Ausland

«Die Geschichte wird mich freisprechen»

Von Oscar Alba, Havanna. Aktualisiert am 25.11.2008

Das politische Leben des ewigen Revolutionärs war lang, wild, brutal und aussergewöhnlich.

Eigentlich müsste Fidel Castro seit 1953 tot sein. Nachdem er und seine Rebellen nach einem dilettantischen Sturm auf eine Militärkaserne kläglich gescheitert waren, befahl der kubanische Diktator Fulgencio Batista, den 26-jährigen Castro und die anderen Gefangenen sofort zu erschiessen. Der Unteroffizier hatte Angst, verweigerte den Schuss; Fidel kam vor Gericht und sagte dort: «Die Geschichte wird mich freisprechen.» Er wurde zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, nach zwei Jahren bei einer Amnestie aber wieder freigelassen.

Im Exil in Mexiko plante Fidel mit Che Guevara und 80 Kampfgefährten die Revolution. Bei der Landung mit einer Jacht auf der Insel wurden die meisten getötet. Fidel flüchtete mit einem guten Dutzend Überlebenden in die Berge der Sierra Maestra. Dort empfing der Comandante en Jefe einen Reporter der «New York Times» und liess sich während des Interviews ständig Bericht erstatten von seinen angeblich zahlreichen Truppen an der Front. Der Bluff funktionierte: Auf der Titelseite der «Times» berichtete der Reporter, in Kubas Hinterland sei eine ganz grosse Operation am Laufen. Fidel wurde weltbekannt. Und Batista fürchtete um sein Leben. Am 1. Januar 1959 flüchtete der Diktator. Die Guerilleros übernahmen. Fidel redete viel, sagte unter anderem, er sei weder an der Macht noch an einem Amt interessiert. Er hielt darauf 50 Jahre lang die Macht eisern in seinen Händen. Wer neben ihm zu gross wurde oder ihn kritisierte, wurde beseitigt, machte sich davon (Che) oder verschwand auf immer und ewig (Camilo Cienfuegos).

1960 verstaatlichte Fidel Castro alle US-Firmen, beteuerte aber vor der Welt, Kuba werde weder sozialistisch noch kommunistisch. 1961 jagte er in der Schweinebucht die Exilkubaner und ihre Schützenhilfen der CIA zum Teufel und verkündete: Diese Revolution ist sozialistisch! 1962 lösten die in Kuba stationierten sowjetischen Atomsprengköpfe eine Krise zwischen den Supermächten aus. Chruschtschow und Kennedy einigten sich in letzter Sekunde, zum Ärger Castros.

Die USA taten alles, um den Máximo líder zu beseitigen: Sie wollten die Insel mit einem Wirtschaftsembargo aushungern, Fidel mit Komplotts, Kugeln, Bomben und Chemie töten, unter anderem mit einer vergifteten Zigarre. 1985 gab Castro das Rauchen auf und sagte: «Das Beste, was du mit einer Zigarrenkiste machen kannst, ist, sie einem Feind zu geben.» Fidel hat neun US-Präsidenten überlebt, kein Staatschef der Welt war länger im Amt als er – und keiner redete mehr und länger. 1986 sprach er am Parteikongress 7 Stunden und 10 Minuten. Die Internetsite der Staatszeitung «Granma» enthält über 1000 Reden von Fidel, in vollem Wortlaut und zum Teil in acht Sprachen übersetzt.

Seit seiner Operation im Juli 2006 schwieg Fidel. Er schrieb auf, was er sagen wollte. Die Parteipresse druckte es. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.11.2008, 15:53 Uhr

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