Merkel entgeht in Afghanistan «gezieltem Angriff»

Aktualisiert am 06.04.2009

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ist am Montag überraschend in Afghanistan eingetroffen. Kurz nach der Visite der Kanzlerin haben Islamisten zwei Raketen auf das deutsche Lager in Kundus abgefeuert.

«Es gibt Hoffnung»: Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch im Feldlager Kundus.

«Es gibt Hoffnung»: Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch im Feldlager Kundus.
Bild: Keystone

In Begleitung von Verteidigungsminister Franz Josef Jung landete sie im Feldlager Kundus im Norden des Landes. «Es gibt Hoffnung», sagte Merkel nach dem Besuch des Lagers. Die Sicherheitslage müsse aber verbessert werden. Dabei komme dem Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte grosse Bedeutung zu.

Unmittelbar nach dem Besuch wurde das Wiederaufbauteam der Bundeswehr in Kundus mit zwei Raketen beschossen. Wie das Einsatzführungskommando in Potsdam mitteilte, schlugen die Geschosse ausserhalb des deutschen Geländes ein. Niemand sei verletzt worden. Die Taliban bekannten sich zu der Attacke. Gegenüber «Spiegel online» bezeichnete der notorische Sprecher die Raketenabschüsse als «gezielte Attacke auf Angela Merkel».

Kein Treffen mit Karsai

Merkel besucht Afghanistan nach 2007 zum zweiten Mal. Merkel und Jung sollten zwei Tage lang bleiben. Nach Kundus wollten sie in das Hauptquartier der Bundeswehr in Masar-i-Scharif fliegen.

Anders als 2007 wird Merkel nicht den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai in Kabul treffen. Karsai ist umstritten, weil seine Regierung korrupt ist.

Falls Karsai die Präsidentenwahl im Sommer gewinnen sollte, werde die deutsche Regierung dies auf alle Fälle akzeptieren und mit ihm weiter weiter zusammenarbeiten, hiess es aus der Delegation.

Neue Afghanistan-Strategie

Erst am Samstag hatte die Nato bei ihrem Gipfel in Deutschland und Frankreich ihre Strategie für Afghanistan neu ausgerichtet. Wie die US-Regierung von Präsident Barack Obama bekennt sich auch das westliche Militärbündnis nun stärker als bisher zum Wiederaufbau.

Deutschland stellt mit rund 3800 Soldaten das drittgrösste Kontingent der von der Nato kommandierten internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF). In den kommenden Monaten soll die Zahl auf 4400 erhöht werden. Die Deutschen sind im eher ruhigen Norden stationiert. Bislang kamen acht deutsche Soldaten in Afghanistan ums Leben. (mbr/sda)

Erstellt: 06.04.2009, 14:29 Uhr

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