Türken am schlechtesten integriert
Ausländerkriminalität, Streit um Minarette, Zwangsheirat, illegale Einreise, Kopftuchverbot: Solche Schlagworte prägen die Integrationsdebatte in Europa. Nach Meinung des Berliner Instituts für Bevölkerung und Entwicklung wird mit solchen Reizwörtern kein objektives Bild der Integration gezeichnet. Aber man warnt: «Sie sind untrügliches Zeichen dafür, dass einiges schiefgelaufen ist bei der Eingliederung der mittlerweile rund 15 Millionen Menschen aus anderen Ländern und deren Nachkommen der zweiten und dritten Generation in Deutschland.»
Die Forscher liessen es mit dieser Einschätzung nicht bewenden, sondern versuchten dem Problem wissenschaftlich auf die Spur zu kommen. Was ist gelungene Integration, wie kann sie bewerkstelligt werden? Es gibt grosse Wissenslücken. Bis vor Kurzem vermochte nicht einmal jemand zu sagen, wie viele Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland – Europas grösstem Einwanderungsland – leben. Die offizielle Statistik berücksichtigt nur die Staatsbürgerschaft, unterscheidet nur zwischen Personen mit und ohne deutschen Pass. In Deutschland geborene Kinder kommen übrigens viel schneller in den Genuss der Staatsbürgerschaft als in der Schweiz – schon wenn ein Elternteil seit mindestens acht Jahren legal in Deutschland lebt.
Gar nichts besagen die offiziellen Statistiken über den Stand der Integration. Dieses Loch hat das Berliner Institut unter der Ägide von Direktor Reiner Klingholz nun mit einem neuen umfassenden «Index zur Messung der Integration» (IMI) zu stopfen versucht. Ausgewertet wurden die Daten von 800'000 Menschen anhand von 15 Indikatoren. Wer etwa als Migrant im öffentlichen Dienst beschäftigt ist, hat bereits eine hohe Hürde genommen. Gesichertes Einkommen und gute soziale Absicherung gehen einher mit Planungsperspektive und gesellschaftlicher Anerkennung. Dasselbe gilt für Migranten oder Migrantinnen, die in «Vertrauensberufen», etwa als Arzt, arbeiten. Bikulturelle Ehen über ethnische und kulturelle Grenzen hinweg mindern das Risiko einer missglückten Integration.
Je stärker aber jemand von öffentlichen Leistungen abhängt, je geringer der individuelle Lohn ist oder je mehr Jugendliche arbeitslos sind, umso chancenloser ist die Integration – die Gefahr einer Parallelgesellschaft wächst. Integrationsarbeit müsse differenziert angegangen werden, besagt die Studie. Die Gründe für missglückte Integration seien in jeder Herkunftsgruppe unterschiedlich, lautete eine Erkenntnis der Forscher, wie sie gestern ausführten.
Die detaillierte Auswertung aller Fakten brachte noch ein zentrales Ergebnis: Türkischstämmige Migranten befinden sich viele im Land, doch viele sind immer noch nicht wirklich angekommen. Als besonders alarmierend wurden der hohe Anteil von Personen ohne Bildungsabschluss und die hohe Jugendarbeitslosigkeit bezeichnet. Den Wissenschaftlern ist ferner aufgefallen, dass türkische Männer grundsätzlich besser qualifiziert sind als ihre Frauen. In der Schule dagegen ist es bei den in Deutschland Geborenen umgekehrt. Die türkischen Mädchen schneiden klar besser ab als die Jungen. Die Forscher führen diese Diskrepanz darauf zurück, dass die Mädchen die Diskriminierung in ihren Heimatländern inzwischen überwunden haben.
Genel Merkez von der Bundesgeschäftsstelle der türkischen Gemeinde in Deutschland spricht von einem Schichtproblem. Rund 80 Prozent der türkischen Bevölkerung in Deutschland gehörten einkommensschwachen und bildungsfernen Schichten an. (Durchschnitt: 13 Prozent). Sozialhilfekarrieren gelte es Einhalt zu gebieten. Partizipation und Empathie – gegenseitiges Verstehen – müssten gestärkt werden. Positive Auswirkungen verspricht sich Merkez vom leichteren Erlangen der deutschen Staatsbürgerschaft. (Basler Zeitung)
Erstellt: 27.01.2009, 06:52 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





