«Scharfschützen werden auf unsere Leute feuern»
Dossiers
Artikel zum Thema
- «Ein militärischer Schlag wird die Wende bringen»
- Taliban lehnen Versöhnungsangebot ab
- Mit Geld statt Waffen gegen Taliban
- Karzai beisst bei Taliban auf Granit
- Taliban schlagen in Kandahar zu
- Afghanischer Soldat schiesst auf Briten
Stichworte
Mit insgesamt 15'000 Soldaten wollen sie angreifen. Amerikaner, Briten, Afghanen und weitere Soldaten der ISAF- und Nato-Truppen. Sie wollen die Taliban in der südlichen Provinz Helmland ausräuchern.
«Es wird heftige Kämpfe geben», sagt Oberst Richard Kemp dem Reporter der britischen Zeitung «Independent». Er hatte 2006 britische Truppen am Hindukusch kommandiert. «Die Taliban werden ihre Positionen in der Bevölkerung sorgfältig ausgesucht haben. Sie kennen die Region bestens und haben sich Fluchttunnels und Ausweichwege präpariert. Scharfschützen werden auf unsere Leute feuern und dann davonziehen. Möglicherweise müssen wir uns auf viele Verluste gefasst machen.»
Truppenverschiebungen in der Luft
Seit Tagen bereiten sich tausende Soldaten auf die Operation Moshtarak – heisst in Dari soviel wie «zusammen» – vor. Geheime Operationen sollen die Stellungen des Gegners und dessen Strategie ausspionieren. Die grösste Luftverschiebung seit dem ersten Irakkrieg von 1991 ist erforderlich, um die Leute an die richtige Stelle zu bringen.
Die Grossoffensive ist auch ein erster Test für Barack Obamas Afghanistan-Strategie. Er hatte Ende letzten Jahres die Entsendung weiterer 30'000 Soldaten beschlossen. Die Provinz Helmand ist eine Hochburg der radikalislamischen Taliban. Zuletzt hatten die USA im vergangenen Jahr im Bezirk Garmser eine Grossoffensive internationaler und afghanischer Truppen gegen die Rebellen angeführt.
Ungewöhnlich früh im Jahr
Normalerweise beginnen die grösseren Kämpfe in Afghanistan wegen des Wetters erst im März. Laut Kemp werde diese Grossoffensive einen «Sommer der Kämpfe» eröffnen. Bereits ein Jahr später wollen die Amerikaner mit dem teilweisen Abzug aus Afghanistan beginnen.
Die afghanischen Taliban haben heute ein Versöhnungsangebot von Präsident Hamid Karzai abgelehnt. Die Versuche Karsais seien «zwecklos» und «absurd», erklärten die radikal-islamischen Aufständischen am Sonntag auf ihrer Internetseite «alemarah.info». Nicht zum ersten Mal wollten das Regime in Kabul und die «einfallenden Länder» der Weltöffentlichkeit Sand in die Augen streuen, indem sie Versöhnung ankündigen und in der Praxis Kriegsvorbereitungen träfen, hiess es in der in Englisch abgefassten Mitteilung.
Geld für Niederlgung der Waffen
Zudem stellten die afghanische Regierung und ihre Verbündeten Bedingungen, die einer Eskalation des Kriegs gleichkämen. Etwa werde gefordert, dass die Mudschaheddin ihre Waffen niederlegen, die Verfassung akzeptieren und der Gewalt abschwören müssten. Niemand könne dies als Versöhnung bezeichnen.
Karzai hatte Ende Januar auf der Afghanistan-Konferenz in London erneut zur Aussöhnung mit den Taliban aufgerufen. Im Bemühen um eine Wende in Afghanistan sprachen sich bei dem Treffen auch die westlichen Regierungen dafür aus, kriegsmüden Mitläufern der Taliban die Hand zur Versöhnung zu reichen und ihnen Geld dafür zu geben, dass sie die Waffen niederlegen. (cpm)
Erstellt: 07.02.2010, 12:21 Uhr

Die Welt in Bildern


