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Mumbai – So gingen die Terroristen vor

Ein gefasster Terrorist, zwei Mobiltelefone und ein GPS-Gerät erhellen die Hintergründe der Anschläge von Mumbai. Das Kommando wollte das Taj-Mahal-Hotel zerstören.

Der Pakistaner Kasab, der einzige überlebende Terrorist, aufgenommen von einer Sicherheitskamera. Er gab nach der Festnahme viele Einzelheiten preis.

Der Pakistaner Kasab, der einzige überlebende Terrorist, aufgenommen von einer Sicherheitskamera. Er gab nach der Festnahme viele Einzelheiten preis.
Bild: Keystone

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USA besorgt über Folgen für Grenze zu Afghanistan

Indiens Innenminister ist nach den Anschlägen von Mumbai zurückgetreten. Zwischen Delhi und Islamabad verhärtet sich der Tonfall.

Die deutlichen Vorwürfe der indischen Regierung an die Adresse von Pakistan nach den Anschlägen lösen international Beunruhigung aus. Aus Delhi hiess es am Sonntag, Indien erwäge, die Verkehrsverbindungen zum nördlichen Nachbarland zu unterbrechen. Aus Islamabad verlautete danach, man werde die Verschiebung von 100 000 Soldaten von der afghanischen an die indische Grenze prüfen, falls die Inder auf ihren Anwürfen beharrten. Die US-Regierung appellierte unterdessen an die pakistanische Regierung, von einer Truppenverschiebung abzusehen und mit Delhi zusammenzuarbeiten bei den Ermittlungen. Es herrscht die Sorge vor, die Spannungen mit Indien könnten dazu führen, dass die Pakistaner ihre bereits prekäre Kontrolle über ihre Grenzregion zu Afghanistan weiter vernachlässigen könnten.

Als Folge der Anschläge hat der umstrittene indische Innenminister Shivraj Patil am Donnerstag seinen Rücktritt eingereicht. Sein Amt übernimmt der bisherige Finanzminister Palaniappan Chidambaram. Patil war in die Kritik geraten, weil die 200 Spezialsoldaten der National Security Guard (NSG), die seinem Ministerium untersteht, zehn Stunden brauchten, um von Delhi nach Mumbai zu kommen. Das vorgesehene Flugzeug war zur Zeit des Alarms nicht in Delhi, wo es hätte stationiert sein sollen. So erreichten die 200 Männer der Sondereinheit Mumbai erst am Donnerstagmorgen, um 5.25 Uhr. Die Terroroperation hatte am Mittwochabend, um 21.30 Uhr, begonnen.

Der Besitzer des Taj Mahal, der Grossindustrielle Ratan Tata, sagte in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender CNN, es habe Terrorwarnungen gegen sein Hotel gegeben. Darum habe das Hotel vor einiger Zeit die Sicherheitsvorkehrungen am Eingang verstärkt und unlängst wieder gelockert. Gebracht hätten auch jene Massnahmen nichts, sagte Tata, da die Terroristen durch einen Hintereingang ins Hotel gedrungen seien. «Sie wussten genau, was sie taten», sagte Tata. (om)

Mittwoch, 26. November, ungefähr 21 Uhr: Zehn Terroristen legten mit Schlauchbooten an der Südspitze Mumbais an, unmittelbar gegenüber dem Taj Mahal. Ihre Mission hatte in Karachi begonnen, der Finanzmetropole Pakistans. Das Kommando war mit einem Boot in internationales Gewässer vor dem indischen Bundesstaat Gujarat vorgestossen, überwältigte dort die Crew eines Fischerboots, tötete drei von vier Mitgliedern und befahl dem Kapitän, nach Mumbai zu fahren. Vier Seemeilen vor Mumbai schlitzten sie ihm die Kehle auf. Zwei Schlauchboote standen bereit, wahrscheinlich bemannt mit indischen Komplizen.

In einem der Schlauchboote fand die Polizei ein GPS-Gerät, auf dem bereits der Rückweg programmiert gewesen sein soll. Offenbar dachten die Terroristen, sie würden die Anschläge überleben. Sie hatten sich auf eine lange Operation eingestellt. Jeder hatte neben Waffen und Munition grosse Mengen an Mandeln, Datteln und Wasser im Rucksack. Laut Ajmal Mohammed Amir Kasab, der einzige gefasste Terrorist, stand das Kommando in ständigem Kontakt mit dem Chefplaner der Operation, einem gewissen Muzammil alias Yusuf, der in Karachi sass und der pakistanischen Extremistenorganisation Lashkar-e-Taiba angehören soll, eine der Gruppen, die in der Regel im Kashmir-Konflikt kämpfen.

Inspiriert vom Anschlag in Islamabad

Nach der Landung teilten sie sich in vier Gruppen ein. Drei Zweier-Gruppen fuhren per Taxi zu ihren davor bestimmten Einsatzorten. Offenbar hatten lokale Komplizen in den Wochen davor Bilder davon gemacht und Pläne beschafft. Vier Monate soll die Planung insgesamt gedauert haben. Kasab sagt, die Gruppe sei in einem Trainingscamp von Lashkar-e-Taiba ausgebildet worden. Der Anschlag auf das Marriott-Hotel in Islamabad, der im vergangenen September verübt wurde, habe sie zusätzlich inspiriert.

21.10 Uhr: Die vierte Terroristengruppe, vier Mann, drang durch den Dienstboteneingang ins Taj Mahal ein, das Hauptziel der Anschläge. Dort hatten sie mit falschen Identitätskarten (offenbar aus Mauritius) das Zimmer 630 für vier Tage gebucht. In den Tagen vor den Anschlägen sollen viele Leute im Zimmer 630 ein und aus gegangen sein. Wahrscheinlich deponierten sie Sprengstoff, Waffen, Munition. Das Kommando des Taj Mahal eröffnete das Feuer im Innenhof, warf Granaten, betrat die Lobby, schoss dort auf Angestellte und Gäste. In einem der Restaurants suchten die Terroristen nach Ausländern mit britischem und amerikanischem Pass. Sie brachten sie in die oberen Etagen des Hotels. Auf dem Weg dahin erschossen sie jeden, der ihnen entgegenkam.

21.20 Uhr: Kasab und ein zweiter Terrorist waren am Colaba Causeway angekommen und eröffneten das Feuer auf die Gäste im Leopold-Café. Dann fuhren sie weiter zum Hauptbahnhof, dem Chhatrapati-Shivaji-Terminus, schossen willkürlich auf Zugreisende, überquerten dann eine Fussgängerbrücke, liessen das Zeitungshaus der «Times of India» aus, das sie eigentlich ebenfalls hätten angreifen wollen, drangen in ein Krankenhaus ein, schossen auch dort wild um sich, stahlen einen Wagen und fuhren Richtung Meer, wo sie in eine Polizeisperre gerieten. Der zweite Terrorist kam um. Kasab stellte sich tot und wurde weggebracht. Später bemerkte die Polizei, dass Kasab lebte.

21.50 Uhr: Eine weitere Gruppe erreichte das Oberoi Trident, ebenfalls ein Fünfsternehotel auf der andern Seite der Halbinsel. Fast zeitgleich gelangte die letzte Gruppe zum Nariman House, dem Gebäude einer jüdischen Gemeinschaft im Stadtteil Colaba und Wohnsitz eines Rabbiners aus New York und dessen Familie. Bis auf das Baby des Ehepaars wurden alle getötet. Im Nariman House hatten sich offenbar vier Komplizen eingemietet. Sie gaben vor, sie seien Studenten aus Malaysia. Die indischen Medien warfen in diesem Zusammenhang die Frage auf, warum die jüdische Gemeinschaft diesen jungen, nicht jüdischen Männern eine Wohnung vermietet habe, wo dies sonst doch nur Juden vorbehalten sei.

In den folgenden Stunden und Tagen lieferten sich Sondereinheiten Gefechte mit den Terroristen im Taj Mahal, im Oberoi und im Nariman House. Offenbar spielten die Terroristen Katze und Maus mit den Sicherheitskräften. Wechselten ständig die Stockwerke im grossen Hotel mit seinen vielen Gängen und Flügeln, warfen Granaten, um falsche Fährten zu legen. 24 Stunden brauchte die National Security Guard alleine, um die letzten zwei Terroristen zu töten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.11.2008, 23:18 Uhr

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4 Kommentare

Adrian Hauser

02.12.2008, 23:12 Uhr
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Seit wann planen den islamische Terrorkommandos dieses Kalibers den Rückzug? so ganz ohne als Märtyrer zu sterben? Und seit wann sind Schlauchboote weniger auffällig als Fischerboote? Ja, da ist offensichtlich was faul, und der logistische Aufwand lassen auf gut ausgerüstete Armeen schliessen.. Man sollte sich fragen, wer an einem Krieg zwischen Indien und Pakistan interessiert ist. Antworten


Michi Freis

02.12.2008, 11:03 Uhr
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Der Herr Kasab oben auf dem Foto trägt ein rotes Armband an der rechten Hand. Das könnte ein Kalava sein, der heilige hinduistische Faden. Voll der Islamist. Das ganze stinkt bis zum Himmel... Terrorpropaganda um die Region zu destabilisieren. Antworten


Reto Meier

01.12.2008, 12:31 Uhr
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Einer überlebt, ergibt sich problemlos, erzählt alles bereitwillig und schlüssig? Klar drohte ihm fürchterliche Folter aber trotzdem, das rasche Aufklären gibt zu denken. Antworten


Jan Bürgi

01.12.2008, 09:37 Uhr
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Das ganze riecht nach einer "False Flag Operation". Ich hoffe nur, Indien lässt sich nicht zu voreiligen Handlungen hinreissen. Und wieder "Qui Bono?". Antworten



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