Kubas Frühwarnsystem hat erneut reibungslos funktioniert
Von Oscar Alba. Aktualisiert am 23.12.2008
Gustav war desaströs – der stärkste Hurrikan, der in den letzten 50 Jahren über Kuba hinweggefegt ist. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 350 Stundenkilometern hat der Tropensturm den nordöstlichen Zipfel Kubas, die Provinz Pinar del Rio und die davor gelegene Isla de la Juventud in ein Katastrophengebiet verwandelt. Aus den betroffenen Zonen sendet das Fernsehen Bilder von Dörfern, die praktisch dem Erdboden gleichgemacht wurden. Aus der Luft sieht das aus wie grosse Ansammlungen von Sperrmüllhaufen, jedes Holzhaus nur noch ein kläglicher Haufen. Der Sturm hat Wände und Dächer von Fabriken und riesigen Hühnerfarmen gerissen, übrig sind nur noch die Stahlgerippe und das zerzauste Federvieh in seinen vergitterten Batterien.
Über 80'000 Häuser zerstört
Bäume, Bananenplantagen und Strommasten, alles liegt flach. Es gibt kein Strom und Gas mehr. Zehntausende haben ihr Zuhause verloren. Eine erste Bilanz der Regierung: über 80'000 Häuser zerstört, Tausende Tonnen Ernte kaputt – aber kein einziger Toter. Schier unglaublich angesichts des Ausmasses der Katastrophe. In Haiti, Jamaica und der Dominikanischen Republik tötete Gustav über 70 Menschen.
So ist es oft, wenn ein Hurrikan durch die Karibik braust: Überall Tote und Vermisste, ausser in Kuba. Das Land hat ein Frühwarnsystem, von dem auch der politische Erzfeind USA etwas lernen könnte. Aufgebaut hat dies Fidel Castro persönlich Anfang der 60er-Jahre nach einem verheerenden Sturm. Und wenn der Comandante en Jefe persönlich etwas zur Chefsache erklärt, ist das Befehl für die ganze Nation.
Braut sich über dem Atlantik etwas zusammen, meldet das nationale Meteorologische Institut stündlich Bulletins auf allen staatlichen Radio- und Fernsehkanälen. Lange bevor auf der Insel der erste Windstoss aufkommt, werden Heere von Zivildienst- und Armeekontingenten in die voraussichtlich betroffenen Gebiete geschickt. Konvois gepanzerter Militärfahrzeuge und Lastwagen mit Hilfsmaterial fahren auf. Hand in Hand mit der Bevölkerung bereiten sich Militärs, Milizen und Funktionäre der Kommunistischen Partei auf den Sturm vor. Sie säubern die Strassen von Müll und Schutt, stutzen Bäume, verkleben Scheiben und Schaufenster.
Zehntausende evakuiert
Zwei Tage, bevor der Sturm ankommt, herrscht Ausnahmezustand. Vor den Läden sind die Warteschlangen länger denn je. Die Leute kaufen alles, was ohne Kühlschrank haltbar und ohne zu kochen essbar ist. Schulen, Büros, Läden, alles wird frühzeitig geschlossen und mit Holzplatten und Latten zugenagelt. Je nach Stärke des Sturms werden Zehntausende evakuiert, vor Gustav waren es allein in der Provinz Pinar del Rio 60'000. Kommt der Sturm auf, fahren Autos mit Lautsprechern durch die Strassen und rufen die Bevölkerung auf, sich zu verbarrikadieren. In ganzen Landstrichen werden Strom und Gas abgestellt. Havanna war mehr als 24 Stunden lang ohne Strom und Gas.
Nach dem Sturm mobilisiert der Staat Zehntausende für Aufräumarbeiten und den Wiederaufbau. Medien und Menschen betonen stolz, einmal mehr einem Hurrikan getrotzt zu haben, ohne dabei ein einziges Opfer beklagen zu müssen. Der Fernsehkommentator zitierte, was Fidel Castro vor Jahren gesagt hatte: «Kein Angriff der Natur ist stärker als die Revolution.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.12.2008, 13:27 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




