Ausland

Terrorserie im Herzen Pakistans

Aktualisiert am 15.10.2009

Mit einer gezielten Serie von Terroranschlägen haben mutmassliche radikal-islamische Extremisten die Sicherheitskräfte der Atommacht angegriffen. Auch heute wieder. Die Zahl der Todesopfer stieg auf weit über 100.

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Nach dem Angriff in Lahore vom 15. Oktober versammeln sich die Polizisten zum Gegenschlag.
Bild: Keystone

   

Bei einer Serie von Anschlägen im Norden Pakistans sind am Donnerstag mindestens 40 Menschen in den Tod gerissen worden. Die Attentäter griffen drei Einrichtungen der Sicherheitskräfte in der Stadt Lahore an, im Bezirk Kohat attackierte ein Selbstmordattentäter eine Polizeiwache. Präsident Asif Ali Zardari erklärte, die Regierung werde sich von den Gewalttaten nicht von der geplanten Bodenoffensive gegen Extremisten in Süd-Waziristan im Grenzgebiet zu Afghanistan abhalten lassen.

Beim ersten Angriff am Vormittag wurden nach Behördenangaben vier Regierungsmitarbeiter, zwei Angreifer und ein Passant getötet. Einer der Toten habe eine mit Sprengstoff präparierte Jacke getragen, erklärte die Polizei. Der zweite Angriff richtete sich gegen eine Polizeiakademie, dabei kamen zehn Menschen ums Leben. Ein weiterer Angriff auf ein Elite-Ausbildungszentrum in der Nähe des Flughafens kostete nach Angaben von Sicherheitskräften einen Polizisten und fünf Angreifer das Leben. Die Täter hatten vorübergehend mehrere Menschen als Geiseln genommen, wie Chaudhry Shafiq sagte. Alle wurden unverletzt befreit.

Neue Grossoffensive

Acht weitere Menschen wurden bei einem Selbstmordanschlag in der Nähe einer Polizeiwache in Kohat getötet. Unter den Opfern seien auch Zivilpersonen, sagte Polizeisprecher Afzal Khan. Unter den Trümmern des eingestürzten Gebäudes würden weitere Opfer vermutet.

Vor den Angriffen in Lahore waren bei einem Selbstmordanschlag auf eine Polizeistation in Kohat im Nordwesten des Landes mindestens acht Menschen getötet worden. Nach Polizeiangaben wurde etwa ein Dutzend weitere Menschen verletzt, als der Attentäter ein mit Sprengstoff beladenes Auto zur Explosion brachte.

Die Region Kohat grenzt an die halbautonomen Stammesgebiete, die als Hochburg der Extremisten gelten. Die pakistanische Regierung plant derzeit in Süd-Waziristan ein neue Grossoffensive gegen die Taliban. «Ich verspreche, wir werden alles Notwendige (gegen die Aufständischen) unternehmen», sagte Innenminister Rehman Malik am Donnerstag.

Mehr als 120 Opfer

In den vergangenen Tagen war Pakistan von mehreren blutigen Terrorangriffen erschüttert worden, denen insgesamt mehr als 120 Menschen zum Opfer fielen. Unter anderem hatten Aufständische am Wochenende das schwer bewachte Hauptquartier der Armee in der Garnisonsstadt Rawalpindi bei Islamabad attackiert und Dutzende Menschen in einem Gebäude festgehalten. Erst nach 22 Stunden beendeten Spezialeinheiten die Geiselnahme. Am Montag starben mehr als 40 Menschen bei einem Anschlag in der Nordwest-Grenzprovinz.

Auch Lahore, die zweitgrösste Stadt Pakistans, ist in diesem Jahr bereits von mehreren spektakulären Anschlägen erschüttert worden. Zuletzt wurden Ende Mai bei einem Selbstmordanschlag auf eine Polizeistation mehr als 20 Menschen getötet und etwa 250 weitere verletzt. (sam/sda)

Erstellt: 15.10.2009, 17:48 Uhr

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