Wie General Fonseka die Tigers vernichtete

Von Oliver Meiler, Singapur. Aktualisiert am 19.05.2009 27 Kommentare

Die Tamil Tigers galten einst als die bestorganisierte Guerilla der Welt und als unbesiegbar. Bis Sri Lankas Militär sie mit ihren eigenen Waffen schlug.

Es gab Zeiten, da hiess es, Sri Lankas Armee würde es nie gelingen, die Tamil Tigers militärisch zu besiegen. So gut organisiert seien die tamilischen Rebellen, so gut bewaffnet, so üppig finanziert aus der Diaspora und strategisch so hervorragend ausgerichtet.

Nun aber hat Colombo nach einer eineinhalbjährigen Totaloffensive im Norden der Insel auch die letzten noch verbliebenen Kämpfer der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) «weggewischt», «ausgemerzt», «niedergemacht».

Armeebudget verdoppelt

In dieser Sprache spricht General Sarath Fonseka, der Kommandant der sri-lankischen Streitkräfte. Die nationalistischen Hardliner unter den Singhalesen feiern ihn nun als Volkshelden und Architekten des Sieges. Unter Experten gilt seine Militärkampagne gegen die Rebellen als brillant.

Fonseka, der einst bei einem Selbstmordattentat der Tigers beinahe getötet worden wäre, hat die Armee in wenigen Jahren völlig umgebaut. An Geld und Mitteln mangelte es nicht. Nie in der vom Bürgerkrieg gezeichneten Geschichte Sri Lankas war der Verteidigungs-Etat höher gewesen als in diesen vergangenen zwei Jahren - nämlich doppelt so hoch wie davor.

Auch der Sold der Soldaten wurde verdoppelt, was deren Motivation zusätzlich gesteigert haben soll. Fonseka hob 40'000 neue Soldaten aus, allein für die nun endende Offensive - gegen einige Tausend Rebellen. Er kaufte in China Waffen, Kampfjets und Radargeräte. Er schickte seine Leute zum Training nach Pakistan, wo ihnen beigebracht wurde, wie man präzise Luftangriffe fliegt.

Und Indien belieferte den General mit Geheimdienstinformationen, die es der Armee leicht machten, die bis dahin stattliche Marineflotte der Sea Tigers, der Marineeinheit der Rebellen, zu zerstören und deren Schmuggelroute über die Palk-Strasse trockenzulegen. Offenbar war ein Teil der Flotte, zu der auch einige U-Boote gehört haben sollen, bereits 2004 vom Tsunami weggeschwemmt worden.

Killerkommandos und Rollentausch

Vor allem aber überraschte Fonseka den Gegner mit einer erstaunlichen Transformation seiner Truppen: «Plötzlich kämpfte die konventionelle Armee wie eine Guerilla-Organisation, während die Guerilla-Organisation noch wie eine konventionelle Formation auftrat», schreibt Ashok Mehta, ein früherer indischer General, der in Sri Lanka in den späten 1980er-Jahren eine Friedenstruppe geführt hatte.

Fonseka schickte also kleine, eigens ausgebildete Spezialkommandos hinter die Verteidigungslinien der LTTE, die in riskanten Operationen Kaderleute der Rebellenorganisation angriffen. Die Vorlage für die Taktik hatten ihm die Tigers geboten, die viele Politiker auf diese Art getötet hatten.

Unter Fonseka attackierte die Armee die Gegner erstmals mit kleineren, mobileren Einheiten von allen Seiten und gleichzeitig: von der See, aus der Luft, am Boden. Und drängte sie so immer mehr in die Enge - bis in die winzig kleine Enklave im Norden der Küstenstadt Mullaitivu, wo nun auch Velupillai Prabhakaran, der 53-jährige Gründer und Chefstratege der LTTE, von einer Sondereinheit getötet worden ist.

Minister in Colombo

In den Augen seiner Anhänger galt der gedrungene und kompromisslose Rebellenführer als unbesiegbar. Nun zeigt sich, dass Prabhakaran einige kapitale Fehler begangen hat - den grössten wahrscheinlich 2004. Damals überwarf er sich mit seinem Feldherrn im Osten der Insel, Vinayagamoorthi Muralitharan, besser bekannt als Oberst Karuna, der sich gegen den Chef aufgelehnt hatte. Karuna desertierte und ist heute Minister in Colombo.

Für die Regierung war die Spaltung der LTTE ein Triumph. Dank den Informationen des übergelaufenen Rebellen konnte die Armee den Osten zurückerobern. Karunas Hinweise dürften dem Armeechef nun auch geholfen haben, die Nordspitze der Insel, Prabhakarans Hochburg, aus der Hand der Aufständischen zu befreien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.05.2009, 10:15 Uhr

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27 Kommentare

patrick janczer

19.05.2009, 10:05 Uhr
Melden

blabla herr widmer, eine eigenartige auffassung von demokratie die sie hier zur schau stellen. weshalb sollten tamilen nun plötzlich nicht mehr in einem freien land demonstrieren dürfen? Antworten


Sim Merki

19.05.2009, 09:59 Uhr
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@widmer: Sie scheinen unsere Geschichte ja gut zu kennen. Wie genau war der Kanton Jura entsanden? Wie genau wurde der Generalstreik gelöst? Wie genau wurde der Sonderbund besiegt? Mitgefühl Herr Widmer und Zurückhaltung (=> Schweiz) formt ein Land und nicht Stahl und Blut (=> Deutschland). Antworten



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