Petraeus: Krieg dauert noch lange
Aktualisiert am 16.08.2010 14 Kommentare
Fünf Zivilisten getötet
Die Nato hat eingeräumt, dass bei Luftangriffen der Militärallianz im Süden Afghanistans versehentlich fünf Zivilisten getötet worden seien. Soldaten der internationalen Schutztruppe Isaf seien am Donnerstag in der Provinz Helmand von Aufständischen angegriffen worden und hätten daraufhin Unterstützung aus der Luft angefordert, erklärte die Isaf am Sonntag.
Später seien vier verletzte und drei getötete Zivilisten an einem Kontrollpunkt abgelegt worden, zwei der Verletzten seien dann noch gestorben. Es gebe Beweise dafür, dass sich in einem von der Nato beschossenen Haus Zivilisten befunden hätten, hieß es weiter. Der «tragische Verlust von Menschenleben» werde bedauert.
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Es sei viel zu früh, um abschätzen zu können, wann der Einsatz in Afghanistan endgültig zum Erfolg führen werde, sagte David Petraeus dem US-Fernsehsender NBC. Daher sei der von Präsident Barack Obama genannte Abzugstermin für die US-Truppen ab Juli 2011 auch nicht in Stein gemeisselt.
«Ich glaube, der Präsident hat klar gemacht, dass es sich um einen Prozess handeln wird, nicht um ein Ereignis, und dass dieser Prozess von den Rahmenbedingungen abhängen wird», sagte Petraeus in seinem ersten Interview seit der Ernennung zum Oberbefehlshaber der ISAF- und US-Truppen in Afghanistan vor rund sechs Wochen.
Der General würde nach eigener Aussage «ganz sicher» nicht davor zurückschrecken, von Obama eine Verschiebung des Abzugstermins zu fordern. Ein Truppenabzug müsse verantwortungsvoll sein.
Falsche Strategie
Der Krieg in Afghanistan sei jahrelang ohne richtige Strategie geführt worden, erläuterte der General. Erst in den letzten eineinhalb Jahren - seitdem ist Obama im Amt - sei der Einsatz zum ersten Mal richtig überdacht worden.
«Wir mussten die Konzepte verbessern - und in einigen Fällen Konzepte entwickeln, die nicht existierten», sagte er. Erst seit diesem Frühling zeigten sich die Erfolge dieser Arbeit. «Wir haben Bereiche, in denen wir Fortschritte machen.»
Das Land nachhaltig zu befrieden und die Verantwortung zunehmend an die afghanische Regierung zu übergeben benötige Zeit, weil man dabei die Bevölkerung einbeziehen wolle, sagte der Befehlshaber von rund 150'000 US- und Nato-Soldaten.
Osama bin Laden hat wieder Priorität
Das Hauptziel des Krieges bleibe es, die Region nicht wieder zum sicheren Hafen für Terroristen werden zu lassen. Auch die Verhaftung des Al-Qaida-Führers Osama bin Laden stehe weiter ganz oben auf der Agenda. Der Top-Terrorist habe sich vermutlich tief in die Isolation begeben, um unauffindbar zu sein. Niemand wisse, in welcher Region er sich aufhalte.
Das Weisse Haus will die US-Soldaten ab Sommer 2011 nach Hause holen. Obama hatte den Abzug im Dezember vergangenen Jahres als eine Bedingung für seine Entscheidung genannt, 30'000 weitere Soldaten in den Krieg zu schicken.
Der Präsident und sein Verteidigungsminister Robert Gates hatten aber bereits mehrfach angedeutet, dass im Sommer 2011 zunächst nur eine kleine Zahl der Soldaten zurückkehren werde.
Zustimmung der Amerikaner sinkt
Kritiker werfen Obama vor, er habe mit der Nennung eines Abzug- Termins den Taliban in die Hände: die Extremisten müssten nur den Abzug der ausländischen Soldaten abwarten, um dann wieder die Kontrolle über Afghanistan zu übernehmen. Die Amerikaner hatten die Taliban im Oktober 2001 von der Macht verjagt.
Diese hatten der Al-Qaida Unterschlupf gewährt. Von Afghanistan aus wurden die Anschläge in den USA am 11. September 2001 mit fast 3000 Toten gesteuert. Angesichts der steigenden Zahl getöteter US-Soldaten in Afghanistan unterstützen jedoch immer weniger Amerikaner diesen Krieg. (bru/sda)
Erstellt: 15.08.2010, 22:33 Uhr
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14 Kommentare
Klar, dass die Militärs am liebsten immer und andauernd Krieg führen möchten, vor allen diejenigen die zu weit oben sind um direkt an der Front stehen zu müssen. Der "Krieg" in Afganistan ist nicht zu gewinnen. Gewinner sind die Waffen- und Militärmaterial-Industrie. Jede Nation muss sich selber in die Moderne führen - das kann nicht mit Waffengewalt erzwungen werden - langfristig und nachhaltig. Antworten
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