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Der Allmächtige von Kuba und die Weihnacht

Von Oscar Alba, Havanna. Aktualisiert am 22.12.2008 8 Kommentare

Vor der Revolution war Weihnacht in Kuba amerikanisch, mit Santa Claus und Firlefanz überall. Für Fidel Castro ist diese Art von Weihnachtsfeier nichts anderes als ein Fest der Bourgeoisie.

Geste des Máximo Líder: 1999 führte Fidel Castros Kuba anlässlich des Besuchs von Papst Johannes Paul II. Weihnachten wieder ein – provisorisch.

Geste des Máximo Líder: 1999 führte Fidel Castros Kuba anlässlich des Besuchs von Papst Johannes Paul II. Weihnachten wieder ein – provisorisch. (Bild: Keystone)

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Seit zehn Jahren gibt es in Kuba wieder Weihnachten. Papst Johannes Paul II. hatte es vor seinem Besuch 1998 auf der Insel so gewünscht. Kubas Allmächtiger, Fidel Castro, gab dazu seinen Segen - fast 30 Jahre nachdem er Weihnachten abgeschafft hatte.

Eigentlich hatte der Máximo Líder die Weihnacht zuerst ja «nur» verschoben. Von Dezember 1969 auf Juli 1970, auf das «Jahr der zehn Millionen Tonnen». Fidel hatte wieder mal einen gigantischen Plan. Er wollte der Welt einmal mehr beweisen, wozu der Sozialismus fähig ist, er wollte einen Jahrhundertrekord, die höchste Zuckerernte der Geschichte: zehn Millionen Tonnen. 1969/70 fuhr Fidel die ganze Wirtschaft auf der Insel herunter und mobilisierte das Volk zur Arbeit auf den Zuckerrohrfeldern. Auch der Revolutionsführer schwang die Machete. Jeder Tag war ein Arbeitstag, für Weihnachten war keine Zeit. Deshalb verschob Fidel es erstmals auf das Ende der Ernte im Juli.

Der Plan schlug fehl: Statt zehn wurden es nur 8,5 Millionen Tonnen, und weil alle Menschen für die Zuckerschlacht im Einsatz waren, erlitt die übrige kubanische Wirtschaft schwere Verluste. Die verschobene Weihnacht fand nicht statt. Und Fidel schaffte sie gleich ganz ab. Dass er sie fast 30 Jahre später wieder einführte, verstand er als grosszügige Geste an sein Volk und den Papst. Der einstige Jesuitenschüler Fidel empfing das Oberhaupt der katholischen Kirche im Januar 1998 wie einen König. Aber wie damals, als der Comandante en Jefe die Weihnacht verschoben hatte, sprach er auch bei der Wiedereinführung von einer «Ausnahme». Doch was heisst das schon in Kuba, wo vieles rätselhaft und die Ausnahme alltäglich ist - heute so, morgen so, und dann mal schauen. So ist es auch mit Weihnachten gekommen: Der Papst reiste ab, der 25. Dezember ist ein Feiertag geblieben.

Feiertag hin oder her. Seit Fidel und seine Bärtigen 1959 Revolution gemacht haben, ist in Kuba von Weihnachten nicht mehr viel zu spüren. Da und dort sieht man zwar ein blinkendes Plastikbäumchen made in China in einem Wohnzimmer stehen. Geblieben ist auch das traditionelle kubanische Essen (Schwein, Reis, schwarze Bohnen) am Heiligabend im Familienkreis. Und die Mitternachtsmessen in den Kirchen sind seit dem Papstbesuch wieder besser besucht. Doch Geschenke, Weihnachtsschmuck, Beleuchtung und Klingelingeling - das alles gibts in Kuba seit langem nicht mehr und ist nur noch blasse Erinnerung von älteren Leuten, die Jahre vor der Revolution geboren wurden. Damals war Weihnacht in Kuba amerikanisch, mit Santa Claus und Firlefanz überall. In Havanna vergnügten sich die Reichen und die Mafiosi; auf dem Land hielten die United Fruit Company und andere ausländische Firmen ihre Arbeiter bei Laune. Für Fidel Castro ist diese Art von Weihnachtsfeier nichts anderes als ein Fest der Bourgeoisie.

Im kubanischen Exil in Miami wiederholt sich seit 50 Jahren jeden Dezember dasselbe Lamento. Über den Kommunisten-Teufel Fidel, der den Menschen auf der Insel auch die Weihnacht weggenommen hat. Heute trösten sich die Exilkubaner damit, dass im Kreml der ehemaligen Sowjetunion just an Weihnachten 1991 die rote Fahne mit Hammer und Sichel eingeholt wurde. Für Nostalgiker des früheren Kubas ein göttliches Zeichen: Auch Fidel und seine Revolution werden irgendwann in der Hölle schmoren und die ach so schöne Weihnacht von einst in Kuba wieder auferstehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.12.2008, 12:13 Uhr

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8 Kommentare

Rolf Auf der Maur

22.12.2008, 16:08 Uhr
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Herr Alba:Warum berichten Sie nichts über über die Millionen Armen von US-Amerikanern, die kaum was zu Essen haben, über die miserable Infrastruktur in diesem komischen Land? Die USA stehen vor dem Zerfall und vor Bürgerkrieg. Antworten


Nicolas Pampuch

23.12.2008, 10:14 Uhr
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"auf dem Land hielten die United Fruit Company und andere ausländische Firmen ihre Arbeiter bei Laune" Wie schön muss das gewesen, wie die United Fruit Company und andere ausländische Firmen sich um die Arbeiter gekümmert haben ...! So ein Unsinn! Wirklich. Antworten



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