Wohnungswechsel auf kubanisch
Von Oscar Alba, Havanna. Aktualisiert am 23.12.2008
Eine Wohnung mieten? Ein Haus bauen oder verkaufen? Geht in Kuba nicht. Ist verboten. Bauen darf nur der Staat, und erlaubt ist nur der Tausch - du gibst mir deine Wohnung, ich gebe dir meine. Vererbte Häuser und Wohnungen aus der Zeit vor der Revolution (1959) sind zwar auf dem Papier Privateigentum, doch die Besitzer dürfen damit nicht machen, was sie wollen. Von einem freien Immobilienmarkt will die kommunistische Regierungspartei des sozialistischen Staates nichts wissen. Im Volk sieht man das ein bisschen anders.
In Dörfern, in Städten, überall auf der Insel sieht man an Haustüren und Balkongeländern Kartonschilder hängen, auf denen gross geschrieben steht: «Zu tauschen». Eine solche Anzeige hängt auch an einem Fenster von Lourdes’ Wohnung in der Altstadt von Havanna. Die 47-jährige Lehrerin lebt mit ihrer Tochter und ihrer 74-jährigen Mutter in der Altstadt von Havanna. Die alte Frau hat ein steifes Bein und kommt ohne Hilfe nicht mehr die Treppe in den dritten Stock hoch. Lourdes sucht deshalb eine Wohnung im Erdgeschoss. Im staatlichen «Büro für Wohnungstausch» lässt sie registrieren, was sie zu bieten hat, was sie sucht und welche Stadtteile für sie in Frage kommen. Sie lässt sich eine Liste ausdrucken mit Tauschangeboten, die in etwa ihren Wünschen entsprechen. In den nächsten Tagen wird Lourdes viel telefonieren und Wohnungen besichtigen. Um ihre Chancen zu erhöhen, wird sie sich auch auf der «anderen Tauschbörse» umsehen.
Das Geld fliesst am Staat vorbei
Fussgängerallee Prado, Ecke Colón, nahe der Uferpromenade Malecón. Hier, im Schatten der Eukalyptusbäume, auf den eleganten Steinbänken und geschliffenen Granitböden ist die andere Tauschbörse von Havanna. Jeden Tag ab zehn Uhr tummeln sich an dieser Ecke Makler, Boten und so genannte «Ermöglicher». Die Makler vermitteln gegen gutes Geld passende Tauschobjekte. Die Boten telefonieren, informieren und machen weite Wege, wenn die Klienten kein Telefon haben. Die «Ermöglicher» sind Anzeigenverwalter. Einer von ihnen ist Beto, 60, pensioniert, seit 15 Jahren im Geschäft, früher nebenberuflich, seit der Pension vollzeitig.
Seine dicke Tasche ist voll gestopft mit kleinen Notizbüchlein, in denen die Kunden gegen ein kleines Entgeld drei Monate lange ihr Tauschangebot und ihre Wünsche reinschreiben können. Für jeden Stadtteil und jeden Aussenbezirk führt Beto mehrere Büchlein nach dem System «Wer will wo weg und wohin». Lourdes trägt sich in verschiedene Büchlein ein. Als Kundin hat sie das Recht, in Betos riesigem Anzeigenangebot zu stöbern. Findet sie etwas Passendes, zahlt sie Beto nach erfolgtem Tausch ein Trinkgeld nach eigenem Gutdünken.
Die fetten Beträge fliessen beim Tausch selber, unter der Hand und am Staat vorbei. Grosse Wohnungen werden für mehrere Tausend Franken gegen kleine getauscht. Renovierte Villen gegen bröckelnde Reihenhäuser. Bei den Tauschgeschäften «1 für 2», «2 für 1» oder gar «1 für 3» und «3 für 1» wechseln die Banknoten mehrmals den Besitzer.
Sind sich die Tauschwilligen einig, beginnt der Papierkrieg mit den Behörden. Er dauert Monate. Das Büro der urbanen Wohnreform, der Kreisarchitekt, die Inspektorin, der Notar - viele Staatsdiener mischen mit, müssen Zertifikate, Formulare und Dokumente ausstellen, unterschreiben, beglaubigen. Ist es ein Tausch ausserhalb aller Normen und Regeln müssen viele Funktionäre bestochen werden.
Lourdes Problem: Sie wohnt in der überbevölkerten Altstadt, wo spezielle Regeln gelten: Bei einem Tausch dürfen nur so viele Personen in die Wohnung ziehen, wie vorher darin gelebt haben. Lourdes hat nun ein passendes Angebot von einer fünfköpfigen Familie. In ihrer Wohnung dürfen aber nur drei Personen leben. Lourdes ist zuversichtlich: «Mit Geld lässt sich auch dieses Problem lösen.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.12.2008, 13:36 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





