Wie China die Computer seiner Bürger ausspioniert
Von Kai Strittmatter. Aktualisiert am 11.06.2009 5 Kommentare
Ein Internetcafé in China. (Bild: Keystone)
Eine «Internetkultur mit chinesischen Besonderheiten» schwebt Chinas Partei- und Staatschef Hu Jintao vor. Um dieses Ziel zu erreichen, trieb die KP schon 2003 die Sicherheitsbehörden des Landes zum Projekt «Goldenes Schild» an: Dahinter verbirgt sich das weltweit ausgefeilteste System der Internetzensur. Nun wurde bekannt, dass China sein «Goldenes Schild» noch zu löchrig ist. In einer zweiten Front soll ein «Grüner Damm» hinzukommen. Für Chinas Computernutzer bedeutet das: Der Staat kontrolliert nicht mehr nur den Verkehr auf den Datenleitungen – er setzt sich nun im PC eines jeden Käufers fest.
Spionagesoftware von der Regierung
Ab dem 1. Juli dürfen in China nur noch PCs verkauft werden, bei denen eine von den Sicherheitsbehörden entworfene Zensursoftware vorinstalliert ist. «Das ist eine sehr schlechte Nachricht», zitiert die «New York Times» Charles Mok, einen Hongkonger Internetaktivisten: «Das ist so, als lade man sich Spionagesoftware auf den eigenen Computer – und die Regierung ist der Spion.»
Peking sagt, es gehe einzig darum, Pornografie und «andere ungesunde Inhalte» aus dem Netz zu filtern. Aber es ist kein Geheimnis, dass für die KP politischer Dissens ganz oben auf der Liste «ungesunder Inhalte» steht. Kritiker prophezeien, dass die Regierung jetzt das Surfverhalten eines jeden Nutzers direkt verfolgen und zudem die Festplatte ausspionieren könnte.
«Menschenrecht» wird zensiert
Schon bislang ist das Netz der Kontrolle eng: Sämtlicher Internetverkehr zwischen China und dem Ausland wird durch wenige Knoten geleitet, gleichzeitig gibt es eine Internetpolizei mit mehr als 30'000 Beamten. Weitere Tausende tun Dienst in Foren und Blogs, wo sie getarnt als normale Nutzer die Partei preisen.
Es ist nicht das erste Mal, dass Peking ausländische Firmen zur Kooperation mit seinem Sicherheitsapparat nötigt. Auf den Suchdiensten von Google und Microsoft werden die Ergebnisse für Anfragen wie «Menschenrechte» oder «Tibet» zensiert. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.06.2009, 06:45 Uhr
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5 Kommentare
George Orwells Vision „1984“ vom „Totalen Überwachungsstaat“ wird 2009 leider Realität. Wie lange noch, bis wir ähnliche Verhältnisse haben? Da sich unsere Bürger Sendungen wie „Big Brother“ ansehen und auch noch toll finden, wahrscheinlich nicht mehr lange. Antworten
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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