Mehr Elend als Glanz
Kuba, 50 Jahre nach dem Triumph der Revolution: Das Land hat die tiefste Kindersterblichkeit, die fähigsten Ärzte, die am besten ausgebildete Bevölkerung Lateinamerikas. In Rio de Janeiro oder Caracas muss man sich vor seinem eigenen Schatten fürchten, ein Streifzug durch Havanna ist kaum gefährlicher als ein Einkaufsbummel in Zürich. Während Wirbelstürme in Haiti oder auf den Bahamas oft Dutzende von Menschenleben fordern, lassen sich kubanische Todesopfer an einer Hand abzählen – dank dem hervorragenden Zivilschutz. Die von Fidels Verehrern unermüdlich gepriesenen «Errungenschaften der Revolution » sind kein propagandistisches Hirngespinst, sondern Realität.
Ein halbes Jahrhundert nach Castros Machtergreifung ist Kuba aber auch das einzige lateinamerikanische Land, in dem keine demokratischen Wahlen stattfinden und Regierungskritiker jahrelang im Gefängnis schmoren. Ein Land, in dem der Monatslohn eines Professors gerade für eine Tube Zahnpasta und eine Flasche Speiseöl reicht und in dem Tausende hungern würden, erhielten sie nicht Geld von ihren Angehörigen im Exil. Ein Land mit zerfallenden Kolonialgebäuden, löchrigen Strassen, altersschwachen Verkehrsmitteln. Ein Land, hinter dessen Fröhlichkeit sich Verzweiflung verbirgt.
Wie sind die Vor- und Nachteile zu gewichten? Ist der Revolution ein baldiger Tod, ein langes Weiterleben oder eine Verjüngung durch Reformen zu wünschen? Klar ist, wer dazu schweigen sollte: all die linken ausländischen Kuba-Romantiker, die den Tropensozialismus ohne ihre Travellerchecks keine Stunde ertragen würden. Ebenso klar ist, wer sie beantworten müsste: Kubas Bevölkerung. Genau dies jedoch verhindert das Regime seit 50 Jahren, weshalb es seine Legitimation verspielt hat. Errungenschaften hin oder her. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.01.2009, 09:14 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




