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Die Schweiz hilft Europa beim Wählen

Von David Vonplon. Aktualisiert am 11.05.2009

Hierzulande vertrauen Stimmbürger schon seit Jahren auf Smartvote, der Wahlhilfe per Mausklick. Nun macht die Schweizer Technologie auch im Ausland Karriere.

Schweizer Technologie-Export für die EU: Der EU-Profiler.

Schweizer Technologie-Export für die EU: Der EU-Profiler.

Spider-Grafik aus der Schweiz: Hier das Profil der Schweizer FDP...

Spider-Grafik aus der Schweiz: Hier das Profil der Schweizer FDP...

... im Vergleich zum Profil der Schwesternpartei in Deutschland.

... im Vergleich zum Profil der Schwesternpartei in Deutschland.

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In fünf Wochen wählen die europäischen Stimmbürger ein neues EU-Parlament. Umfragen lassen schon heute erahnen, dass auch bei der diesjährigen Wahl die Stimmbeteiligung tief sein wird – zu weit weg vom Bürger sind die Parlamentarier, die in Brüssel Einzug halten wollen und zu wenig transparent ist das Wahlsystem.

Schweizer Technologie als Entscheidungshilfe für EU-Bürger

Orientierungshilfe für die EU-Bürger liefert jetzt ausgerechnet ein Internet-Tool, dessen Technologie zu einem grossen Teil aus der Schweiz stammt, dem einzigen Nicht-EU-Staat im Herzen Europas. Getreu dem Beispiel Smartvote, das bereits bei den eidgenössischen Parlamentswahlen zum Einsatz kam, lernen politisch Interessierte mit dem Internet-Tool EU-Profiler innerhalb von zehn Minuten die zu ihren politischen Präferenzen passende Partei kennen. Dargestellt wird dies in der hierzulande bekannten und entwickelten Spider-Grafik, die an ein Spinnennetz erinnert.

Der Aufwand, den Politikwissenschaftler für den Internet-Parteientest betrieben, war immens: Das European University Institute (EUI) in Florenz trug Daten für die Profile von nicht weniger als 280 Parteien zusammen. Insgesamt arbeiteten über 100 Wissenschaftler am Mammutprojekt, das es nun in 24 Sprachen gibt. In Ergänzung zu den 27 EU-Staaten können Internetbenutzer Parteien aus 27 EU-Staaten sowie Parteien aus der Schweiz, Kroatien und der Türkei vergleichen – auch wenn sie an der Urne freilich nur den Parteien aus dem Heimatland ihre Stimme geben können.

Profile mit Parteien ausgehandelt

An der Umsetzung des EU-Profilers beteiligt ist der Schweizer Politologe Andreas Ladner. Er sitzt im Steuerungsausschusses des Projekts, das nicht durch die EU, sondern vor allem durch wissenschaftliche Einrichtungen finanzieren wird. Nicht immer ging die Verortung der Parteien in der politischen Landschaft problemlos vonstatten: Ladner erklärt, dass im Gegensatz zur Schweiz nicht wenige der politischen Profile mit den Parteien ausgehandelt werden mussten. «Die Einschätzung der Wissenschaftler stimmte in einigen Fällen nicht mit jenen der Parteien zusammen. Oftmals wollten sich Parteien etwa liberaler darstellen, als sie auf der Grundlage ihres Parteiprogramms in Tat und Wahrheit sind.»

Trotz der Wahlverdrossenheit in Europa rechnet Ladner damit, dass der EU-Profiler – ähnlich wie in der Schweiz, vom europäischen Stimmvolk rege benutzt. Darauf deuten die Nutzungstatistiken der ersten zehn Tage hin. Bislang hat bereits eine halbe Million Besucher das Tool benutzt. Auch wenn dies im Vergleich mit den gut 300 Millionen stimmberechtigten Personen in der EU ein Klacks ist, zeigen sich die Projektverantwortlichen mit der Resonanz hoch zufrieden. Dass damit die Stimmbeteiligung im EU-Raum merklich erhöht werden kann, bleibt wohl allerdings eine Hoffnung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.05.2009, 10:53 Uhr

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