Mit Geld statt Waffen gegen Taliban

Von Peter Nonnenmacher, London. Aktualisiert am 29.01.2010 2 Kommentare

Auf der Afghanistan-Konferenz in London hat die internationale Gemeinschaft den kriegsmüden Mitläufern der Taliban die Hand zur Versöhnung gereicht.

Gemeinsam etwas erreichen: Die internationale Gemeinschaft hat sich auf einen neuen Plan geeinigt, der von einer alten Idee stammt.

Gemeinsam etwas erreichen: Die internationale Gemeinschaft hat sich auf einen neuen Plan geeinigt, der von einer alten Idee stammt.
Bild: Keystone

Afghanistans Alliierte haben dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai umfassende Hilfe beim Versuch zugesagt, Taliban-Kämpfer künftig durch finanzielle Anreize aus dem Rebellenlager «herauszubrechen» und für die Regierungsseite zu gewinnen. Ein Fonds soll zu diesem Zweck eingerichtet werden, in den die Alliierten als Startkapital 140 Millionen Dollar einzahlen wollen.

Dennoch glaubt Karzai, in den nächsten 10 bis 15 Jahren nicht auf militärische Unterstützung aus dem Ausland verzichten zu können. Das machte er am Donnerstag auf der eintägigen Londoner Afghanistan-Konferenz deutlich, zu der die britische Regierung und die Uno eingeladen hatten und an der insgesamt 70 Staaten teilnahmen.

Zum weiteren Verbleib alliierter Streitkräfte in Afghanistan erklärte Karzai in London, dass «im Blick auf Training und Ausrüstung der afghanischen Sicherheitskräfte 5 bis 10 Jahre reichen» würden. «Bis Afghanistan aber finanziell in der Lage sein wird, seine Streitkräfte selbst zu unterhalten, muss die Zeitspanne für die nötige Unterstützung wohl auf 10 bis 15 Jahre ausgedehnt werden», sagte Karzai weiter. Der britische Premier und Konferenzgastgeber Gordon Brown betonte wiederum, dass sich bis Mitte 2011 in militärischer Hinsicht bereits «das Blatt gewendet haben» müsse im Kampf gegen die Taliban. Wie die USA wollen auch die Briten zu diesem Zeitpunkt die ersten Truppen aus Afghanistan abziehen.

Karzai kündigt Jirga an

Noch dieses Jahr, kündigte Brown an, würden immerhin die ersten der 34 afghanischen Provinzen Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen. Der Prozess, fügte Aussenminister David Miliband an, soll in fünf Jahren abgeschlossen sein. Die Konferenz sprach ausserdem die Erwartung aus, dass Afghanistan bis zum Jahresende über rund 300'000 eigene Soldaten und Polizisten verfügen werde. Das wurde allerdings von Beobachtern in London als äusserst optimistisch angesehen.

Im Zentrum des Interesses stand derweil die Diskussion um eine neue Strategie gezielter Aufspaltung der Taliban, durch grosszügige «Wiedereingliederungsmassnahmen». Mit Zahlungen aus einem «Fonds für Frieden und Versöhnung» sollen Taliban-Aktivisten dazu bewegt werden, die Waffen niederzulegen und aus den Rebellenverbänden auszuscheiden. Den Betreffenden sollen Arbeitsplätze, Schulbildung oder Land zum Bebauen angeboten werden.

Alte Idee fand Gehör

Entsprechende Pläne waren bereits vor zwei Jahren erörtert, jedoch nie im grossen Stil durchgesetzt worden. In London fand die Idee aber Gehör. Premier Brown erklärte: «Unsere erste Aufgabe ist es, die afghanischen Streitkräfte zu stärken; die zweite, die Taliban zu spalten.» Der US-Gesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, fügte hinzu: «Man kann diesen Krieg nicht dadurch gewinnen, dass man jeden einzelnen Afghanen tötet, der für die Taliban kämpft.»

Auch mit den Befehlshabern der Taliban will Karzai indes ins Gespräch kommen. In London kündigte er die Einberufung einer «grossen Jirga», einer traditionellen Stammesversammlung, fürs Frühjahr an. Dies wäre die erste Versammlung dieser Art seit acht Jahren. Wer genau dazu eingeladen werden soll, blieb gestern noch offen.

Appell an Saudiarabien

Karzai forderte insbesondere den saudischen König Abdullah auf, «doch bitte eine lenkende Friedensrolle zu spielen». Es ist bekannt, dass Taliban-Repräsentanten enge Kontakte zu Saudiarabien unterhalten. Der pakistanische Aussenminister Shah Mahmood Qureshi bot seine Mittlerdienste an. Pakistan finde sich ja «in einer besonders guten Lage», Gespräche zwischen den westlichen Alliierten und den Taliban anzuberaumen.

Richard Holbrooke reagierte auf die Gesprächspläne zurückhaltend. Was in Sachen Versöhnung in Afghanistan zu tun sei, wolle er gern «Präsident Karzai überlassen», doch gebe es für die USA ein paar «rote Linien», die nicht überschritten werden dürften – wie etwa das notwendige Kappen aller Verbindungen zu al-Qaida, der generelle Verzicht auf Waffengewalt und Respekt für Bürger- und speziell für Frauenrechte.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.01.2010, 04:00 Uhr

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2 Kommentare

Beat Keller

29.01.2010, 11:11 Uhr
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Erstaunlich, wie sich die sog. Staatengemeinschaft wieder aufs Glatteis führen lässt. Als ob ein Talib sich mit Geld überzeugen lassenwürde. Die Kohle nimmt er schon und schickt den jüngsten Bruder aufs Feld zum "arbeiten". Für das westliche Geld kann dann die neueste Kalaschnikow gekauft werden oder gleich eine dieser Predator Drohnen. Super. Antworten


Rene Wetter

29.01.2010, 15:49 Uhr
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Das wird nicht funktionieren, Taliban halten sich nicht an Verträge, das hat man in Pakistan gesehen. Und die Leute die anständig waren und keinen Krieg führten werden sich verarscht vorkommen weil sie nichts erhalten. Man sollte sich mal um die Saudis kümmern, die liefern den geistigen Treibstoff derTaliban. Weiter müssen endlich führende Leute erwischt werden. Dann ist bei vielen Gruppen das End Antworten



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