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Russland, China, Dealer und Taliban – wer vom Abzug profitiert

Von Monica Fahmy. Aktualisiert am 24.06.2011 9 Kommentare

Spätestens 2014 sollen die US-Soldaten aus Afghanistan abgezogen sein. China, Russland, Indien und Pakistan ringen nun um die Vormacht im Land. Auch eine Rückkehr der Taliban wird befürchtet.

1/11 Bis Sommer 2012 sollen 33'000 US-Soldaten aus Afghanistan abgezogen sein, und bis 2014 wollen die USA am Hindukusch nur noch beratend tätig sein. (Im Bild feuert Artillerie auf ein Ziel in der Kandahar-Provinz am 12. Juni 2011.)
Bild: Reuters

   

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Bis Sommer 2012 sollen 33'000 US-Soldaten aus Afghanistan abgezogen sein, und bis 2014 wollen die USA am Hindukusch nur noch beratend tätig sein. Barack Obamas Ankündigung könnte für eine Neuauflage des «Great Game», des grossen Spiels um die Vorherrschaft in Zentralasien, sorgen. Waren es zwischen 1813 und 1947 die Russen und die Briten, die um Einfluss in Afghanistan buhlten, werden es nun Russland, China, Indien, Pakistan und Iran sein.

China hat sowohl politische wie wirtschaftliche Interessen. Das Land fühlt sich von möglichem islamistischem Extremismus an der Grenze bedroht, schreibt Anatol Lieven, Strategieexperte aus London, in der «New York Times». China hat sich zur Investition von drei Milliarden US-Dollar in die Aynak-Kupfermine verpflichtet, die bisher grösste kommerzielle Investition in Afghanistan. China spanne mit Pakistan zusammen, so Lieven. «Laut Berichten aus Kabul hat Pakistan die Karzai-Administration ermuntert, sich nach Peking statt nach Washington zu wenden.»

Wirtschaftsbeziehungen und Terrorbekämpfung

Auch Russland liebäugelt wieder mit einer grösseren Rolle in Afghanistan. Im Land, in dem russische Soldaten zwischen 1979 und 1989 erfolglos gegen die Mujahedin kämpften, ist eine Reihe gemeinsamer Infrastrukturprojekte in Angriff genommen worden. Und im Juni 2011 wurde ein Abkommen zwecks Förderung von Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen Kabul und Moskau unterzeichnet. Russland hat grosses Interesse daran, Afghanistan nicht zum «failed state» werden zu lassen, aus Angst vor Terrorismus und Drogen. Russland gehört zu den grössten Abnehmern von Heroin aus Afghanistan.

Stark betroffen von den Drogen aus Afghanistan ist auch der benachbarte Iran. Beide Länder haben kürzlich ein Abkommen zur besseren gemeinsamen Bekämpfung von Drogenhandel und Extremismus unterzeichnet. Seit die Beziehungen der US-Regierung mit der Administration des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai auf einem Tiefpunkt angelangt sind, hat Teheran die günstige Gelegenheit ergriffen, seinen Einfluss in Afghanistan und im benachbarten Pakistan zu vergrössern.

Pakistan und Indiens Ringen um Einfluss

Pakistans Rolle in der Region bleibt zweifelhaft. Im Land gibt es immer noch Kräfte, welche Extremisten unterstützen. Nicht geklärt ist nach wie vor, wie sich Osama Bin Laden vor seinem Tod jahrelang in Pakistan aufhalten konnte. Die Furcht, dass Pakistans beachtliches Atomwaffenarsenal in falsche Hände kommen könnte, ist nicht unbegründet.

Weil Pakistan immer wieder verdächtigt wurde, die Taliban zu unterstützen, hat die Regierung Karzai die Beziehungen mit Pakistans Erzrivalen Indien intensiviert. Indien möchte seine Position als regionale Grossmacht ausbauen und Pakistan im Zaun halten, das Extremisten in Kaschmir unterstützt. Indien ist das Land mit dem stärksten humanitären Engagement in Afghanistan. Laut dem amerikanischen Council on Foreign Relations investiert Indien ins Energie-, Bildungs- und Gesundheitswesen und hilft, afghanische Sicherheitskräfte zu trainieren.

Angst vor der Rückkehr der Taliban

Eine viel befürchtete Folge des US-Truppenrückzugs könnte auch sein, dass die Taliban wieder stark an Einfluss gewinnen. Gegenüber Guardian.co.uk sagte Thomas Ruttig, Experte beim Afghanistan Analysts Network, er habe an der Universität von Kabul mit Studenten gesprochen. «Der bevorstehende Truppenabzug hat sie sehr verängstigt. Natürlich gab es viel Kritik an den westlichen Mächten. Aber im Endeffekt sind sie besorgt, dass die Taliban wieder an die Macht kommen könnten.»

Im Mai starben in Afghanistan so viele Zivilisten wie noch nie während eines Monats seit 2007. Und die meisten der 368 Toten gehen aufs Konto der Taliban, schreibt Guardian.co.uk. Die afghanischen Sicherheitskräfte sind bei weitem nicht in der Lage, allein für die Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen. Die 750'000-Einwohner-Stadt Herat etwa habe bloss 180 Polizisten, einige davon seien drogensüchtig, andere korrupt.

Serbelnde Wirtschaft, blühende Kriminalität

Auch an der afghanischen Wirtschaft wird der Rückzug der Amerikaner nicht spurlos vorübergehen, schreibt die «New York Times». Anfangs werde wenig passieren. Ab 2014 werden jedoch Tausende Jobs verloren gehen. Ohne den Schutz internationaler Truppen werden aller Voraussicht nach auch die humanitären Helfer vor Ort aus Sicherheitsgründen ihr Engagement redimensionieren oder beenden.

Nebst bewaffneten Gangs machen Kriminelle Afghanistan unsicher. «Kidnapping und Drogenhandel sind die mächtigsten Industriezweige im heutigen Afghanistan», schreibt der Analyst Musa Khan Jalalzail in der pakistanischen Dailytimes.com.pk. Vor dem Einmarsch der US-Truppen 2001 habe es kaum Entführungen gegeben. Zugenommen hat auch der Drogenhandel. Laut Schätzungen kommen über 90 Prozent der weltweit konsumierten Opium-Menge aus Afghanistan. Welche Länder auch immer das Rennen um die Vormacht in Afghanistan für sich entscheiden, das Risiko besteht, dass sie es mit einem «failed state» zu tun haben werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.06.2011, 17:12 Uhr

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9 Kommentare

Parvaneh Ferhadi

24.06.2011, 11:53 Uhr
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Ahmed Wali Karzai, der Bruder des Präsidenten Hamid Karzai, soll vom CIA bezahlt werden und mit Drogen Geschäfte machen (sagen CBS und andere). Im Gegensatz dazu hatten die Taliban den Drogen den Kampf angesagt und waren sehr erfolgreich. Das Angebot an Heroin brach 2001 um zwei-Drittel ein (BBC) und dann wurden sie von der Macht entfernt. Nun blüht der Handel wieder. Honi soit qui mal y pense. Antworten


Ronnie König

24.06.2011, 11:07 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Die grosse Frage bleibt: Was macht Indien letztlich? Die Chinesen werden wohl nicht wirklich Fuss fassen, da genau so ungläubig wie die Russen und USA. Der Iran wird mehr Erfolg haben und braucht Afghanistan um die Embarken zu umgehen. Pakistan wurstelt wie seit 30 Jahren dort weiter, erreicht aber nicht viel, fühlt sich jedoch wichtig und stiftet Unruhe. Ein Puverfass das weiter glimmt. Antworten



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