Wird Moussavi Ahmadinejad die Stirn bieten?

Seine Unbeugsamkeit hat im Land massive Proteste gegen den neu gewählten Ahmadinedjad ausgelöst. Wird der gemässigte Ex-Regierungschef dem Druck standhalten?

Moussavis Anhänger tragen grün: Besonders junge Leute stehen hinter dem gemässigten Politiker.

Moussavis Anhänger tragen grün: Besonders junge Leute stehen hinter dem gemässigten Politiker. (Bild: Keystone)

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Es wird sich erst noch zeigen, ob Moussavis Kandidatur das Reformlager im Iran gestärkt hat oder es durch seine Niederlage zurückgeworfen wurde. Fest steht, dass der 67-jährige Moussawi zahlreiche vor allem junge Wähler mobilisiert hat.

Gut 20 Jahre lang war Moussavi von der politischen Bühne verschwunden, nachdem er von 1980 bis 1988 als Regierungschef im Iran-Irak-Krieg den Ruf eines klugen Lenkers erworben hatte. Als Berater der reformorientierten Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani (1989-1997) und Mohammad Chatami (1997-2005) agierte er nur noch hinter den Kulissen.

Junge Bevölkerung hinter Moussavi

Dennoch gelang es Moussavi in diesem Jahr, den zunächst unspektakulären Wahlkampf in einen spannenden Showdown zwischen ihm und Amtsinhaber Ahmadinejad zu verwandeln. Er brachte seine Anhänger dazu, sich mit dem Tragen von Kleidern in seiner Wahlkampf-Farbe Grün sichtbar zu ihm bekennen.

In vielen Städten versammelten sich seine Anhänger, riefen Parolen wie «Moussavi, wir unterstützen Dich» und brachten Wahlkampfprogramme und Fotos ihres Hoffnungsträgers unter das Volk.

Auf der Teheraner Waliasr-Strasse, die vom Norden in den Süden der iranischen Hauptstadt führt, zeigten die Moussavi-Anhänger mit einer 18 Kilometer langen Menschenkette, wie gross der Rückhalt für den gemässigten Konservativen ist.

Zuspruch erfährt er vor allem in den grossen Städten und von den vielen jungen Leuten im Land. Etwa 60 Prozent der Iraner kamen erst nach der Islamischen Revolution 1979 zur Welt.

Bei ihnen kommt es gut an, dass der diplomierte Architekt und passionierte Maler mit seiner resoluten Ehefrau, der Akademikerin Sahra Rahnaward, an seiner Seite die Frauenrechte in der Islamischen Republik stärken wollte.

Widerstand gegen geistliche Führung

Nachdem am Samstag Ahmadinedjads haushoher Wahlsieg schon in der ersten Runde verkündet wurde, blieb Moussavi kämpferisch. Er werde sich der «gefährlichen Inszenierung» eines Ahmadinedjad- Siegs angesichts zahlreicher «Unregelmässigkeiten» bei der Wahl nicht beugen, erklärte er.

Damit widersetzte er sich auch dem mächtigsten Mann im Land, dem geistlichen Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei. Dieser pries Ahmadinejads Sieg als «Fest» und forderte alle Iraner auf, sich hinter ihren Präsidenten zu stellen.

Moussavis Anhänger unterstützten seine Unbeugsamkeit, indem sie am Samstag und Sonntag zu Tausenden auf die Strasse gingen. Trotz eines Grossaufgebots von Sicherheitskräften, die Schlagstöcke und Tränengas einsetzten, demonstrierten Moussavis Anhänger mit Sprechchören wie «Tod dem Diktator» gegen Ahmadinejad.

Sie hatten gehofft, dass Moussavi als neuer Präsident trotz Festhaltens am iranischen Atomprogramm die Beziehungen zum Westen entspannt und Ahmadinedschads verschwenderischen Wirtschaftspolitik ein Ende setzt.

Untergetaucht

Angesichts der Proteste, bei der einige Demonstranten Steine warfen und Fahrzeuge der Sicherheitskräfte anzündeten, warnte Moussavi seine Anhänger vor «blinden» Handlungen.

Danach tauchte der grauhaarige Politiker mit dem kurzen Vollbart ersteinmal ab - offenbar aus guten Gründen: Die iranische Führung liess am Sonntag mehrere Politiker aus dem Reformlager festnehmen und griff hart gegen Protestierende durch. Im Land wächst die Angst vor einer massiven Repression gegen die Reformbewegung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Erstellt: 14.06.2009, 15:25 Uhr

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