Ausland

«Wie ein verwöhntes Kind»

Aktualisiert am 30.11.2010

Die von Wikileaks veröffentlichten Geheimdokumente zeigen, dass China frustriert über Pyongyang ist. Wie sich Peking das Land nach dem Kollaps von Kim Jong-ils Regime vorstellt, wird ebenfalls offengelegt.

Keine freudiges Verhältnis: Chinas Präsident Hu Jintao (rechts) im Gespräch mit Kim Jong-il (links) im Mai 2010 in Peking.

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Bild: Keystone

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Südkorea unter Beschuss

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Die nordkoreanische Armee hat südkoreanisches Herrschaftsgebiet angegriffen.

China spielt in den anhaltenden Spannungen auf der koreanischen Halbinsel als Verbündeter Pyongyangs eine entscheidende Vermittlerrolle. Doch was Peking von seinem Nachbarn wirklich denkt, legen nun die durch Wikileaks veröffentlichten US-Diplomatendepeschen offen. Diese zeigen, dass auch China nicht mehr unter allen Umständen hinter Pyongyang steht und sich in politischen Kreisen zunehmend von seinem Verbündeten distanziert.

So soll der damalige Vize-Aussenminister He Yafei nach dem nordkoreanischen Raketentest vom April 2009 das Auftreten seines Verbündeten mit dem eines «verwöhnten Kindes» verglichen haben. «Mit diesem Verhalten sucht Nordkorea die Aufmerksamkeit des Erwachsenen», sagte He Yafei im Gespräch mit der US-Botschaft weiter.

Den späteren Besuch von Premierminister Wen Jiabao in Pyongyang im September 2009 erklärte Peking mit den Worten: «Nordkorea mag nicht unbedingt unser bester Freund sein...doch sie sind unsere Nachbarn.» In derselben Depesche wurde beklagt, dass Nordkorea nur zu gerne China und die USA gegeneinander ausspiele, indem es wichtige Informationen vorenthalte.

«Kein brauchbarer Verbündeter»

Im Februar 2010 soll der damalige südkoreanische Vize-Aussenminister und heutige nationale Sicherheitsberater Chun Yung-woo nach Gesprächen mit zwei hohen chinesischen Offiziellen der US-Botschaft in Seoul mitgeteilt haben, dass vor allem jüngere Führungsmitglieder der Kommunistischen Partei in Peking Nordkorea «nicht mehr länger als brauchbaren oder zuverlässigen Verbündeten» betrachten würden.

Einen neuerlichen Krieg auf der Halbinsel würde auch Peking nicht riskieren wollen. Laut Chun könne Peking mit einer Wiedervereinigung unter südkoreanischer Leitung leben, solange sich die USA nicht nördlich des 38. Breitengrades ausbreiten und Seoul sich friedlich verhalten würde.

Ausserdem würden die wirtschaftlichen Möglichkeiten für chinesische Unternehmen die Sorge um die Konsequenzen einer koreanischen Wiedervereinigung dämpfen. Nur schon aus diesen Gründen würde China von einer militärischen Intervention nach einem Kollaps von Kim Jong-ils Regime absehen, so Chun in einem Gespräch mit der US-Botschafterin Kathleen Stephens.

Die Grenze zu Nordkorea schliessen

Zu Pekings Zielen gegenüber Nordkorea schrieb der US-Botschafter in Kasachstan, Richard Hoagland, nach einem Gespräch mit seinem chinesischen Amtskollegen: «China versucht sicherzustellen, dass Pyongyang seine Versprechen zur Nichtverbreitung von Atomwaffen einhält, die Stabilität der Region aufrechterhalten und Kim Jong-il nicht in den Wahnsinn getrieben wird.» Ausserdem soll sich Peking auf einen möglichen Kollaps des Regimes vorbereitet haben.

China könne laut einer weiteren Depesche bis zu 300'000 nordkoreanische Flüchtlinge ohne internationale Hilfe aufnehmen. Allenfalls müsste man die Grenze dichtmachen, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Einen gründlich ausgearbeiteten Notfallplan zur Flüchtlingshilfe soll es aber nicht geben. Präsident Hu Jintao soll eine entsprechende Frage von seinem südkoreanischen Amtskollegen Lee Myung-bak im Januar 2009 «überhört» haben. (jak)

Erstellt: 30.11.2010, 11:46 Uhr

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