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«Zwischen den Geschlechtern herrscht vor allem Misstrauen»
In einer Beziehung brauchts Kompromisse: Diese wollen aber viele Frauen und Männer nicht mehr eingehen - und leben lieber allein. (Bild: colourbox)
Zur Person
Marie-France Hirigoyen arbeitet in Paris als Psychoanalytikerin und Familientherapeutin. Ihr Buch «Masken der Niedertracht» über seelische Gewalt im Alltag wurde zum Bestseller. Ihr neues Werk «Solotanz – Anleitung zum Alleinsein» ist bei C.H. Beck erschienen und kostet Fr. 23.90.
Frau Hirigoyen, verstehen sich Männer und Frauen heute einfach nicht mehr? Ist das ein Grund für die vielen Singles?
Ich habe stark den Eindruck, dass zwischen den Geschlechtern vor allem Misstrauen herrscht. Vielen Männern sind die Frauen zu hart geworden. Sie sind viel fordernder als früher, wollen den sensiblen Prince Charming, der zugleich stark und erfolgreich ist. Kompromisse kommen auf beiden Seiten vielfach nicht mehr in Frage. Aber gerade die braucht es in einer Beziehung.
Sie beobachten, dass es meist Frauen sind, die sich entschliessen, alleine zu leben. Warum?
Zum einen sind sie wirtschaftlich unabhängig von den Männern geworden. Zum anderen ist es oft so, dass zu Hause doch noch die traditionelle Rollenverteilung herrscht. Viele Frauen träumen von der grossen Liebe, um dann in einer Ehe ernüchtert festzustellen, dass sie sich neben dem Job auch noch ganz um den ganzen Haushalt kümmern müssen. Für viele scheint sich daher die Investition in eine Beziehung nicht mehr zu lohnen.
Männer dagegen kommen mit dem Alleinsein nicht gut zurecht. Getrennte Männer sollen mehr an Depressionen leiden als Männer in einer Beziehung.
Die feministische Bewegung hat Frauen dabei geholfen, sich eine gewisse Autonomie zu erobern. Das fehlt den Männern. Sie sind emotional noch viel abhängiger von den Frauen und in vielen Fällen auch daran gewöhnt, bedient zu werden. Deshalb suchen viele nach einer Trennung ganz schnell nach einem Ersatz für die Partnerin, um die Lücke zu füllen. Aber ich muss auch sagen, dass jüngere Männer schon viel dazugelernt haben. Die Rollenbilder ändern sich enorm.
Doch obwohl es so viele Singles gibt, gelten sie noch oft als Sonderlinge.
Ja, und wer allein reist, muss noch immer den Einzelzimmerzuschlag zahlen. Bei Singles wird auf jeden Fall mit zweierlei Mass gemessen. Jene, die um die 30 und attraktiv sind sowie gut verdienen, gelten als schick. Ganz anders sieht es dagegen bei älteren allein lebenden Menschen aus oder bei Leuten, die finanziell schlecht gestellt sind. Die sind dann gleich weniger beliebt.
Onlinedating-Sites boomen. Allein im deutschsprachigen Raum gibt es rund 2000. Sie sehen sie als Ausdruck der Einsamkeit unserer Gesellschaft.
Ich sehe dabei zumindest gewisse Gefahren. Man kann dort Tausende von Leuten treffen. Die Auswahl lässt einen geradezu schwindlig werden. In vielen Fällen führt dies dazu, sich zu sagen: Ich probier den einfach mal aus. Und wenn er nicht passt, nehme ich den nächsten.
Internetdating wird also oft mit Onlineshopping verwechselt?
Diese Angebote können dazu führen, dass man Beziehungen konsumiert, anstatt sich wirklich auf jemanden einzulassen. Ausserdem geht bei dieser Methode alles sehr schnell. Oft geht man schon beim ersten Treffen miteinander ins Bett und nimmt sich dadurch die Chance, etwas entwickeln zu lassen. Und man muss sich im Internet auf Teufel komm raus verkaufen.
Sonst wird man ja unter den Millionen Konkurrenten nicht gefunden.
Aber das führt auch zu einem künstlichen Image. Man stellt ein tolles Foto und einen Lebenslauf von sich ins Netz, gerade so, als wollte man sich um eine Arbeitsstelle bewerben. Auf diese Weise macht man sich zur Ware. Und um überhaupt mitspielen zu dürfen, muss man einem gewissen Standard – hübsch, fit, fröhlich – entsprechen. Dabei vergisst man schnell, dass man doch auch menschlich sein darf.
Viele haben aber wenig Zeit, sind schüchtern. Für diese Menschen sind solche Angebote doch eine Chance.
Ich sage nicht, dass das Internetdating nur schlechte Seiten hat. Auf diese Weise kann man natürlich auch Leute treffen, denen man sonst nie begegnen würde.
Für viele ist das Alleinsein der Horror, andere leben gut damit. Was machen sie richtig?
Unglückliche Singles glauben eher, dass ihr Glück von einem anderen abhängt. Dass sie ohne einen Partner nicht wirklich existieren können. Zumindest beobachte ich das. Natürlich ist eine enge Beziehung eine Quelle für das Glück, aber eben nicht die alleinige.
Wir werden immer älter und müssen uns daher schon auf Phasen des Alleinseins einstellen. Wie kann man sich am besten mit einem zeitweiligen Solodasein anfreunden?
Die erste Zeit ist immer hart. Da darf man sich nichts vormachen. Man sollte sich, wie bereits gesagt, bewusst machen, dass das persönliche Glück nicht von einer anderen Person abhängt. Zudem hat man als Single mehr Zeit für sich und kann seinen Interessen nachgehen. Das gilt es zu nutzen. Viele merken bald, dass sie alleine ein viel aktiveres Leben führen als zu zweit. Und wer einmal eine Zeit alleine war, findet eher heraus, wer er wirklich ist und ebnet so den Weg für eine spätere Beziehung. (Berner Zeitung)
Erstellt: 15.12.2008, 16:30 Uhr
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Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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