Ausland

Kuba, die Insel im World Wide Web

Von Oscar Alba. Aktualisiert am 06.08.2008

Ein falscher Mausklick, und schon ist man auf der schwarzen Liste. Internetverbot!

An jedem Computerbildschirm in der Nationalbibliothek José Marti in Havanna klebt eine Kopie der schwarzen Liste. Zurzeit sind27 Personen mit Vor- und Nachnamen dort aufgeführt, darunter der Hinweis: «Verboten: E-Mail, Chat, Internetseiten mit Inhalten, die nicht mit unseren Prinzipien und Werten vereinbar sind.»

Welche Seiten verboten sind, weiss auch die freundliche Aufseherin nicht: «Wahrscheinlich Pornosachen und Konterrevolutionäres.» Aber mit Kontrolle und Verboten habe sie sowieso nichts zu tun, sie sei nur für «die Registratur» zuständig. Sie registriert anhand der Identitätskarte die Daten jeder Person sowie die exakte Zeit, wer von wann bis wann im Internet surft. Jeder Mausklick wird kontrolliert, ist einer nicht mit den «Prinzipien und Werten» der Revolution «vereinbar», kommt man auf die schwarze Liste.

Blöd, denn nirgends ist der Internetzugang in Kuba günstiger als in der Nationalbibliothek, umgerechnet 20 Rappen die Stunde. In einem Hotel kostet sie sieben Franken. Der Vorteil: Die Hotels verkaufen unpersönliche Rubbelkarten mit einem Zugangscode - das Ticket für eine einstündige, freie Reise ins World Wide Web. Der Preis ist bewusst so hoch. Die kommunistische Regierung will nicht, dass das Volk sich zu sehr über die Welt ausserhalb der Insel informiert.

Freien Zugang zum Internet gibt es in Kuba praktisch nicht. Der Staat entscheidet, wer wo wie und unter welchen Bedingungen ins Netz darf. Fast niemand darf. Die meisten der elf Millionen Bewohner auf der Insel wissen bis heute nicht, was Internet ist. Nur in grossen Städten wie Havanna und Santiago de Cuba ist dies ein Thema im Alltag.

Die Uno sagt: Praktisch nirgends inLateinamerika haben so wenig Menschen Zugang zum Internet wie in Kuba. DieRegierung widerspricht: Hunderttausende können im Netz surfen. Sie meint damit das kubanische Intranet, eine zensurierte Version des Internets. Das Land hat für alle möglichen Themen und Bereiche Heere von Spezialisten, die Informationen im Netz sperren, filtern, auswählen. Nur was politisch genehm ist, kommt ins Intranet. Zu diesem haben Institutionen, die Hochschulen und Forschungszentren Zugang. Sie entscheiden auch, welche Angestellte zu Hause Intranet und ein Mailkonto haben dürfen. Der Staat spricht vom «geplanten sozialen Nutzen».

Vizepräsident Carlos Lage Davila schloss Kuba 1996 feierlich und offiziell ans Internet an. Er besuchte die Homepage der «New York Times». Fidel Castro liest jeden Morgen als Erstes internationale Nachrichten im Internet und bezieht sich oft auf sie in seinen «Reflexionen», die die Staatsmedien drucken und vorlesen. In der allabendlichen Fernsehsendung «Runder Tisch» debattieren die Teilnehmer ständig Berichte und Analysen der internationalen Presse, die sie vor der Sendung im Internet gelesen haben. Die Leitartikelschreiber der kubanischen Zeitungen zitieren gerne Weltblätter wie «El País», «Le Monde, «The Guardian». Kubas Elite redet ständig von einer Welt, die das Volk nicht kennt, nicht kennen lernen darf.

Passwort wird weiterverscherbelt

Unbeschränkten Zugang zum Internet haben nur wenige Auserwählte, Ausländer, die permanent auf der Insel leben, sowie die Tausenden ausländischen Medizinstudenten aus armen Ländern, die Kuba kostenlos ausbildet. Viele dieser Privilegierten geben ihr Passwort und ihren Zugangscode für umgerechnet 35 Franken im Monat (fast zwei Monatslöhne) an Private weiter, die sich auf dem Schwarzmarkt ein Modem gekauft haben. Diese illegalen Trittbrettsurfer «verkaufen» wiederum einzelne Internetstunden an Nachbarn und Freunde. In manchen Haushalten mit einem verbotenen Anschluss herrscht abends ein Kommen und Gehen, der Computer läuft auf Hochtouren, die Telefonleitung ist stundenlang besetzt. Die Verbindung ist zum Verzweifeln langsam. Endlich einmal im Internet, ist es dort wie im kubanischen Alltag vor Läden und Ämtern: Man verbringt die meiste Zeit mit Warten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.08.2008, 16:30 Uhr

Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.