Tage der Arbeit in Kuba
Von Oscar Alba. Aktualisiert am 06.08.2008
«Die Imperialisten werden Kuba nie kriegen!» Und immer in grossen Lettern das diesjährige Motto: «Einheit, Standfestigkeit, Sieg!» Der Tag der Arbeit und der Tag der Revolution (1. Januar) sind im sozialistischen Kuba seit 50 Jahren die hoch heiligen Feiertage. Da werden die Massen mobilisiert. Am 1. Mai marschieren sie auf den Plätzen, Tage zuvor schuften sie auf den Feldern – Fronarbeit für die Revolution und den Tag der Arbeit.
Vorletzten Sonntag auf dem Acker von Güira de Melena ausserhalb Havannas. Das Feld ist weit, die Sonne brennt. Hunderte Männer und Frauen gehen mit kurzen Schritten in den Ackerfurchen, bücken sich alle paar Sekunden, klauben von Hand Kartoffeln aus der trockenen Erde und stecken sie in die über die Schulter gehängten Säcke.
Raúl, 38, promoviert in Philosophie, tätig als Kellner in einem Strandhotel, macht mit bei der Freiwilligenarbeit, «weil mir nichts anderes übrig bleibt». Rufen die staatlichen Arbeitszentren und Massenorganisationen zur Fronarbeit auf, sind die einen mehr, die anderen weniger verpflichtet anzutraben. Wer wie Raúl im Tourismus arbeitet, tut gut daran, sich diese «Verdienste für die Revolution» in die Arbeitskartei eintragen zu lassen. Die Stellen in Hotels und Ferienanlagen gehören zu den begehrtesten, weil gut bezahlt und mit Aussicht auf eine Hand voll Dollars mehr. Wer nichts «freiwillig» leistet für die Revolution, hats schwer, seinen Job im Tourismus auf lange Zeit zu halten, und noch schwerer, einen zu bekommen. Raúl sagt: «Was will ich mich aufregen? Das ist der Preis, den ich für meinen guten Job bezahlen muss.»
Niemand wird zum Frondienst gezwungen. Doch jede Kubanerin, jeder Kubaner weiss: Für das Land und die Revolution musst du heute freiwillig was tun, willst du morgen etwas bekommen. Offerieren die Arbeitszentren zu günstigen Preisen ein Kontingent elektronischer Geräte, ein paar Tage Ferien am Strand oder gar neue Wohnungen, kommen jene zum Zug mit den meisten «Verdiensten» in der Arbeitskartei.
Es gibt sie aber auch heute noch, die Selbstlosen und Uneigennützigen, die gerne für ihr Land und dieses System ohne Lohn Gemüse säen und ernten, Zucker verarbeiten, Strassen reinigen und Häuser bauen – es sind vor allem Sozialisten älteren Semesters sowie ambitionierte Mitglieder der Jungkommunisten.
1'262'407 Landsleute seien am letzten Tag der Freiwilligenarbeit im Einsatz gewesen, meldete die staatliche Zeitung «Granma». Das Montagsblatt der «Arbeiter» schrieb: «Für das arbeitende Volk in Kuba ist es mehr und mehr zweifellos klar, dass es für eine bessere Zukunft und das Wohl aller die Überzeugung braucht, unsere Freiheit zu erhalten sowie die Unabhängigkeit und Souveränität des Vaterlandes.»
Am Donnerstag, am 1. Mai, werden allein in Havanna über eine halbe Million Menschen mehr oder weniger freiwillig dem Aufgebot folgen und über den Revolutionsplatz marschieren – unter den Augen des riesigen Che Guevara, dessen Antlitz aus Eisen gegossen am mächtigen Innenministerium hängt.
Der nächste Tag der Freiwilligenarbeit ist Ende Juli, weitere folgen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.08.2008, 16:17 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




