Ausland

Schnee-Chaos auch in Asien: Fast 240 Kälte-Tote

Aktualisiert am 10.01.2010

In China sind hunderte Menschen durch die Schneestürme der vergangenen Tage obdachlos geworden. In Indien erfroren 239 Menschen. In Norddeutschland sind ganze Orte von der Aussenwelt abgeschnitten.

1/8 Arktisch: In den Niederlanden ist sogar das Ijsselmeer, ein grosser Süsswassersee, gefroren.
Bild: Keystone

Hunderte stecken in ihren Autos fest

   

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Daisy sorgt für Chaos: Hunderte Menschen waren auf einer Autobahn in Mecklenburg-Vorpommern eingeschneit. (Quelle: Reuters)

Insgesamt 239 Menschen fielen nach Angaben des indischen Nachrichtensenders NDTV im Norden und Osten des Landes den eisigen Temperaturen zum Opfer. Allein im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh wurden in der Nacht auf heute 15 Kälte-Tote gezählt.

Die meisten Opfern seien Alte oder Bedürftige, die sich nur ungenügend gegen die Kälte schützen konnten, berichtete der Sender. Die schlechten Witterungsbedingungen beeinträchtigten auch den Bahn- und Luftverkehr.

800 Häuser zerstört

In China zerstörten die seit Freitag wütenden Schneestürme in der Provinz Xinjiang fast 800 Häuser, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag berichtete. Knapp 5000 weitere wurden beschädigt. Dem Bericht zufolge kam ein Mensch ums Leben. Rund 5500 weitere mussten in Sicherheit gebracht werden.

Die Regierung in Peking bereitete unterdessen Hilfslieferungen in die mehrheitlich von muslimen bewohnte Region vor. Laut Xinhua sollten 5000 Zelte, 10'000 Jacken sowie 10'000 Bettdecken nach Xinjiang gebracht werden. Die örtlichen Behörden gaben bereits 15 Millionen Yuan (2,3 Millionen Franken) für Nothilfen frei.

Die Volksrepublik leidet derzeit unter einem ungewöhnlich frühen und kalten Winter. Seit dem Jahreswechsel hat der Schnee das Land im Griff. Aus Sorge vor Stromknappheit wegen der anhaltenden Kältewelle haben die Behörden in einigen Provinzen den Strom rationiert. Vielerorts kam es zu Verkehrschaos.

Deichbruch droht an der Ostsee

Heftige Schneestürme haben heute auch in Norddeutschland dramatische Entwicklungen ausgelöst und den Verkehr fast vollständig zum Erliegen gebracht. Am schlimmsten traf es Mecklenburg-Vorpommern, wo ein Krisenstab eingerichtet und teilweise Katastrophenalarm ausgerufen wurde, und Schleswig-Holstein. Auf der Küstenautobahn 20 waren rund 170 Menschen über Nacht in ihren zugeschneiten Fahrzeugen eingeschlossen und konnten erst am Morgen befreit werden. Bei Anklam kämpften Rettungsmannschaften einen Regionalzug frei, der mit 14 Fahrgästen im Schnee steckengeblieben war.

Mit einem Tag Verspätung sorgte Tief Daisy damit doch noch für die befürchtete Katastrophe. Einige Orte wurden vorübergehend von der Aussenwelt abgeschnitten - Autobahnen und viele andere Strassen mussten gesperrt werden. Die Polizei rief Autofahrer dringend auf, ihre Fahrzeuge stehenzulassen. In Nordvorpommern kamen ein 27- und ein 29-Jähriger bei einem Autounfall im Schnee ums Leben.

An mehreren Orten traten die Ostsee und ihre Zuflüsse über die Ufer. Im schleswig-holsteinischen Dahmeshöved drohte ein Deichbruch, wegen der dort entstandenen Schäden wurden umgehend Ausbesserungsarbeiten veranlasst.

Auch in Flensburg und der Altstadt von Lübeck waren ganze Strassenzüge von Hochwasser überflutet. In Travemünde peitschten die Ostseewellen gegen die Strandpromenade und rissen Ziegelsteine aus der Mauer, die dann unkontrolliert herumflogen, wie die Polizei mitteilte.

Im Landkreis Ostvorpommern wurde am Sonntagmorgen Katastrophenalarm ausgelöst, örtlich wurden auch Stromausfälle gemeldet. Eine Reihe von Zugstrecken wurde gesperrt, auch Autobahnabschnitte und Landstrassen waren stellenweise nicht mehr befahrbar. Auf den Inseln Rügen und Usedom und den Halbinseln Fischland, Darss, Zingst sowie dem küstennahen Festland brach der Verkehr fast völlig zusammen. Schon am Samstagnachmittag hatte der Nahverkehr im Küstenbereich den Betrieb eingestellt.

Neue Hochwasserwarnung

Die Behörden rechneten auch für den Abend und die Nacht zu Montag mit starken Böen aus Nordost. Für die Kieler und die Lübecker Bucht wurden Hochwasserwarnungen ausgesprochen. In Lübeck stellte die Priwallfähre ihren Betrieb ein, so dass der gleichnamige Stadtteil praktisch von der Aussenwelt abgeschnitten war. Kleine Ortschaften wie Blankensee, Vorrade oder Wulfsdorf und auch unzählige Dörfer in Ostholstein waren auf dem Land- und Wasserwege nicht erreichbar. Auch Fähren nach Skandinavien stellten den Betrieb ein (bru/sda)

Erstellt: 10.01.2010, 15:04 Uhr

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