 50'000 Soldaten und Polizisten im Einsatz. Der Regierungschef soll sich inzwischen nicht mehr in der Kaserne aufhalten. Er sei am Montagmorgen mit einem Hubschrauber ausgeflogen worden, berichtete der Fernsehsender INN.

Thailand ist seit Anfang 2006 politisch nicht mehr zur Ruhe gekommen, als Demonstranten Thaksin Korruption und Machtmissbrauch vorwarfen. Im gleichen Jahr wurde er gestürzt. 2008 kamen dann seine politischen Verbündeten wieder für ein Jahr an die Macht. (bru/ddp/Thanyarat Doksone)

Erstellt: 15.03.2010, 22:45 Uhr

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4 Kommentare

Erich Rothenbühler

18.03.2010, 07:44 Uhr
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Ich war in den letzten 14 Jahren über 20 Mal in Thailand. Die meisten Vorgänger von Thaksin Shinawatra waren genauso korrupt. Würden die an den Hebeln der Macht sitzenden Politiker etwas mehr an die Landbevölkerung denken, gäbe es keinerlei Proteste. Der Flughafen wurde übrigens von Anhängern der Finanz-Elite besetzt. Verurteilt wurde bisher niemand. Das sagt eigentlich schon alles aus. Antworten


Michael Meienhofer

17.03.2010, 13:27 Uhr
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Thailand ist Reif für eine friedliche Revolution. Da aber ausser den gschundenen Bürgern niemand die Verantwortung übernehmen will, wird es weiter gären, bis es eines Tages zum offenen Kampf kommt. Dann wird es heissen, kommunistische Rebellen haben.. siehe auch in der Insel-Region Indonesien... Antworten


Helmut Landolt

16.03.2010, 11:59 Uhr
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Die Leute gehen auf die Strasse weil sie bezahlt werden dafuer. Einer der Gruende, warum die "Roten" nur ca. 100'000 Leute nach Bangkok brachten, weil ihnen das Geld ausgeht. (Geplant waren ueber 1 Mio Leute). Als die "Demonstranten" dann gemerkt haben, dass vielen von ihnen anstatt THB 2,000 nur 1,500 (ca. 45 CHF) bezahlt werden, kehrten sie der Demo den Ruecken. Lebe seit 6 1/2 J. hier. Antworten


Jürg Zingg

16.03.2010, 01:47 Uhr
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Gelder für die Provinzen des Landes wurden von der Regierung rigoros zusammengestrichen. Vom verbliebenen Geld bleibt viel in den Provinzhauptstädten und in der Korruption hängen. Auf dem Lande kommt fast nichts mehr an. Schulen, Spitäler, Strassen usw. leiden darunter. Die Arbeitslosigkeit auf dem Land ist beträchtlich. Auch darum gehen die Leute auf die Strasse. Antworten



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